Rasanter Aufstieg

Deutschlands Multitalent: Früher Tennis-Wunderkind der Nation, heute Frauenfußball-WM

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Deutschland ist perfekt in die Frauen-WM gestartet. Mit im DFB-Aufgebot ist eine Spielerin, die auch im Tennis vor einer großen Karriere stand. Doch es kam anders.

Melbourne – Einen besseren Start hätte sich die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft nicht wünschen können: Die DFB-Elf besiegte Marokko im Auftaktspiel mit 6:0 und setzte damit ein Zeichen bei der Weltmeisterschaft in Australien und Neuseeland. Auch bei Sjoeke Nüsken war der Jubel groß.

FIFA Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen
Titelverteidigerinnen:USA
Rekordsiegerinnen:USA (vier Titel)
Austragungsort:Australien und Neuseeland

Deutschlands Multitalent: Früher Tennis-Wunderkind der Nation, heute Frauenfußball-WM

Die 22-jährige Mittelfeldspielerin kam zwar nicht zum Einsatz (auch, weil sie zuletzt verletzungsbedingt kürzer treten musste), jubelte aber natürlich mit, als beispielsweise Alexandra Popp einnetzte.

Dass die gebürtige Hammerin aktuell in Down Under als Profifußballerin unterwegs ist, war in ihrer Kindheit noch nicht abzusehen – eher hätte man sie zu dieser Jahreszeit wohl in England oder den USA erwarten können. Denn: Nüsken war früher ein wahres Tennis-Wunderkind!

Sjoeke Nüsken gehört zum deutschen Kader bei der Frauenfußball-WM. Dabei hätte sie auch auf der großen Tennis-Bühne eine sehr gute Figur abgeben können.

Sjoeke Nüsken galt als beste deutsche Tennisspielerin ihres Jahrgangs

Dass sie nun nicht in Wimbledon oder bei den US Open aufschlägt, lag sicher nicht am fehlenden Talent. Denn davon hatte die heutige Profifußballerin des FC Chelsea einiges. Als Neun- und Zehnjährige gewann sie bedeutende Turniere, bei denen einst auch Steffi Graf, Boris Becker oder Tommy Haas triumphiert hatten. Nüsken wurde eine goldene Tennis-Zukunft bescheinigt, sie galt als beste deutsche Tennisspielerin ihres Jahrgangs (2001).

Aber: die Richtung änderte sich. Mit elf Jahren traf sie die Entscheidung pro Fußball, die sie nicht bereuen sollte. In einem DFB-Interview sagte sie einst: „Ich bin einfach eine Teamspielerin. Es macht mir so viel mehr Spaß, mit der ganzen Mannschaft zu feiern, als nur allein für mich. Und vor allem war meine Schwester ebenfalls Fußballerin, das hat die Entscheidung dann leichter gemacht.“

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Ann-Katrin Berger beim Deutschland-Spiel gegen Brasilien
Ann-Katrin Berger, Torhüterin, FC Chelsea: Lernte ihre Freundin, die zuvor ihre WG-Mitbewohnerin war, während ihrer Zeit beim Londoner Top-Klub kennen. Kehrte bereits zwei Mal nach einer Krebsdiagnose auf den Platz zurück. © Imago / ActionPictures
Merle Frohms im Training der DFB-Frauen
Merle Frohms, Torhüterin, VfL Wolfsburg. Geht als deutsche Nummer eins in die WM. Hat neben ihrer Karriere als Fußballerin ein Studium in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Stina Johannes beim Training der DFB-Frauen
Stina Johannes, Torhüterin, Eintracht Frankfurt. Kickte vor ihrem Engagement bei der SGE für drei Monate in Japan. Absolviert ein Bachelor-Studium der Mathematik. Als einzige Nominierte noch ohne Länderspiel. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sara Doorsoun beim Training der DFB-Frauen
Sara Doorsoun, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Teilt sich bei der WM ein Zimmer mit Torhüterin Merle Frohms. Engagiert sich für das soziale Projekt „Scoring Girls“ der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Tugba Tekkal, das in Berlin, Köln und im Nord-Irak Bildungs- und Sportprogramme für Mädchen und junge Frauen bereitstellt und fördert. © IMAGO/DEAN LEWINS
Chantal Hagel beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Chantal Hagel, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Absolvierte keine einzige Partie für eine Junioren-Nationalmannschaft. Verfügt über ein abgeschlossenes Grundschullehramt-Studium. © IMAGO/Laci Perenyi
Marina Hegering beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Marina Hegering, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde einst mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Arbeitete während einer langen Verletzungspause als Kauffrau in einem Bauunternehmen. © IMAGO/Laci Perenyi
Kathrin Hendrich beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Kathrin Hendrich, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde 1992 im belgischen Eupen geboren. Bruder Markus ist als Moderator und Stand-Up-Comedian tätig. Freund Sebastian Griesbeck steht aktuell bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag. © IMAGO/Laci Perenyi
Sophia Kleinherne gibt nach einem Training der DFB-Frauen Autogramme
Sophia Kleinherne, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Befindet sich in einem Fernstudium im Bereich Sportmanagement. Bundeswehr-Soldatin mit dem Rang einer Hauptgefreiten. Bruder Lukas ist in der Bezirksliga aktiv. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sjoeke Nüsken beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Sjoeke Nüsken, Verteidigerin, FC Chelsea. War Teil der DFB-Auswahl, die vor sechs Jahren die U17-EM gewann. Wurde im Alter von neun und zehn Jahren deutsche Meisterin im Tennis. Schwester Hjördis war ebenfalls Junioren-Nationalspielerin. © IMAGO/Revierfoto
Felicitas Rauch beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Felicitas Rauch, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Teilte sich in Wolfsburg eine Wohnung mit Pia Wolter, die unmittelbar vor der WM zu Eintracht Frankfurt ging. Eines der liebsten Fotomotive auf Instagram: ihre Pudeldame. © IMAGO/Heiko Becker
Jule Brand beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Jule Brand, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Mit 20 Jahren jüngste Akteurin im WM-Kader. Stammt aus einer Sportlerfamilie: Mutter war Leichtathletin, Vater war Handballer, Bruder spielte unter anderem in der 3. Liga für den FSV Zwickau. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Sara Däbritz vor einem Training der DFB-Frauen
Sara Däbritz, Mittelfeldspielerin, Olympique Lyon. Einzige Frankreich-Legionärin im deutschen Aufgebot. Studiert nebenbei Wirtschaftspsychologie. Mit 97 Länderspielen die zweiterfahrenste DFB-Akteurin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Melanie Leupolz beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Melanie Leupolz, Mittelfeldspielerin, FC Chelsea. Reiste mit Kind und Babysitterin nach „Down Under“. Gewann bereits 2013 mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Svenja Huth beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Svenja Huth, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Erwartet nach der Weltmeisterschaft ihr erstes Kind mit Ehefrau Laura. Engagiert sich für den Tierschutz und hat mit dem Bolonka-Rüden Jamie auch einen eigenen Vierbeiner zu Hause. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Lattwein beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Lena Lattwein, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schloss ihr Abitur mit der Bestnote von 0,7 ab und studierte im Bachelor Wirtschaftsmathematik, arbeitet aktuell an einem Masterabschluss in Controlling. Schaute in ihrer Kindheit regelmäßig Videos mit Fußballtricks und stellte diese im Garten nach. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Sydney Lohmann beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Sydney Lohmann, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Wurde von ihren Eltern nach der australischen Metropole benannt, nachdem diese kurz vor der Geburt während einer Weltreise dort Halt machten. Trat bereits im Alter von vier Jahren mit ihrem Vater gegen das runde Leder. © IMAGO/Laci Perenyi
Lina Magull beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lina Magull, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Ging als 14-Jährige in das Sportinternat in Kaiserau, um den Traum vom Profifußball weiter zu verfolgen. Absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ist zertifizierte Ernährungsberaterin. Freund Luca arbeitet als Athletiktrainer beim FC Ingolstadt. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Oberdorf beim Training der deutschen Nationalmannschaft
Lena Oberdorf, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schaffte es 2022 in die Top 3 zur „UEFA Fußballerin des Jahres“. Wurde 2019 jüngste deutsche WM-Spielerin der Geschichte. Machte unmittelbar vor dem Turnier ihre Beziehung mit Freundin Kimberly öffentlich. Schwester Julia spielt American Football in der 2. Bundesliga, Bruder Tim ist Profifußballer (zuletzt Fortuna Düsseldorf). © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Alexandra Popp beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Alexandra Popp, Stürmerin, VfL Wolfsburg. Führt die DFB-Elf als Kapitänin aufs Feld. Absolvierte mit 128 Länderspielen die meisten im Kader. Ausgebildete Zootierpflegerin. Drückt privat Borussia Dortmund die Daumen. © IMAGO/Laci Perenyi
Klara Bühl beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Klara Bühl, Stürmerin, FC Bayern München. Feierte bereits mit 15 Jahren ihr Debüt in der Bundesliga. Ist für ihre Häkelkünste bekannt und zeichnete auf diesem Wege auch für das inoffizielle Maskottchen der DFB-Frauen, einen Koala, verantwortlich.  © IMAGO/Revierfoto
Nicole Anyomi beim Training der DFB-Frauen
Nicole Anyomi, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. Sportliches Vorbild: Cristiano Ronaldo. Setzte mit ihrem Kniefall-Jubel 2020 im DFB-Pokal in Anlehnung an die Proteste nach der Ermordung von George Floyd ein Zeichen gegen Rassismus – als erste deutsche Profifußballerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Laura Freigang auf dem Weg zum Training der DFB-Frauen
Laura Freigang, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. War vor ihrem Wechsel in die Bundesliga an der Pennsylvania State University eingeschrieben und kickte für das Uni-Team, die „Penn State Nittany Lions“. Als Kabinen-DJ für die Musik bei der deutschen Mannschaft verantwortlich. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Lea Schüller beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lea Schüller, Stürmerin, FC Bayern München. Wurde 2022 zur „Fußballerin des Jahres“ gekürt. Studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Freundin Lara Vadlau wurde bereits Welt- und Europameisterin im Sportsegeln. © IMAGO/Laci Perenyi

Sjoeke Nüsken: Vom Tennis-Talent zur Profifußballerin – von Frankfurt nach London

Der Aufstieg war (und ist) steil: Mit 18 debütierte sie in der Bundesliga für den 1. FFC Frankfurt, zuvor hatte sie in der Jugend für die Hammer SpVg, den FSV Gütersloh und Westfalia Rhynern gespielt. Schon als 14-Jährige hatte das Multitalent auch als Fußball-Ausnahmekönnerin gegolten, als sie ihre Premiere im DFB-Dress feierte – beim 5:1-Sieg der deutschen U15-Nationalmannschaft gegen Schottland.

Der Sommer 2023 ist für Nüsken nun ein doppeltes Highlight: Auf der einen Seite gibt es natürlich die WM in Australien und Neuseeland. Nach dem Turnier beginnt dann das nächste große Kapitel in der noch jungen Karriere: Nüsken wechselt von Frankfurt zum FC Chelsea.

Nüsken-Heimspiele mit Chelsea künftig unweit von Wimbledon

Die Blues tragen ihre Heimspiele zumeist im Kingsmeadow aus. Das Fußballstadion liegt nur etwa acht Kilometer vom Wimbledon Centre Court entfernt – gut möglich, dass Multitalent Nüsken auch einmal mit ihrer früheren Leidenschaft in Berührung kommt. Bis es so weit ist, kämpft sie mit Deutschland aber um den Einzug ins WM-Achtelfinale. Möglicherweise gibt es auf dem Weg dorthin weiterhin kuriose Unterstützung aus den TV-Studios der Nation.

Nüsken ist nicht die einzige Spielerin im deutschen Kader, die eine besondere Geschichte hat. Auch Lena Lattwein hat einen Lebenslauf, auf den sie extrem stolz sein kann. (akl)

Rubriklistenbild: © Laci Perenyi / Beautiful Sports / Imago

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