Bayern gegen Bayer: Warum wird am Freitag gespielt? Ansetzung zeigt TV-Dilemma der Bundesliga
VonAlexander Kaindl
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Am Freitag kommt es in München zum Bundesliga-Gipfeltreffen zwischen dem FC Bayern und Bayer Leverkusen. Hinter der Ansetzung steckt ein komplexes System.
München – Der Bundesliga steht der erste große Kracher bevor. Erster gegen Zweiter, Bayer gegen Bayern, Herausforderer gegen Meister – und das ganze auf einem Sendeplatz, der vielen Fans gefallen dürfte: Freitagabend, 20.30 Uhr, Flutlicht-Spiel. Doch genau darin liegt ein Problem.
FC Bayern München – Bayer Leverkusen
Termin:
Freitag, 15. September, 20.30 Uhr
Übertragungsrechte:
DAZN
Bayern gegen Bayer: Warum wird am Freitag gespielt? Ansetzung zeigt TV-Dilemma der Bundesliga
Ein gewaltiges Problem sogar – aus Sicht von Bossen, Trainern und Spielern. Denn wegen der Länderspielpause wird es sowohl für den FC Bayern München als auch für Bayer Leverkusen ein Wettlauf mit der Zeit. Die Bayern haben 16 Spieler zu ihren jeweiligen Nationen entsandt, bei der Werkself sind es 15. Die große Hürde: Manche Spieler kommen erst extrem spät von ihrer Reise zurück. Mit zwei Spielen in den Beinen, einem stundenlangen Flug, Zeitverschiebung und möglicherweise Jetlag soll dann am Freitag schon wieder sportliche Höchstleistung betrieben werden. Gegen einen Gegner, der entweder die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga ist oder der deutsche Rekordmeister.
Warum findet dieses Topspiel also an einem Freitagabend, dem frühestmöglichen Termin einer Bundesliga-Ansetzung, statt? Die Antwort lautet: TV-Rechte. Und damit herzlich willkommen zum Spiel der Millionen.
Sky hat den „first pick“, DAZN den „second pick“ bei der Bundesliga
Denn in der Bundesliga wird nicht danach entschieden, welche Spiele aus Sicht von Regeneration, Fanfreundlichkeit oder Fairness am Freitag, Samstag oder Sonntag stattfinden. Nein, es geht um den „first pick“ und um den „second pick“.
Pay-TV-Sender Sky hat für jeden Spieltag den Erstzugriff auf ein Spiel, kann sich also aussuchen, welche Partie am Samstagabend um 18.30 Uhr angepfiffen wird. Dieses Wunschspiel-Szenario ist pro Mannschaft maximal acht Mal pro Saison möglich. Klar ist aber, dass Sky für seine Topspiele auf die großen Namen setzt. Bayern gegen Dortmund gilt zwei Mal pro Saison als fix, auch Bayern gegen Leipzig ist eine klassische Samstagabend-Sky-Begegnung – sie ist für den 30. September auch schon terminiert.
Xabi Alonso und Thomas Tuchel stehen sich am Freitagabend gegenüber. Die Partie zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen wird von DAZN übertragen.
Topspiel am Samstagabend: Acht Partien pro Mannschaft möglich
Somit könnte Sky nur noch vier weitere Male auf die Bayern zugreifen. Im Falle des Leverkusen-Hinspiels hat man sich nun eben dagegen entschieden, weshalb das Duell „frei“ auf dem Markt war. Und dann kam es zum „second pick“, der bei Streaming-Anbieter DAZN liegt. Dort laufen alle Freitags- und Sonntags-Spiele. Der Rest ist schnell erklärt: Weil die Bayern schon am Mittwoch wieder in der Champions League gegen Manchester United gefordert sind, galt eine Ansetzung für Sonntag als ausgeschlossen. Also blieb nur der Freitag.
Alle Partien, die nicht von Sky und DAZN explizit ausgewählt werden, landen dann in der Nachmittags-Konferenz. Mannschaften, die eher ein kleineres Zuschauer-Interesse hervorrufen, kommen deshalb oft in den Genuss der klassischen Bundesliga-Zeit am Samstag um 15.30 Uhr. Bei den Ansetzungen spielen dann auch noch die internationalen Klub-Wettbewerbe eine Rolle – bei den Europa-League- und Conference-League-Teilnehmern noch eher als bei den Champions-League-Klubs. Denn diese Partien werden immer donnerstags ausgetragen. Dementsprechend spielten Union Berlin und der SC Freiburg in der vergangenen Spielzeit überdurchschnittlich oft am Sonntag nach einer Europa-Woche, um zusätzliche Regenerationszeit zu bekommen.
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Bayern und Bayer mit Problemen wegen Freitags-Ansetzung
Bei Bayern und Bayer findet man die Ansetzung am Freitagabend nun natürlich unglücklich. Leverkusens Exequiel Palacios spielt am Dienstagabend um 22 Uhr mit Argentinien in Bolivien. Am Donnerstag soll er um 11 Uhr in Frankfurt landen, von dort geht es zurück nach Leverkusen, um dann am Freitagmorgen mit der Werkself nach München zu fliegen. Stress pur – und mehr als ein kurzes Anschwitzen dürfte da nicht mehr drin sein.
Dem Ecuadorianer Piero Hincapié hätte ein ähnliches Szenario gedroht, er ließ die Länderspielreise aber ausfallen, um sich auf die Wiedereingliederung bei Bayer zu konzentrieren. Schließlich war er zuletzt lange mit einem Mittelfußbruch ausgefallen. Auf Münchner Seite ist es nur Zufall, dass es nicht zu ähnlich wirren Reiseplänen kommt: Alphonso Davies und seine Kanadier sind spielfrei, Minjae Kim spielt mit Südkorea gegen Saudi-Arabien in Newcastle – und nicht in seiner Heimat oder in der Wüste. Die Flugzeit von England nach Deutschland ist im Gegensatz dazu dann doch überschaubar.
Alonso und Tuchel nicht glücklich über Ansetzung des Spitzenspiels
Bayer-Trainer Xabi Alonso sagte zum Termin: „Ich kann den Kalender nicht ändern.“ Grundsätzlich sei es aber eher eine unglückliche Ansetzung für beide Teams. FCB-Coach Thomas Tuchel meinte: „Es ist ein Bundesliga-Topspiel, beide Teams stellen viele Nationalspieler ab. Und dann am Freitagabend zu spielen, ich weiß jetzt nicht, ob ich das richtig gut finde.“
Borussia Dortmund wird nach der Länderspielpause im Oktober in ähnlicher Weise betroffen sein. Sportdirektor Sebastian Kehl hatte seinen Unmut über die Terminierung des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft am 18. Oktober gegen Mexiko in den USA bereits zum Ausdruck gebracht. Zwei Tage später bestreitet der BVB freitags am 8. Spieltag sein Bundesliga-Heimspiel gegen Werder Bremen (20.30 Uhr).
Auch der BVB wird im Oktober vom Ansetzungs-Dilemma betroffen sein
„Wir haben das Thema mehrmals mit Rudi Völler und den Fernsehanstalten besprochen. Die Ansetzung ist nicht glücklich, vor allem nicht für uns, weil wir am Freitagabend spielen, und das Länderspiel ist am Dienstag“, sagte Kehl bei Sky. Anpfiff in Philadelphia gegen den Gold-Cup-Sieger Mexiko ist am 18. Oktober um 2 Uhr MESZ morgens.
„Themen sind die Zeitverschiebung und der Rückflug, da die Regeneration wichtig ist, aber wenn wir das Spiel gewinnen, dann diskutiert da keiner mehr drüber. Es ist eine Ansetzung, die man hätte besser legen können, von beiden Seiten“, betonte Ex-Nationalspieler Kehl. (akl)