Europarekord weiter ausgebaut

Trotz Rotation Leverkusen dominiert, nun „Rock ’n‘ Roll“ gegen PSG – die Bayern-Stimmen

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Bayern-Trainer Vincent Kompany überrascht im Bundesliga-Topspiel gegen Bayer Leverkusen, das beim 3:0 trotzdem keine Chance hat. Die Stimmen zur Partie.

München - Die Partie zwischen dem FC Bayern und Bayer Leverkusen am 9. Spieltag der Bundesliga war das Aufeinandertreffen der Teams, die die letzten beiden Deutschen Meisterschaften gewonnen, aber auch zwei überragende Rekordserien zu verteidigen hatten. Der Rekordmeister und Tabellenführer hatte bereits zuvor mit 14 Pflichtspielsiegen zum Saisonstart einen europäischen Bestwert (Top-5-Ligen) aufgestellt.

FCB-Torjubel gegen Leverkusen: Lennart Karl, Serge Gnabry, Tom Bischof, Nicolas Jackson.

Die Werkself kam mit der Empfehlung von 37 BL-Auswärtsspielen in Serie ohne Niederlage in die Allianz Arena. Und was macht FCB-Chef Vincent Kompany in so einem Spiel? Er wirft vorausschauend auf den Champions-League-Kracher in Paris die Rotationmaschine an, er selbst bezeichnet die Maßnahme unspektakulär als „Konkurrenz“.

FC Bayern begeistert weiter

Im Vergleich zum 4:1-Triumph im Pokalfight in Köln standen sieben andere Spieler in der Startformation. Unter anderem fehlte zu Beginn der komplette Supersturm mit Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz. Und der „zweite Anzug“ machte seine Sache ausgesprochen gut, ließ dem Werksverein in der 1. Halbzeit keine Chance.

Serge Gnabry (25.), Nicolas Jackson (31.) und ein Eigentor von Loic Bade (43.) stellten bereits vor der Halbzeitpause den 3:0-Endstand her. Der zweite Durchgang, in dem Schritt für Schritt die „Stammelf“ eingewechselt wurde, wurde angesichts der riesigen Herausforderung am Dienstagabend im Pariser Prinzenpark beim CL-Titelverteidiger im Schongang absolviert.

Finalniederlagen, Titelfluch, Enttäuschungen: Die lange Reise des Harry Kane zum ersten Titel

Harry Kane jubelt häufig über Tore
Harry Kane gilt als einer der besten Stürmer seiner Zeit. Auch momentan zeigt er beim FC Bayern München erneut, warum der deutsche Rekordmeister 100 Millionen Euro für den Engländer hinblätterte. Auf den ersten Titel im Herren-Fußball musste der Torjäger allerdings eine ganze Weile warten – und dabei viele Enttäuschungen hinnehmen. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Seinen Weg begann Kane bei den Tottenham Hotspur aus dem Norden Londons, nachdem er in der Jugend noch beim Erzrivalen Arsenal auf Torejagd gegangen war.
Seinen Weg begann Kane bei Tottenham Hotspur aus dem Norden Londons, nachdem er in der Jugend noch beim Erzrivalen Arsenal auf Torejagd gegangen war. © Back Page Images/Shutterstock via www.imago-images.de
In seinen ersten Jahren wurde der gebürtige Londoner oft verliehen, unter anderem an Norwich City und den damaligen Zweitligisten Leicester City.
In seinen ersten Jahren wurde der gebürtige Londoner oft verliehen, unter anderem an Norwich City und den damaligen Zweitligisten Leicester City. © imago sportfotodienst
Zur Saison 2013/14 kam Kane zurück zu den Spurs und schaffte es erstmals in den festen Kader der Nordlondoner.
Zur Saison 2013/14 kam Kane zurück zu den Spurs und schaffte es erstmals in den festen Kader der Nordlondoner.  © Greig Cowie/Bpi/Shutterstock via www.imago-images.de
Der große Durchbruch in der Premier League gelang dem Torjäger schließlich ein Jahr später. Mit 21 Toren und fünf Vorlagen glänzte Kane bei den Spurs und musste sich in der Torschützenliste nur hinter Manchester-City-Ikone Sergio Agüero anstellen.
Der große Durchbruch in der Premier League gelang dem Torjäger schließlich ein Jahr später. Mit 21 Toren und fünf Vorlagen glänzte Kane bei den Spurs und musste sich in der Torschützenliste nur hinter Manchester-City-Ikone Sergio Agüero anstellen. © Ben Queenborough/BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
In derselben Saison setzte es dann auch die erste Final-Niederlage für den jungen Nachwuchs-Star. Mit 0:2 mussten sich die Spurs im Ligapokal gegen den FC Chelsea geschlagen geben.
In derselben Saison setzte es dann auch die erste Final-Niederlage für den jungen Nachwuchs-Star. Mit 0:2 mussten sich die Spurs im Ligapokal gegen den FC Chelsea geschlagen geben. © Rogan Thomson/Jmp/Shutterstock via www.imago-images.de
In der Saison 2015/16 schnupperte Tottenham auch in der Premier League am Titel. Dieser ging nach einem langen Meisterschaftsrennen schließlich an das Überraschungsteam und Kanes Ex-Verein Leicester City.
In der Saison 2015/16 schnupperte Tottenham auch in der Premier League am Titel. Dieser ging nach einem langen Meisterschaftsrennen schließlich an das Überraschungsteam und Kanes Ex-Verein Leicester City. © Jason Brown/Jmp/Shutterstock via www.imago-images.de
Auch ein Jahr später hieß der Sieger im Titelrennen nicht Tottenham. Trotz einer starken Saison reichte es für Harry Kane und die Spurs hinter Chelsea nur für Platz zwei.
Auch ein Jahr später hieß der Sieger im Titelrennen nicht Tottenham. Trotz einer starken Saison reichte es für Harry Kane und die Spurs hinter Chelsea nur für Platz zwei. © Salvio Calabrese
Im ersten großen Finale seiner Karriere traf Kane mit den Londonern im Finale der UEFA Champions League auf den FC Liverpool...
Im ersten großen Finale seiner Karriere traf Kane mit den Londonern im Finale der UEFA Champions League auf den FC Liverpool... © Jan Huebner/Voigt via www.imago-images.de
... und musste sich auch hier nur mit der Silbermedaille abfinden.
... und musste sich auch hier nur mit der Silbermedaille abfinden. © EMPICS Sport via www.imago-images.de
In der Nationalmannschaft stieg Kane ebenfalls schnell zum Leistungsträger auf und ist mittlerweile Kapitän und Rekordtorschütze der Three Lions.
In der Nationalmannschaft stieg Kane ebenfalls schnell zum Leistungsträger auf und ist mittlerweile Kapitän und Rekordtorschütze der Three Lions. © IMAGO/Grzegorz Wajda / SOPA Images
Doch auch in der Nationalmannschaft sollte es nicht mit dem ersten großen Titel klappen. Nach dem bitteren Ausscheiden im Halbfinale der WM 2018 gegen Kroatien...
Doch auch in der Nationalmannschaft sollte es nicht mit dem ersten großen Titel klappen. Nach dem bitteren Ausscheiden im Halbfinale der WM 2018 gegen Kroatien... © Michael Zemanek/BPI/Shutterstock via www.imago-images.de
...verlor Kane sein nächstes Endspiel bei der EM 2021 gegen Italien.
...verlor Kane sein nächstes Endspiel bei der EM 2021 gegen Italien. © David Klein via www.imago-images.de
Auch 2024 hieß der Sieger der Europameisterschaft am Ende nicht England. Im Finale verloren die Three Lions gegen Spanien.
Auch 2024 hieß der Sieger der Europameisterschaft am Ende nicht England. Im Finale verloren die Three Lions gegen Spanien. © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Um auf Vereinsebene dem ersten Titel einen Schritt näherzukommen, folgte im Sommer 2023 schließlich der Abschied Kanes von den Tottenham Hotspur.
Um auf Vereinsebene dem ersten Titel einen Schritt näherzukommen, folgte im Sommer 2023 schließlich der Abschied Kanes von Tottenham Hotspur. © IMAGO/Ken Sparks
Für eine Ablöse von 100 Millionen Euro wechselte der Torjäger an die Isar zum FC Bayern München.
Für eine Ablöse von 100 Millionen Euro wechselte der Torjäger an die Isar zum FC Bayern München. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Gleich in seinem ersten Spiel für die Münchner hatte Kane die große Chance, den Titelfluch abzulegen.
Gleich in seinem ersten Spiel für die Münchner hatte Kane die große Chance, den Titelfluch abzulegen. © IMAGO/Ulmer
Im Super Cup gegen RB Leipzig sollte es aber auch nicht mit einer Trophäe klappen. 0:3 hieß am Ende das Ergebnis gegen die Roten Bullen.
Im Super Cup gegen RB Leipzig sollte es aber auch nicht mit einer Trophäe klappen. 0:3 hieß am Ende das Ergebnis gegen die Roten Bullen.  © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
In der Liga lief es für Kane dagegen überragend. In seiner Premieren-Saison sicherte sich der Engländer mit 36 Toren die Torjäger-Kanone – kein anderer konnte in der Geschichte mehr Treffer in der ersten Bundesliga-Saison verzeichnen.
In der Liga lief es für Kane dagegen überragend. In seiner Premieren-Saison sicherte sich der Engländer mit 36 Toren die Torjäger-Kanone – kein anderer konnte in der Geschichte mehr Treffer in der ersten Bundesliga-Saison verzeichnen.  © IMAGO/HMB Media
Der Titelfluch schien jedoch nicht von seiner Seite zu weichen. Nach elf Meisterschaften in Serie holte sich in Kanes erstem Jahr in München die Werkself aus Leverkusen den ersten Bundesliga-Titel der Vereinsgeschichte.
Der Titelfluch schien jedoch nicht von seiner Seite zu weichen. Nach elf Meisterschaften in Serie holte sich in Kanes erstem Jahr in München die Werkself aus Leverkusen den ersten Bundesliga-Titel der Vereinsgeschichte. © IMAGO/osnapix / Hirnschal
Von der titellosen Saison angestachelt, blies der Rekordmeister in der Folgesaison zum Angriff. Harry Kane lieferte erneut erstaunliche Statistisken und führte den FCB sogar bereits in seinem zweiten Jahr teilweise als Kapitän auf den Platz.
Von der titellosen Saison angestachelt, blies der Rekordmeister in der Folgesaison zum Angriff. Harry Kane lieferte erneut erstaunliche Statistisken und führte den FCB sogar bereits in seinem zweiten Jahr teilweise als Kapitän auf den Platz. © IMAGO/Markus Ulmer
Mit 24 Treffern sicherte sich der gebürtige Londoner erneut die Torjägerkanone...
Mit 24 Treffern sicherte sich der gebürtige Londoner erneut die Torjägerkanone... © IMAGO/Silas Schueller/DeFodi Images
...und konnte am Ende der Saison endlich 15 Jahre nach seinem Profi-Debüt den ersten Titel seiner Karriere sichern.
...und konnte am Ende der Saison endlich 15 Jahre nach seinem Profi-Debüt den ersten Titel seiner Karriere sichern. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Mit dem Gewinn der Meisterschale fiel dem Engländer sichtlich die Last von den Schultern, nachdem er so oft an seinem ersten Triumph vorbeigeschrammt war.
Mit dem Gewinn der Meisterschale fiel dem Engländer sichtlich die Last von den Schultern, nachdem er so oft an seinem ersten Triumph vorbeigeschrammt war.  © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Auf dem Rathaus-Balkon am Marienplatz durfte Harry Kane seinen Fans endlich die erste Trophäe seiner Karriere präsentieren – natürlich an der Seite der Bayern-Ikone schlechthin, Thomas Müller.
Auf dem Rathaus-Balkon am Marienplatz durfte Harry Kane seinen Fans endlich die erste Trophäe seiner Karriere präsentieren – natürlich an der Seite der Bayern-Ikone schlechthin, Thomas Müller. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Die Stimmen des FC Bayern nach dem Spiel

FCB-Sportvorstand Max Eberl

„Es macht einfach Freude, diese Mannschaft zu sehen. Es macht Freude, diese Energie zu spüren, mit der die Mannschaft agiert. Am Anfang haben sich sicherlich viele gedacht: ‚Was ist da heute los‘. Aber der Trainerstab macht sich extrem viele Gedanken, was und wie sie es tun können. Der Trainer vertraut dieser Mannschaft und das Team hat das Vertrauen von der ersten Minute an bestätigt.

Ich stand gegen Bayern oft auf der anderen Seite. Wenn du dann liest, dass zwei, drei Leute fehlen, keimt ein Moment der Hoffnung auf. Aber diesen Moment hat die Mannschaft mit der ersten Minute erledigt und hat eine super dominante erste Halbzeit gespielt. In der zweiten Halbzeit darf man es keinem verübeln, weil das PSG-Spiel eben schon auch im Kopf war.“

Chefcoach Vincent Kompany

„Rotation – ich nenne es Konkurrenz. Es ist normal, dass die Gegner Motivation bekommen, wenn sie sehen, dass ein paar Spieler nicht dabei sind. Für uns war es wichtig, von Beginn an das Tempo hochzuhalten – dann musst du auch Glück haben, die Tore zu machen. Das haben wir gemacht. Wir haben 15 Spiele gewonnen, das ist gut – aber es muss weitergehen. Es ist noch nicht genug. Ich freue mich auf PSG. Wir haben es verdient, mit vollem Enthusiasmus da reinzugehen. Es muss Rock ’n‘ Roll sein! Sie haben Vertrauen, wir haben Vertrauen – es ist ein geiles Spiel. Da haben wir uns verdient, da voll reinzugehen.“

Kapitän Manuel Neuer

 „Wir wissen, was wir für gute Jungs haben, das haben sie ja dann auch gezeigt. Wir hatten gar keine Angst, weil wir die Mannschaft kennen, die Spieler kennen – daher war es richtig cool. Jeder weiß, was er zu tun hat. Das Selbstvertrauen ist da, egal auf welcher Position, egal wer anfängt. Das hat man von der ersten Minute an gemerkt.

Wir haben die Abläufe, die wir letztes Jahr schon trainiert haben, immer weiter verbessert. Jeder verinnerlicht das, deshalb greift das auch in dieser Saison. Gegen PSG sind die Chancen 50:50. Sie sind eine starke Mannschaft, wir können sie trotzdem ärgern. Wir freuen uns auf dieses Spiel.“

Joshua Kimmich

„Wir leben von unseren Prinzipien und unserer Energie und die darf sich niemals ändern, egal wer auf dem Platz steht. Die darf nicht vom Gegner und nicht vom Personal abhängig sein. Wir wollen immer die gleiche Art und Weise Fußball spielen. Wichtig ist, dass man merkt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, sowohl fußballerisch als auch als Mannschaft. Diese Mischung braucht es am Ende, um Titel zu gewinnen.

Die erste Halbzeit war sehr, sehr gut – eine der besten Halbzeiten der Saison, aber die zweite war nicht mehr gut meiner Meinung nach. Da waren wir nicht mehr so diszipliniert und waren nicht mehr so gut im Pressing. Gegen Paris spielen wir gefühlt jedes Jahr. Klar ist es eine kleine Rivalität mit dem Sieg in der Champions League und dem Ausscheiden bei der Klub-WM. Wir fahren dort hin, um zu gewinnen.“

Serge Gnabry, Torschütze zum 1:0

„Leverkusen hat sich sehr gut gefangen, spielt wieder einen super Fußball. Daher war es ein Ausrufezeichen, das wir heute gesetzt haben. Bei meinem Tor war es der perfekte Ball von Tom (Bischof). Er hatte die perfekte Länge, ich konnte ihn perfekt in den Lauf mitnehmen und dann habe ich gut abgeschlossen. Wir stehen alle gut im Saft, haben alle gut performed.

Es ist ein tolles Zeichen vom Trainer, auf die zu setzen, die nicht so drangekommen sind. Wenn die dann so performen, ist das natürlich toll. Das macht uns als Einheit viel stärker, wenn gegen so einen Gegner dann am Ende so etwas dabei rauskommt. Paris und Bayern haben großen Respekt voreinander, die letzten Partien waren immer auf Augenhöhe und meistens hat die Mannschaft gewonnen, die das erste Tor gemacht hat. Es wird ein Kracher! Wir gehen mit Selbstbewusstsein hin und hoffen auf einen Sieg.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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