Trotz Burgfrieden mit Barcelona: Brisanter Verdacht im Fall ter Stegen
VonAdrian Kühnel
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Der FC Barcelona und Marc-André ter Stegen scheinen ihre Differenzen beizulegen. Trotzdem drängt sich angesichts der Situation ein brisanter Verdacht auf.
Barcelona – Am Sonntag ergriff Marc-André ter Stegen im Estadi Johan Cruyff das Wort, sprach nach Wochen des Zwists mit seinem Klub zu den Fans des FC Barcelona. „Was mich betrifft, glaube ich, dass es wichtig war, die Angelegenheit zwischen dem Klub und mir zu klären. Jetzt ist es an der Zeit, nach vorne zu schauen“, betonte der Barça-Kapitän vor dem Spiel um die Joan-Gamper-Trophäe gegen den italienischen Erstligisten Como 1907 (5:0).
Nach einem längeren Konflikt zwischen ter Stegen und dem FC Barcelona konnte am Freitag eine Lösung verkündet werden. Der 33-jährige Torhüter, der aufgrund einer Rückenverletzung längere Zeit pausieren muss, lenkte in der Auseinandersetzung mit seinem Verein ein und erklärte sich bereit, die Übermittlung seiner Gesundheitsdaten an die Liga zu genehmigen.
Marc-André ter Stegen hilft dem FC Barcelona nun doch
Als Gegenleistung beendete Barça das laufende Disziplinarverfahren gegen den deutschen Nationaltorhüter und übertrug ihm erneut die Kapitänsbinde, die er ihm zuvor entzogen hatte. Die Konfliktlösung hat für den FC Barcelona auch aus sportlicher Sicht große Relevanz.
Falls die spanische Liga zum Entschluss kommt, dass ter Stegen nach seinem Rückeneingriff mindestens vier Monate nicht spielen kann, könnte der amtierende spanische Meister den von Espanyol für taxierte 25 Millionen Euro verpflichteten Joan García noch rechtzeitig vor Saisonbeginn registrieren.
Nach den in Spanien gültigen Bestimmungen ist es Vereinen nur bei einer derartigen Mindestausfallzeit gestattet, einen Anteil des Salärs des verletzten Profis für die Registrierung eines Neuzugangs zu verwenden. García ist als neuer Stammtorhüter des FC Barcelona vorgesehen, Wojciech Szczęsny als dessen Vertreter. Trainer Hansi Flick soll ter Stegen zur Nummer drei degradiert haben.
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Eine solche Herabstufung ist für einen Spieler seines Status und seiner Verdienste um den Verein beispiellos und verdeutlicht die Endgültigkeit der Entscheidung der Vereinsführung. Dahinter stecken nicht nur sportliche Motive, sondern vor allem finanzielle. Und hierbei gibt es einen brisanten Verdacht.
Vor exakt zwei Jahren verlängerte ter Stegen seinen damals 2025 auslaufenden Vertrag um weitere drei Jahre bis 2028. Ein entscheidendes Detail dieser Vereinbarung war ein Entgegenkommen von ter Stegen. Um dem finanziell angeschlagenen Verein zu helfen, stimmte der Torhüter zu, einen Teil seines Gehalts für die ersten beiden Vertragsjahre aufzuschieben.
Lockte der FC Barcelona ter Stegen in eine strategische Falle?
Diese Summe sollte in den drei darauffolgenden Jahren ausgezahlt werden. Was damals als Akt der Solidarität galt, entpuppt sich jetzt als strategische Falle. Denn der FC Barcelona ist offensichtlich bemüht, ter Stegen - drei Jahre vor dem Vertragsende - von der Payroll zu bekommen.
Der katalanischen Zeitung Sport zufolge stehen ter Stegen bis 2028 seitens des Klubs noch circa 42 Millionen Euro zu. Die Vereinsführung unter Präsident Joan Laporta verfolgt das strategische Ziel, die Gehaltsmasse zu reduzieren, um neue Spieler registrieren und finanzielle Spielräume schaffen zu können. In diesem Kontext stellt ter Stegens hoch dotierter Vertrag ein Hindernis für das finanziell angeschlagene Barça dar.
Die Handlungen des Vereins sind daher nicht als rein sportliche Entscheidungen zu werten, sondern als kalkulierte Manöver, um ter Stegens Position untragbar zu machen und ihn zu einem Abgang zu bewegen. Durch seinen Ausfall infolge seiner Rückenoperation ist ter Stegen für die kommenden Monate außer Gefecht. Zu einem Klubwechsel im Sommer wird es damit aller Voraussicht nach nicht kommen.
Dass ter Stegen beim FC Barcelona nochmal als Stammkeeper zwischen den Pfosten stehen wird, wirkt derzeit undenkbar. Dem Routinier bleibt damit kaum eine andere Möglichkeit, als Barça im Winter zu verlassen. Ein halbes Jahr später findet nämlich schon die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko statt. Ter Stegen wird das Ziel verfolgen, als Nummer eins im DFB-Tor zu stehen.
„Am Ende ist er unsere Nummer eins, wenn er gesund und im Verein die Nummer eins ist“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann unlängst beim Internationalen Trainer-Kongress in Leipzig. Ter Stegen wird wissen, dass dies beim FC Barcelona schwierig sein wird. Auch die Barça-Bosse wissen um diesen Umstand - und scheinen die Not ihres Top-Verdieners gnadenlos auszunutzen.