VonMarco Blanco Uclesschließen
1860-Coach Argirios Giannikis sitzt trotz des schlechten Starts in die 3. Liga auch beim Gastspiel in Ingolstadt auf der Bank und erhält Rückendeckung von Sportchef Werner.
München – Null Punkte nach drei Partien, Tabellenletzter, schlechtester Drittliga-Start aller Zeiten. Der Saisonstart der Löwen ist gehörig in die Hose gegangen. Im Fanlager ist das leise Murren gegen Trainer Argirios Giannikis längst zu einem kollektiven Wutschrei geworden. Zahlreiche Anhänger (siehe Kasten) fordern die Entlassung des Deutsch-Griechen, der in den vergangenen Wochen kaum Argumente für eine Weiterbeschäftigung sammeln konnte.
1860 München: Sport-Geschäftsführer Werner äußert sich, Präsident Reisinger nicht
Während sich Präsident Robert Reisinger auf Anfrage gegenüber der tz zur aktuellen Situation nicht äußern wollte, stärkt Sport-Geschäftsführer Christian Werner seinem Coach den Rücken, betont gegenüber der tz: „Wir haben Vertrauen in alle Beteiligten!“ Werner legt nach: „Seit Beginn der Vorbereitung wird medial versucht, Unruhe in den Club hineinzutragen. Aber wir lassen uns nicht verunsichern.“
Wir wissen, dass das ein katastrophaler Start von uns war. Ich will überhaupt nichts gut reden.
Den Unmut der Fans kann der 43-Jährige aber dennoch komplett nachvollziehen, die Augen vor der momentanen Situation möchte er nicht verschließen. „Wir wissen, dass das ein katastrophaler Start von uns war. Ich will überhaupt nichts gut reden. Wir arbeiten mich Hochdruck daran, schnellstmöglich zu punkten.“
80 Prozent gegen den Coach
Nach der dritten Niederlage in Folge wird es unruhig bei den Fans des TSV 1860. An einer Umfrage von Merkur/tz nahmen über 4000 (Stand Dienstag, 15 Uhr) User teil. Und bei den traditionell uneinigen Löwenfans herrscht in einem Punkt Einigkeit: Die Fans wollen einen neuen Trainer, mit Argirios Giannikis haben die meisten Teilnehmer der Umfrage abgeschlossen.
Insgesamt 3334 Löwenfans sahen in Giannikis die falsche Wahl für das Traineramt (83 Prozent!). Der 44-Jährige kam in der vergangenen Saison zum TSV 1860 und löste Maurizio Jacobacci ab. Nach einem guten Start mit einer Sieges-Serie landeten die Löwen letztlich jedoch auf dem 15. Tabellenplatz und bangten bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt.
Nicht nur die Trainerbank erntet Kritik, ein verärgerter User schreibt der tz: „Der Werner braucht nach der Gelben Karte dringend eine rote Karte. Der hat dieses Team zusammengestellt.“
Giannikis ist „maximal unzufrieden“ und den Fans geht es ähnlich. Während Sport-Geschäftsführer Dr. Christian Werner zum Coach steht, schimpfen die Fans: „Nächstes Jahr können wir mit dem Bayernticket zu den Auswärtsspielen fahren.“
Nachdem die Löwen am vergangenen Sonntag nach einer weiteren desolaten Vorstellung gegen keinesfalls überragende Kölner sang- und klanglos mit 1:3 verloren hatten, gab es neben „Wir haben die Schnauze voll“-Gesängen auch „Trainer raus“-Rufe auf der Tribüne zu vernehmen. Darauf angesprochen erklärte Giannikis nach der Partie: „Es geht jetzt nicht um Druck beim Trainer.“ Mediale Rückendeckung durch einen Löwen-Verantwortlichen gab es jedoch auch nicht in den Stunden nach dem Spiel. Das hat einen einfachen Grund, erklärt Werner: „Wir brauchen keine demonstrativen Gesten, sondern konzentrieren uns gemeinsam darauf, die Mannschaft zu stärken. Ich möchte, dass wir weniger darüber reden, sondern lieber die nötigen Ergebnisse liefern. Argirios Giannikis hat letzte Saison unter schwierigen Voraussetzungen die Klasse gehalten und gezeigt, dass er beim TSV 1860 München erfolgreich arbeiten kann.“
Und was passiert, wenn der Löwe auch im prestigeträchtigen Oberbayern-Duell beim FC Ingolstadt (Samstag, 14.03 Uhr) den Kürzeren zieht? Endspiel für den Trainer? Davon will Werner nichts wissen. Also auch bei einer möglichen vierten Pleite zu Saisonbeginn – gab es in der langen Vereinsgeschichte der Sechzger noch nie – könnte es für Giannikis weitergehen. Daran möchte jedoch im Löwenlager noch niemand denken, vielmehr wird durch einen Erfolg bei den Schanzern auf den dringend benötigten Turnaround gehofft.
TSV 1860 nach Ingolstadt-Spiel mit zweiwöchiger Ligapause
Nach dem Spiel in Ingolstadt steht erneut eine zweiwöchige Pause für die Sechzger an, unterbrochen nur durch das Totopokal-Achtelfinale (3. September, 19 Uhr) beim FC Memmingen. Die Zeit müssen die Löwen dringend nutzen, um an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten. Ansonsten läuft 1860 der Musik gefährlich früh in der Saison bereits hinterher.

