Trikot-Horror von Köln-Coach Kwasniok: Sogar Nagelsmann steht jetzt unter Druck
VonDaniel Michel
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Lukas Kwasniok, Coach des 1. FC Köln, treibt es mit seiner Trikot-PR-Aktion sehr weit. Selbst der Bundestrainer muss nun performen. Michels Meinung.
Köln – Vom Verwaltungsbeamten zum Bundesliga-Trainer: Lukas Kwasniok kann jetzt schon auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Aktuell ist der 44-Jährige erstmals Coach in der Bundesliga – und man kann es vorwegnehmen: Der 44-Jährige wird mit dem Aufsteiger 1. FC Köln locker den Klassenerhalt schaffen.
Aus den ersten vier Spielen holte der FC sieben Punkte. Das Team gibt sich auch bei Rückstand nicht auf und liefert regelmäßig ein Last-Minute-Spektakel. Kwasniok wurde von vielen Klubs heiß begehrt, er entschied sich letztendlich dafür, von Paderborn nach Köln zu wechseln. Seitdem versucht er sofort, auf Tuchfühlung mit der Stadt und dem Klub zu gehen. Das hat zunächst mal Sympathien verdient.
Trainer wie Kwasniok haben Vorbild-Funktion
Doch Kwasniok neigt manchmal dazu, zu überdrehen. Deshalb muss an dieser Stelle über die PR-Nummer mit seinem Trikot gesprochen werden. Michels Meinung lautet: Jeder soll sich natürlich so kleiden und darstellen, wie er will. Bei Personen des öffentlichen Lebens, die eine Vorbild-Funktion besitzen, darf aber auch jeder seine Meinung dazu abgeben, was er von dem Style hält.
Wobei Style wahrscheinlich der falsche Begriff ist. Die öffentliche Story-Line lautet jedenfalls sinngemäß: Lukas Kwasniok hat sich in den 1. FC Köln schockverliebt. Auch als er das schwarze Ausweichtrikot des Klubs gesehen hat, hat ihn dieses Jersey emotional angezündet. Deshalb hat er sich dazu entschlossen, auf der Trainerbank stets ein Trikot der Kölner zu tragen, um seiner Identifikation mit dem Klub noch mehr Ausdruck zu verleihen.
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Am 1. Spieltag war dies für den neutralen Betrachter noch als nette Aufmerksamkeit zu werten. Doch Kwasniok mit Trikot in Dauerschleife geht eher in Richtung nervtötend. Der Trainer ist nun mal kein Spieler oder Fan. Er hat in seiner Funktion zu führen, zu ordnen und zu lenken. Er sollte Vorbild sein. Er braucht nicht auszusehen, als wäre er ein 20-jähriges Talent auf dem Rasen.
Die Fußball-Regeln besagen zudem, dass Torwart, Spieler und Ersatzspieler auf dem Feld deutlich zu unterscheiden sein müssen. Kwasniok bricht zwar nicht die Regeln und die Schiedsrichter-Bosse wollen keine Spielverderber sein, aber es kann bei Zweikämpfen an der Seitenlinie durchaus für kurze Momente Irritationen geben, wenn noch eine weitere Person wie ein Feldspieler aussieht.
Noch ist es in der Praxis nicht zu einem kritischen Fall gekommen, aber man sollte es nicht weiter darauf anlegen. Auch wird irgendwann die Frage gestellt werden müssen, ob es sinnvoll ist, dass sich der Trainer optisch so in den Mittelpunkt stellen muss? Der Coach lässt in der Regel seine Spieler strahlen und genießt den Erfolg leise.
Wenn man wie Kwasniok ein Rookie in der Bundesliga ist, wäre zudem etwas Bescheidenheit angebracht. Und was ist eigentlich, wenn er sich zu einem so guten Coach entwickelt, dass er in zwei Jahren von Bayer 04 Leverkusen für den Titelkampf abgeworben wird? Trägt er dann auch das Leverkusen-Trikot auf der Trainerbank? Gute Nacht, liebe Glaubwürdigkeit.
Baumgart hatte beim 1. FC Köln mit Schiebermütze Erfolg
Keine Frage allerdings: Dass Trainer zu Werbe-Maskottchen in der Bundesliga werden, ist Alltagsgeschäft. Ein neuer Trend in Sachen Kopf-Bedeckung begann zum Beispiel in Köln, als die Schiebermütze von Ex-Coach Steffen Baumgart zum absoluten Must-have wurde. Das war noch kultig.
In der Folge traten aber zahlreiche Bundesliga-Coaches mit Mützen ihres Clubs bei Pressekonferenzen und TV-Interviews auf, damit auch wirklich jeder wusste, wo der Trainer gerade unter Vertrag steht. Mittlerweile tragen viele Coaches auch Club-Merch wie Pullover, Shirts und Trainingsanzüge. Immer begleitet von der Hoffnung der PR-Strategen, dass die Fans nochmal mehr Geld im Fan-Shop investieren.
In diesem Sinne erweitert Lukas Kwasniok nur das Repertoire für die Merchandising-Abteilung: Nach Cappy, Pulli und Pant ist nun das Trikot dran. Zur Sicherheit sei gesagt: no front gegen die Trikots des 1. FC Köln, no front gegen Fans, die das Trikot des 1. FC Köln gerne tragen. Es geht einzig darum, ob ein Trainer als PR-Litfaßsäule seines Vereins nun auch im Spielertrikot herumlaufen soll?
Selbst Bundestrainer Julian Nagelsmann musste sich schon zu dem Thema äußern. Ob er sich vorstellen könne, auch auf den Trainer-Trikot-Hype aufzuspringen? Nagelsmann antwortete: „Wenn die Mannschaft sagt, das emotionalisiert sie unfassbar, und der Kapitän auf mich zukommt, dann ziehe ich auch ein Trikot an. Unser Trikot ist auch schön.“
Das Pech für Julian Nagelsmann, wenn man ihn beim Wort nimmt und unterstellt, dass in seiner Antwort keine Ironie drinsteckte: Da die deutsche Nationalmannschaft tatsächlich gerade mit kaum Emotionen spielt, zumindest sind sie von außen schwer erkennbar, könnte für Nagelsmann bald der PR-Trikot-Horror zur Realität werden.