Patzer verboten

Trapp versus Santos? Frankfurts schwierige Wahl

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Der Eintracht-Keeper Kevin Trapp hat im Spiel gegen Augsburg einen großen Fehltritt begangen. Der Wettbewerbsdruck ist intensiv, denn Kaua Santos wartet auf seine Chance.

Frankfurt - Der Blick von Torhüter Kevin Trapp? Er war traurig in dieser 71. Minute im Duell zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Augsburg (2:2). Trapp ließ einen strammen, aber mittig platzierten Schuss von Arne Maier nach vorne springen und ermöglichte Samuel Essende so den Abstauber zur zwischenzeitlichen Führung der Gäste. Schon beim Ausgleichstor wurde er von Phillip Tietz getunnelt, lenkte den Ball unglücklich in die eigenen Maschen.

Trapp hatte gegen Augsburg „keinen guten Tag“

„Es war kein guter Tag für mich. Ich hatte nicht viel zu tun und mache dann einen Fehler. Das ist nicht so, wie man sich das vorstellt“, gab er im Anschluss bei Sky zu. Der Fehlgriff kostete die Eintracht final zwei wertvolle Punkte. Durch das Remis gegen die Fuggerstädter konnten Bayer Leverkusen und RB Leipzig wieder auf einen und drei Punkte aufschließen. Zudem rückt auch der vor Wochen noch abgeschlagene VfL Wolfsburg sechs Zähler heran. Ein Erfolg gegen Augsburg hätte also enorm gutgetan.

Kaua Santos soll auf Kevin Trapp nachfolgen - zumindest irgendwann...

Der Druck auf Trapp ist seit seiner mehrwöchigen Verletzungspause im Herbst (Muskelverletzung im Oberschenkel) deutlich gestiegen. Zwar zeigte er seit seiner Rückkehr einige starke Leistungen, hielt zwei Elfmeter (beim 1:2 in Leverkusen und 3:2 in Stuttgart) und in vier Pflichtspielen die Null fest. Allerdings wiegen bei dessen Gesamtpaket - viel Erfahrung und Topverdiener der Eintracht - Patzer doppelt schwer. Bei der Niederlage bei Bayer verpuffte am Ende der gefangene Strafstoß, weil er Victor Boniface per unorthodoxer Fußabwehr den Siegtreffer auflegte. Und nun der bittere Ausrutscher gegen Augsburg.

In den Wochen zuvor hielt Trapp gut - doch wie lange kann man bei Santos warten?

Der 34-Jährige ist für die Frankfurter unbestritten weiterhin ein guter Schlussmann. Trainer Dino Toppmöller hat ihn bewusst zum Kapitän ernannt, Trapp ist als Europa-League-Held von 2022 ein Gesicht des Klubs und nahezu ein Urgestein. Allerdings hat sich die Anzahl an Verletzungsproblemen in den vergangenen Jahren etwas erhöht, seine Saison 2023/24 war insgesamt nicht auf Topniveau. Er fremdelte spürbar mit den neuen Anforderungen im Spielaufbau. Auch wenn er sich verbessert hat, werden die Mängel mit Ball am Fuß immer wieder sichtbar.

Und dann kam der 14. September, als sich Trapp beim Sieg in Wolfsburg (2:1) bei einem Abschlag kurz vor Pausenpfiff verletzte und zur Halbzeitpause ausschied. Kaua Santos war da und feierte ein ansprechendes Debüt. Der Brasilianer eroberte mit seiner frischen und teilweise etwas zu riskanten Art rasch die Herzen des Umfelds. Er patzte zwar einmal sehr empfindlich in der Europa League gegen Pilsen (3:3) und sah bei seiner Weltklasseperformance in Istanbul beim Ehrentreffer (3:1) schlecht aus. Doch bei einem jungen Keeper herrscht hier noch eine gewisse Nachsicht.

Santos-Szenen brannten sich bei den Beobachtern ein

Vor allem dann, wenn sich die herausragenden Szenen bei den Beobachtern einbrennen. Der Zwei-Meter-Mann ist unglaublich flexibel und beweglich. Wenn das Leder Richtung Winkel fliegt, dann macht er sich lang, springt wie eine Katze und packt seine herausragende Reflexe aus. Durch seine Spannweite deckt er beinahe das ganze Tor ab, er beherrscht den Übergriff aus dem Effeff. Beim Spektakel-Remis gegen den FC Bayern München (3:3) rettete er die Hessen gemeinsam mit Himmelsstürmer Omar Marmoush.

Thomas Müller hätte in den Schlusssekunden noch den Siegtreffer für den Deutschen Rekordmeister erzielen können. Doch Santos warf sich mit allem, was er hatte, in den Ball und hielt sensationell. Die meisten Beobachter waren zunächst der Meinung, das Leder sei gegen den Pfosten geklatscht. Aber es war ein erneuter Santos-Reflex. Müller zeigte sich erstaunt: „Die Frankfurter hatten einen überragenden Torhüter hinten drin. Ich hatte zum Schluss auch noch mal eine Tor-Chance. Bei jedem anderen ist der drin.“ Welch ein Ritterschlag von einem Weltmeister!

Warum kommt Santos nicht in den Pokalwettbewerben zum Einsatz?

Die Eintracht-Verantwortlichen stellten sich dennoch klar und deutlich hinter Trapp und ließen zu keinem Zeitpunkt Diskussionen aufkommen. Selbst die Variante, Santos in Pokalwettbewerben spielen zu lassen, wurde abgeschmettert. Auch wenn es von den Verantwortlichen niemand zugeben wollte: Toppmöller steckte durchaus in einem Dilemma und musste abwägen, ob er sich für eine Klublegende und die Teamhierarchie oder für die sportliche Entwicklungskarte und somit ein großes „Juwel“ entscheidet.

Das Risiko würde sich im Rahmen halten, da die im Normalfall agierende Viererkette Rasmus Kristensen, Tuta, Robin Koch und Arthur Theate der erfahrenste Mannschaftsteil ist. Sie könnten mit einem talentierten Schlussmann hinter sich schnell und gut auskommen. Toppmöller wird bei dieser Personalie weiterhin ein extrem gutes Gespür beweisen müssen. Mit jedem Trapp-Fehler mehr wird ein gewisses Maß an Unruhe und Gegenwind bei diesem Thema aufkommen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Davide Elias

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