Seilpartnerin und Kletter-Freund mit Einblicken

Tragödie um Laura Dahlmeier: Halbe Stunde wurde zum Verhängnis

  • schließen

Laura Dahlmeier starb durch Steinschlag in Pakistan. Ihre Seilpartnerin beschreibt das Drama. Eine halbe Stunde hätte wohl zum Überleben ausgereicht.

Karakorum-Gebirge – Die letzten Minuten im Leben von Laura Dahlmeier waren geprägt von einer fatalen Verkettung der Umstände. Ihre Seilpartnerin Marina Krauss hat ausführlich über die dramatischen Ereignisse am Laila Peak gesprochen, die der zweifachen Biathlon-Olympiasiegerin das Leben kosteten. Was sie schildert, zeigt: Eine halbe Stunde hätte über Leben und Tod entschieden.

Hätte Laura Dahlmeier eine halbe Stunde das Leben retten können?

„Wenn wir eine halbe Stunde früher dran gewesen wären, dann wären wir auch sicher runtergekommen“, sagte Krauss laut Bild. Diese wenigen Worte fassen die Tragik des Unglücks zusammen: Ein minimaler Zeitunterschied hätte das Leben der 31-jährigen Ex-Biathletin retten können. Stattdessen wurde Dahlmeier am Montag auf 5.700 Metern Höhe von einem Steinschlag getroffen.

Steinschlag am Laila Peak: Wetterwechsel wurde Laura Dahlmeier zum Verhängnis

Krauss befand sich bereits an der nächsten Abseilstelle und hatte alles für den weiteren Abstieg vorbereitet. „Die Laura ist nachgekommen und dann ging der Steinschlag los“, schilderte Dahlmeiers Seilpartnerin, die schon Jahre vor dem Unglück offen über den Tod in den Bergen sprach. Ein „riesengroßer Stein“ habe Dahlmeier getroffen und sie gegen die Felswand geschleudert. Der verhängnisvolle Moment ereignete sich gegen 10 Uhr am Montagmorgen.

Die beiden Bergsteigerinnen hatten die Besteigung des 6.069 Meter hohen Laila Peak bereits vor Erreichen des Gipfels abgebrochen. Die Bedingungen waren zunächst ideal gewesen, doch dann änderte sich das Wetter schlagartig. Bergsteiger Thomas Huber, der später Teil des Rettungsteams war, erklärte gegenüber der Bild: „Der Schnee wurde weich und instabil“ – vermutlich durch einen plötzlichen Warmlufteinbruch.

Laura Dahlmeier ist tot: Die vergebliche Suche nach der Biathlon-Legende auf dem Laila Peak

Laura Dahlmeier postet vor der Abreise nach Pakistan ein Foto mit zwei Freundinnen, darunter ist auch Seilpartnerin Marina Krauss.
Laura Dahlmeier postet vor der Abreise nach Pakistan ein Foto mit zwei Freundinnen, darunter ist auch Seilpartnerin Marina Krauss. © Instagram/Laura Dahlmeier
Archivfoto: Bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeong Chang trug sich Dahlmeier in die Geschichtsbücher ein.
(Archivfoto) Bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeong Chang trug sich Dahlmeier in die Geschichtsbücher ein. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Archivfoto: 2019 beendet Laura Dahlmeier ihre Fabel-Karriere, hat fortan mehr Zeit für ihre Kletter-Leidenschaft
(Archivfoto) 2019 beendet Laura Dahlmeier ihre Fabel-Karriere, hat fortan mehr Zeit für ihre Kletter-Leidenschaft © Instagram / Laura Dahlmeier
Archivfoto: Die erfahrene Kletterin nimmt immer neue Ziele in Angriff.
(Archivfoto)Die erfahrene Kletterin nimmt immer neue Ziele in Angriff. © Instagram/Laura Dahlmeier
Archivfoto: An Erfahrung mangelt es Dahlmeier vor ihrem Aufbruch zum Laila Peak nicht, im April 2023 besteht sie die Prüfung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin.
(Archivfoto) An Erfahrung mangelte es Dahlmeier vor ihrem Aufbruch zum Laila Peak nicht, im April 2023 besteht sie die Prüfung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin. © Instagram/Laura Dahlmeier
Archivfoto: Trotz Know-How erreicht uns am 28. Juli die schreckliche Meldung ihres Unglücks in Pakistan.
(Archivfoto) Trotz Know-How erreicht uns am 28. Juli die schreckliche Meldung ihres Unglücks in Pakistan. © Instagram/Laura Dahlmeier
Archivfoto: Einige Monaten nach ihrem letzten TV-Auftritt als ZDF-Expertin bangen Familie, Freunde und Kollegen um die 31-Jährige.
(Archivfoto) Einige Monaten nach ihrem letzten TV-Auftritt als ZDF-Expertin bangen Familie, Freunde und Kollegen um die 31-Jährige. © IMAGO/Steffen Proessdorf
Archivfoto: Über ihr Management wird mitgeteilt: Ihre Seilpartnerin sei wohl auf, bei einem Helikopter-Rundflug seien keine Lebenszeichen erkannt worden. Dahlmeier gelte als „mindestens schwer verletzt“.
(Archivfoto) Über ihr Management wird mitgeteilt: Ihre Seilpartnerin sei wohl auf, bei einem Helikopter-Rundflug seien keine Lebenszeichen erkannt worden. Dahlmeier gelte als „mindestens schwer verletzt“. © IMAGO/Günter PASSAGE
Archivfoto: Seilpartnerin Marina Krauss setzte direkt nach dem Unfall den Notruf ab.
(Archivfoto) Seilpartnerin Marina Krauss setzte direkt nach dem Unfall den Notruf ab. © Günter Passage via www.imago-images.de
Archivfoto: Auf Grund des schwierigen Geländes konnte ein Helikopter erst einen Tag nach dem Steinschlag in das Gebiet vordringen.
(Archivfoto) Auf Grund des schwierigen Geländes konnte ein Helikopter erst einen Tag nach dem Steinschlag in das Gebiet vordringen. © Peter Hartenfelser via www.imago-images.de
Archivfoto: Wenig später wird bekannt: Die Suche wird vorläufig eingestellt, der Einbruch der Dunkelheit mache eine Rettung unmöglich.
(Archivfoto) Wenig später wird bekannt: Die Suche wird vorläufig eingestellt, der Einbruch der Dunkelheit mache eine Rettung unmöglich. © IMAGO/Martin Hoffmann
Die bekannten Kletter-Brüder „Huberbuam“ bangen um Laura Dahlmeier, Thomas macht sich mit einem Rettungsteam auf den Weg nach Pakistan.
Die bekannten Kletter-Brüder „Huberbuam“ bangen um Laura Dahlmeier, Thomas macht sich mit einem Rettungsteam auf den Weg nach Pakistan. © Instagram/Laura Dahlmeier
Archivfoto: Die Huberbuam kennen Laura Dahlmeier aus der Kletter-Szene, hoffen zunächst, sie noch lebend anzutreffen.
(Archivfoto) Die „Huberbuam“ kennen Laura Dahlmeier aus der Kletter-Szene, hoffen zunächst, sie noch lebend anzutreffen. © IMAGO/United Archives
Auch Mount-Everest-Bezwinger Reinhold Messner äußert sich zu Laura Dahlmeier und verrät: Der Laila Peak gehöre zu den „schönsten Bergen der Welt.“
Auch Mount-Everest-Bezwinger Reinhold Messner äußert sich zu Laura Dahlmeier und verrät: Der Laila Peak gehöre zu den „schönsten Bergen der Welt.“ © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder
Für Messner ist klar: Die alpine Erfahrung von Laura Dahlmeier wäre ausreichend, um den Laila Peak zu bezwingen.
Für Messner ist klar: Die alpine Erfahrung von Laura Dahlmeier wäre ausreichend, um den Laila Peak zu bezwingen. © IMAGO/Christoph Hardt
Archivfoto: Magdalena Neuer, Wegbegleiterin und Freundin Dahlmeiers, richtet hoffnungsvolle Worte an die Verunglückte.
(Archivfoto) Magdalena Neuer, Wegbegleiterin und Freundin Dahlmeiers, richtet hoffnungsvolle Worte an die Verunglückte. © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON
Symbolbild: Am Morgen des 30. Juli wollen die Rettungskräfte einen neuen Versuch starten, dieser allerdings verzögert sich auf Grund starker Winde und schlechter Sichtverhältnisse.
Symbolbild: Am Morgen des 30. Juli wollen die Rettungskräfte einen neuen Versuch starten, dieser allerdings verzögert sich aufgrund starker Winde und schlechter Sichtverhältnisse. © IMAGO/Rene Traut
Auch im weiteren Verlauf des Tages war es den Helikoptern nicht möglich, die Unglücksstelle zu erreichen.
Auch im weiteren Verlauf des Tages war es den Helikoptern nicht möglich, die Unglücksstelle zu erreichen. © xJosssKx via imago-images.de
Symbolbild: Kletterer und Bergträger machten sich auf den Weg zur Unfallstelle.
Symbolbild: Kletterer und Bergträger machten sich auf den Weg zur Unfallstelle. © IMAGO/imageBROKER/Herbert Berger
Beim Abstieg von der Hohen Geige im Tiroler Pitztal stürzt eine 26-jährige Deutsche tödlich ab.
Alle Rettungsaktionen blieben ohne Erfolg, keinem Bergungsteam gelang es, Dahlmeier zu erreichen. © IMAGO/Dreamstime
Berg- und Sportexperte Stefan Nestler verrät: In einer politisch brisanten Gegend sei es nur dem pakistanischen Militär erlaubt, Rettungsflüge auszuführen.
Berg- und Sportexperte Stefan Nestler verrät: In einer politisch brisanten Gegend sei es nur dem pakistanischen Militär erlaubt, Rettungsflüge auszuführen. © IMAGO/DavePrimov
Am Nachmittag des 30. Juli dann die traurige Gewissheit: Laura Dahlmeier ist tot. Ihr Management veröffentlicht die Nachricht über ihren Instagram-Kanal.
Am Nachmittag des 30. Juli dann die traurige Gewissheit: Laura Dahlmeier ist tot. Ihr Management veröffentlicht die Nachricht über ihren Instagram-Kanal. © Instagram/Laura Dahlmeier
Ihre Familie veröffentlicht herzzerreißende Worte des Abschieds.
Auch ihre Familie veröffentlicht herzzerreißende Worte des Abschieds. © Instagram/Laura Dahlmeier
Archivfoto: Magdalena Neuner ist eine der ersten, die öffentlich von ihrer Freundin Abschied nimmt.
(Archivfoto) Magdalena Neuner ist eine der ersten, die öffentlich von ihrer Freundin Abschied nimmt. © Instagram/Magdalena Neuner
Mit Laura Dahlmeier verliert der deutsche Wintersport eine der erfolgreichsten Athletinnen der Geschichte - ihre Fans werden die begeisterte Bergsteigerin nie vergessen.
X.jpg © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

„Von dem Moment an hat sie sich nicht mehr bewegt“, berichtete Krauss über die Sekunden nach dem Steinschlag. Dahlmeiers Seilpartnerin erkannte sofort die Schwere der Situation. „Sie hat sich nicht mehr bewegt, sie hat keine Anzeichen von sich gegeben. Ich habe nach ihr gerufen und es kam keine Reaktion. Ich hab gesehen, dass sie am Kopf getroffen wurde“, schilderte sie.

Marina Krauss hatte sich bereits sicher abgeseilt, als das Unglück passierte. Die Seilpartnerin versuchte zunächst stundenlang selbst, zu Dahlmeier zu gelangen. Doch das schwere Gelände und der anhaltende Steinschlag machten eine Annäherung unmöglich. In der Nacht entschied sie sich zum Rückzug ins Basislager, zuvor alarmierte sie bereits die Rettungskräfte.

Der bayerische Extremkletterer Thomas Huber, der sich ebenfalls in Pakistan aufhielt, gehörte zu den ersten Rettern vor Ort. Vier erfahrene Bergsteiger und zwei Bergträger stiegen zur Unglücksstelle auf. Doch auch ein Rettungshubschrauber konnte beim Überflug am Dienstag kein Lebenszeichen von Dahlmeier feststellen.

Bergsteiger sprechen von sofortigem Dahlmeier-Tod nach Steinschlag

„Viele denken, Bergsteiger wollen einfach nur auf den Gipfel. Aber das stimmt nicht. Ein echter Bergsteiger ist mit dem Berg verbunden – und der Berg spricht eine eigene Sprache“, erklärte Thomas Huber gegenüber der Bild. Laura und Marina hätten auf diese Sprache gehört und rechtzeitig umgekehrt – doch das Schicksal holte sie im Abstieg ein.

Der Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge galt als Dahlmeiers Traumberg. Sie hatte vor der Abreise nach Pakistan ihren Bergfreund Thomas Huber nach Tipps gefragt. „Laura hat immer nur von einem Berg geschwärmt, und das ist der Laila Peak“, sagte der 58-Jährige. Für Dahlmeier war es kein normaler Berg – es war ihr persönlicher Sehnsuchtsort, der ihr zum Verhängnis wurde.

Laura Dahlmeiers Leichnam wird wohl entsprechend ihrem Wunsch am Berg bleiben. Die pakistanischen Behörden haben den Wunsch akzeptiert. So bleibt die zweifache Biathlon-Olympiasiegerin für immer mit dem Berg verbunden, der ihr Leben und letztendlich auch ihren Tod bedeutete. Nur eine halbe Stunde früher – und diese Geschichte hätte anders ausgehen können. (ck)

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa/Sven Simon/Imago/Manzoor Balti/AFP

Kommentare