Trump-Einfluss? FIFA stoppt Anti-Rassismus-Kampagne bei Klub-WM
VonNiklas Kirk
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Laut einem Medienbericht verzichtet die FIFA bei der Klub-WM auf sichtbare Botschaften gegen Rassismus. Ein Zusammenhang mit Donald Trump scheint nahe.
Frankfurt - Donald Trump und Gianni Infantino verstehen sich prächtig. Einmal war der Schweizer FIFA-Präsident samt Klub-WM-Trophäe im Weißen Haus zu Gast und überreichte ein Trikot. Ein anderes Mal jettete er mit dem US-Präsidenten über die Arabische Halbinsel, während in Paraguay ein FIFA-Kongress stattfand. Dass die FIFA nun offenbar auf Anti-Diskriminierungs-Botschaften bei der Klub-WM verzichtet, legt den Einfluss von Donald Trump und dessen strikter Ablehnung solcher Maßnahmen nahe.
Vor der Klub-WM: FIFA implementierte vielfach anti-rassistische Statements
Wie das Portal The Athletic unter Berufung auf interne Quellen berichtet, soll die FIFA zwar Kampagnenmaterial gegen Rassismus und Diskriminierung vorbereitet haben – dieses komme bei der laufenden Klub-WM in den USA jedoch überraschend nicht zum Einsatz. Statt klarer gesellschaftlicher Botschaften wie in vergangenen Turnieren, ist auf den von der FIFA gestellten Kapitänsbinden lediglich der neutrale Slogan „Fußball vereint die Welt“ zu lesen. Eine Stellungnahme des Weltverbands steht bislang aus.
Gerade bei den letzten großen Turnieren hatte die FIFA noch sichtbare Zeichen gesetzt: Bei der Frauen-WM 2023 in Australien und Neuseeland trugen Spielführerinnen Armbinden mit Aufschriften wie „Vereint für Geschlechtergerechtigkeit“ oder „Vereint für Inklusion“. Auch bei der Männer-WM 2022 in Katar wurden trotz des Eklats um die untersagte „One Love“-Binde vereinzelt klare Statements gegen Diskriminierung auf Anzeigetafeln und Bandenwerbung platziert. Nun bleibt fraglich, warum der Weltverband ausgerechnet in den USA einen solchen Rückzug von gesellschaftlichen Botschaften vollzieht.
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Dabei hatte die FIFA erst 2024 beim Kongress in Bangkok mit großem Nachdruck neue Maßnahmen gegen Rassismus im Fußball beschlossen. Präsident Gianni Infantino sprach dort von einer „Plage in unserer Gesellschaft“, die „viel zu lange nicht entschieden genug bekämpft“ worden sei.
Auch beim jüngsten FIFA-Kongress in Paraguays Hauptstadt Asunción bekräftigte Infantino nochmals, wie zentral der Kampf gegen Rassismus für den Weltverband sei. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und aktueller Turnierpraxis dürfte also Fragen aufwerfen – innerhalb wie außerhalb der Fußballwelt.
Rolle rückwärts bei der FIFA? Donald Trump geht in den USA gegen Diversität und Inklusion vor
Einer, der von Maßnahmen zur Stärkung von Minderheitenrechten wenig hält, ist bekanntlich Donald Trump. Seit seiner Amtsübernahme setzt er Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure unter Druck. In den USA haben einige Unternehmen daher ihre Diversity-, Equity- und Inclusion-Programme (DEI) gestrichen – Programme, die eigentlich einen diskriminierungsfreien Zugang zur Arbeitswelt fördern sollen.
Zu den namhaftesten Konzernen, die sich bereits von ihren Diversitätsprogrammen verabschiedet haben, zählen Facebook-Mutter Meta, der Google-Konzern Alphabet, der Autobauer Ford sowie die Kaffeehauskette Starbucks. Was sie und die FIFA vereint? Sie wollen in den USA Geld verdienen – und beim US-Präsidenten nicht in Ungnade fallen.
Politisierung des US-Sports: Veteranengedenken ja, Anti-Rassismus-Slogan nein
Auch den US-Sport hat das Phänomen erreicht: Der einst laute Widerspruch gegen Donald Trump ist in vielen Profi-Ligen leiser geworden. Während sich unter seiner ersten Amtszeit noch zahlreiche Athletinnen und Athleten öffentlich gegen seine Politik positionierten oder Einladungen ins Weiße Haus ablehnten, bleiben solche Gesten inzwischen weitgehend aus.
Ein deutliches Signal dafür lieferte zuletzt auch die NFL: Beim Super Bowl wurde 2025 erstmals seit Jahren auf den Slogan „End Racism“ in den Endzonen verzichtet – eine stille Abkehr von einem Symbol, das jahrelang sichtbar gegen Rassismus Stellung bezogen hatte.
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Das Militär hingegen dürfte sich der demonstrativen Unterstützung durch den Profisport auch weiterhin sicher sein – etwa wenn in den US-Ligen der „Salute to Service Day“ begangen wird. Hier zeigt sich das Bündnis zwischen Armee und Sport traditionell besonders offen zur Schau gestellt. Bei der FIFA hingegen bleibt abzuwarten, welchen Kurs der Weltverband mit Blick auf die WM 2026 einschlägt. Auch dann wird – Stand jetzt – der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump heißen. (nki)