VonLars Pollmannschließen
Zwei England-Juwelen beim BVB haben unter Niko Kovač einen unterschiedlichen Stand. Ein Tausch könnte im Sommer eine Option darstellen.
Dortmund/London – Borussia Dortmund hat sich in den letzten Wochen unter Cheftrainer Niko Kovač merklich stabilisiert. Der BVB schnuppert wieder an den Europapokal-Rängen, auch viele Spieler zeigen eine klar aufsteigende Tendenz.
Allerdings gilt dies nicht für alle Schwarzgelben. Wenn es um die Verlierer des Trainerwechsels von Nuri Şahin zu Kovač geht, führt die Spur unweigerlich zu Jamie Gittens. Der Tempodribbler hat seinen Stammplatz eingebüßt, kam in der Bundesliga seit der Länderspielpause im März vor der Nominierung in der Startelf gegen die TSG Hoffenheim ganze 21 Minuten zum Einsatz.
In 14 Partien unter Kovač hatte Gittens bis dahin lediglich einen Treffer erzielt, sein Impact als Einwechselspieler hält sich oft in Grenzen. Die Tendenz zeichnete sich übrigens auch schon vor einer Systemumstellung ab, infolge derer es die Idealposition des Engländers auf dem offensiven Flügel beim BVB nicht immer gibt.
BVB wusste stets: 100 Millionen Euro sind für Gittens nicht drin
In der Hinrunde hatte Gittens noch zu den Ausnahme-Erscheinungen der Bundesliga gehört, war phasenweise der wichtigste Offensivspieler des BVB. In diese Zeit fielen auch Transfer-Gerüchte, bei denen Summen im Bereich der magischen Marke von 100 Millionen Euro in den Raum gestellt wurden.
Nach Informationen von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports, wurden Einnahmen in dieser Größenordnung beim BVB nie als realistisch eingestuft. Den Verantwortlichen ist zwar bekannt, dass Gittens einen guten Ruf als großes Talent hat, aber doch eine Stufe unter den vorherigen englischen Jungstars Jude Bellingham und Jadon Sancho steht, die noch zu BVB-Zeiten für die A-Nationalmannschaft debütiert hatten.
Berichte über eine Schmerzgrenze von Dortmund bei Gittens im Bereich von 60 Millionen Euro fügten sich so schlüssig in den Gesamtkontext der Personalie Gittens ein. Inzwischen zeichnet sich auch ab, von welchem Interessenten diese Summe fließen könnte.
Chelsea steht auf ehemalige ManCity-Talente
Nach übereinstimmenden Meldungen etwa der WAZ und des TV-Senders Sky zeigt der FC Chelsea das konkreteste Interesse an Gittens. Die Talente-Strategie der Blues ist hinlänglich bekannt, alljährlich werden Abermillionen in junge Spieler investiert. Gittens spielte dabei bereits im Kindesalter kurzzeitig bei Chelsea, erlebte den längsten Teil seiner Ausbildung aber bei Manchester City.
Aktuell spielen mit Tosin Adarabioyo, Roméo Lavia, Cole Palmer sowie Sancho gleich vier bei ManCity ausgebildete Profis für Chelsea, es wäre keine große Überraschung mehr, wenn sich Gittens in diese Riege einfügen sollte.
Dem BVB kann prinzipiell fast egal sein, welcher Klub die geforderte Ablöse für den geborenen Londoner hinlegt – wobei die Fans sicherlich froh wären, wenn es für den 20-Jährigen nicht ausgerechnet zum FC Bayern ginge, der im Herbst und Winter immer wieder als Interessent genannt wurde.
Carney Chukwuemeka ist der BVB-Shootingstar der letzten Wochen
Doch das Buhlen des FC Chelsea könnte den Dortmunder Verantwortlichen sehr gut in den Kram passen. Die Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden Vereinen sind seit Jahren als robust zu bezeichnen, erst im Winter gab es zahlreiche Gespräche und Verhandlungen.
Während Verteidiger Renato Veiga letzten Endes bei Juventus landete, konnte sich der BVB die Dienste von Carney Chukwuemeka auf Leihbasis sichern. Der Landsmann von Gittens hat wegen körperlicher Probleme einigen Anlauf gebraucht, ist inzwischen aber ein wichtiger Faktor geworden.
Mit seiner Dynamik, Technik und Kreativität hinterlässt Chukwuemeka einen starken Eindruck. Einen so starken, dass der BVB wohl viele Hebel in Bewegung setzen wird, um sich den Spieler über das Ende der Leihe hinaus zu sichern.
Theoretisch ist das gar nicht so kompliziert, weil sich Dortmund eine Kaufoption gesichert hat. Deren Höhe soll aber bei 30 Millionen Euro oder gar nördlich dieser Summe liegen. Ob sich der BVB das leisten kann, wenn er nicht in der kommenden Champions-League-Saison dabei sein sollte, ist mehr als fraglich.
Hohe Ablöse für Chukwuemeka wäre ein Risiko
Selbst wenn das kein Thema wäre, bestünde ein durchaus hohes Risiko, weil Chukwuemeka in seiner jungen Profikarriere sehr wenig gespielt hat und immer wieder mit kleineren und größeren Verletzungsproblemen zu tun hatte.
Naheliegend war so, dass die BVB-Verantwortlichen das Gespräch mit den Kollegen von Chelsea suchen würden, um eine Lösung zu finden, sei das zunächst eine neuerliche Leihe, eine Umstrukturierung der Zahlungsstruktur oder eine Nachverhandlung der Ablöse.
Durch das konkrete Interesse der Blues an Gittens ergibt sich eine weitere Option: Die beiden englischen Talente könnten miteinander verrechnet werden. Über das Gedankenspiel eines Tausch-Deals berichtet unter anderem die Bild-Zeitung.
Ein Tausch ergibt für Dortmund und Chelsea durchaus Sinn
Dabei müsste Chelsea gewiss noch eine Ablöse drauflegen, weil Gittens trotz seiner schwierigen aktuellen Situation einen klar höheren Marktwert besitzt als sein übrigens enger Kumpel Chukwuemeka. Dennoch könnte diese Lösung für alle Seiten Sinn ergeben.
Chelsea hat für Chukwuemeka aktuell und auch perspektivisch nur wenig Verwendung, weil in den letzten Jahren so kräftig ins Mittelfeldzentrum investiert wurde. Das gilt zwar auch für die offensiven Flügel, dennoch besteht das große Interesse an Gittens.
In Dortmund indes hat Chukwuemeka die Aussicht auf eine tragende Rolle, während Gittens sich durchaus die Frage stellen muss, warum sich seine Situation in der kommenden Saison wesentlich verbessern sollte. Schließlich deutet alles darauf hin, dass Kovač Cheftrainer des BVB bleibt.
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