Eintracht Frankfurt kommt über ein 1:1 in Bochum nicht hinaus und sucht nach dem großen Umbruch noch ein bisschen nach sich selbst.
Frankfurt – Wo steht Eintracht Frankfurt nach vier Spielen in der Fußballbundesliga? Das lässt sich auch nach dem 1:1 (0:0) beim VfL Bochum nicht seriös beantworten. Sechs Punkte aus vier Spielen findet Sportvorstand Markus Krösche „ganz in Ordnung“. Und genau so ist es auch: schon okay, aber irgendwie doch klar zu wenig. Geholt wurden die Zähler nämlich allesamt gegen Teams, die im unteren Tabellendrittel zu finden sind: Mainz, Köln, Darmstadt und Bochum. Und die Leistungen waren nun auch nicht wirklich berühmt. Da stellt sich automatisch die Frage: Wie sieht es dann aus, wenn die Eintracht mal richtig gefordert wird, wenn andere Kaliber auf sie warten?
VfL Bochum vs. Eintracht Frankfurt
Wettbewerb:
Bundesliga, 4. Spieltag
Ergebnis:
1:1
Tore:
0:1 Eric Junior Dina Ebimbe (55. Minute), 1:1 Kevin Stöger (74.)
Eintracht-Keeper Kevin Trapp über Transferphase: „Ist viel passiert“
Es fehlt nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und den vielen Umstellungen an den Abläufen, den Automatismen, aber auch an der nötigen Fitness und Cleverness. „Es ist viel passiert“, sagte Torhüter Kevin Trapp zum Umbruch in der Sommerpause. „Wir haben 16 neue Spieler, in letzter Sekunde noch Kolo Muani verloren. Das ist schon enorm, das ist nicht ohne.“ Das steckt man so schnell nicht weg, das braucht Zeit. Aber: Die gibt es in der Bundesliga eher nicht. Weshalb die Mannschaft, spannend zusammengestellt, mit den Aufgaben wachsen muss, um den Anforderungen gerecht zu werden. Aber ist Europa realistisch? Wohl eher nicht oder nur mit guter und schnellerer Entwicklung. Eine Platzierung im Mittelfeld würde in dieser Saison gewiss nicht überraschen.
In Bochum war ein Sieg nach dem Führungstreffer des starken Eric Dina Ebimbe (55.) durchaus drin. Der VfL benötigte, trotz der Mehrzahl an Torschüssen, einen umstrittenen Foulelfmeter, um durch Kevin Stöger den 1:1-Ausgleich (74.) zu erzielen.
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Niels Nkounkou feierte Startelf-Debüt für Frankfurt in Bochum
Toppmöller fehlten Sebastian Rode (kurzfristig erkrankt), Kristijan Jakic (Knieprobleme) und Lucas Alario (Zahnschmerzen). Auf Ansgar Knauff verzichtete der Trainer freiwillig und nahm lieber einen zweiten Torhüter in den Kader. Klare Ansage. Knauff kann sich offenbar warm anziehen in Zukunft. Oder eine Reaktion zeigen.
Der Coach hatte dafür Niels Nkounkou erstmals von Anfang an auf die linke Außenbahn beordert, der zwar nach hinten ordentlich gearbeitet hat. Insgesamt fehlte dem 22-jährigen Franzosen aber die Power. „Er ist noch nicht richtig im Rhythmus, er war am Ende der ersten Halbzeit immer einen Schritt zu spät. Bei den zweiten Bällen erwarte ich schon, dass er da schneller schließt, ein Tick aggressiver in Richtung Ball geht“, befand Toppmöller. Nach vorne hatte Nkounkou lediglich eine einzige Aktion. An den Ball aus dem Halbraum kam der teilweise überforderte Jessic Ngankam – ebenfalls Startelfdebüt – nicht heran.
Eintracht Frankfurt offenbart gegen Bochum Probleme im Spielaufbau
Der 23-jährige Stürmer hatte eine von drei Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Riemann in der ersten Hälfte. Bei zwei Kontern nach Eckbällen scheiterten Ngankam (7.) und später Dina Ebimbe (11.). Eine bessere Einschussposition hatte Hugo Larsson (22.) nach hervorragendem Zuspiel von Dina Ebimbe, der Schwede zögerte jedoch zu lange. „Aus den ein, zwei, drei Situationen müssen wir das Tor machen. Aber es ist ein Prozess“, sagte Krösche.
Bis auf die drei Situationen waren die Gastgeber das Team mit mehr Aktionen nach vorne. Fast alle zweiten Bälle landeten bei den Bochumern. Torhüter Kevin Trapp musste bei Standards besonders auf der Hut sein, rettete einmal mit einem starken Reflex gegen Takuma Asano (22.) aus kurzer Distanz. Im Aufbauspiel tat sich die Eintracht schwer.
Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt
Eintracht-Trainer Toppmöller hätte sich „mehr Spielkontrolle gewünscht“
„Es war genau das Spiel, das wir erwartet haben“, sagte Toppmöller. Viele Zweikämpfe, viele lange Bälle, viele Flanken. „Grundsätzlich haben die Jungs das ordentlich verteidigt. Ich hätte mir mehr Spielkontrolle gewünscht“, sagte der Trainer.
Um die zu bekommen, wechselte er zur Pause Fares Chaibi für Nkounkou sowie Omar Marmoush für Ngankam ein. Im Gegensatz zu Ngankam rieb sich Marmoush nicht zwischen den Bochumer Innenverteidigern auf, sondern ließ sich in die Tiefe fallen oder nach Außen. Daraus resultierte dann auch der Führungstreffer. Marmoush zog von links nach innen, seinen Schuss ließ Riemann nach vorne abprallen und Dina Ebimbe schoss wuchtig mit links aus 16 Metern den Ball ins Tor. Nach einer knapp zweiminütigen Überprüfung des Treffers – Marmoush war auf gleicher Höhe mit der Bochumer Verteidigung – gab Schiedsrichter Benjamin Brandt den Treffer.
Eintracht Frankfurt: Toppmöller mit Elfmeter-Entscheidung nicht einverstanden
„Doch dann bekommen wir einen Standard von Kevin Stöger, bei dem wir uns nicht ganz glücklich anstellen“, sagte Toppmöller und meinte natürlich das Halten von Marmoush an Ivan Ordets im Strafraum – genau vor den Augen von Schiedsrichter Brandt, der auf den Punkt zeigte. „Das ist mir zu wenig für einen Elfmeter“, fand Toppmöller. Kevin Trapp sagte: „Das ist schon sehr leicht, ein sehr softer Elfmeter.“ Krösche hätte sich gewünscht, dass der Schiedsrichter seinen Pfiff noch mal überprüft. Aber da es keine klare Fehlentscheidung war, hätte er keine Grundlage dafür gehabt, den Elfmeter zurückzunehmen. Insgesamt bleibt festzuhalten: Den pfeift nicht jeder Schiri, eher wenige, aber insgesamt war die Entscheidung regelkonform. Es war übrigens der 270. Elfmeter in der Bundesliga-Historie gegen die Eintracht. So viele wie kein anderer Klub.
Mit dem Publikum im Rücken machte Bochum jetzt Druck und schnürte die Eintracht immer weiter in der eigenen Hälfte ein. Die Verteidiger um Robin Koch und Willian Pacho waren jedoch stets zur Stelle und verhinderten Schlimmeres. Auch Trapp stand bei den Bochumer Kopfbällen nach Ecken immer genau richtig. Auf der Gegenseite hätte die Eintracht noch einen Nadelstich setzen können. Bei einem Konter, angetrieben natürlich von Dina Ebimbe, schoss der eingewechselte Paxten Aaronson von linker Seite zu fest in den Strafraum, sodass der mitgelaufene Aurelio Buta vorbeirutschte. „Wenn er ihn softer ablegt, kommt Aurelio zum Schuss“, sagte Toppmöller. „Das sind Situationen, in denen wir einen Tick mehr draus machen müssen.“
Ohnehin gab es viele Dinge, wo Toppmöller sich noch „einen Tick“ mehr wünscht. Sei es bei der Spielkontrolle, bei Pässen hinter die gegnerische Kette, beim früheren Verhindern von langen Bällen mit früherem Anlaufen – da sprach er insbesondere die fehlende Intensität beim Verteidigen von Chaibi an. Und generell, dass das Team „einen Tick ruhiger agiert und sich nach vorne kombiniert.“ Und, ja, ein hochklassiger Stürmer fehlt halt an allen Ecken und Enden.
Die Länderspielreisen, die Ausfälle von Stammkräften, dass einige Spieler noch nicht fit für 90 Minuten sind – all das zeigt, dass noch Luft nach oben ist. „Es ist nicht so, dass es auf Knopfdruck von heute auf morgen funktioniert“, sagte Toppmöller. Mit Erfolgserlebnissen würde die Entwicklung vielleicht etwas schneller gehen. „Wir brauchen insgesamt ein bisschen Geduld – auch wenn es manchmal schwer fällt. Vor allem dem Trainer.“ (Timur Tinç, Ingo Durstewitz)