Verlegung des Champions-League-Spiels Neapel gegen Eintracht Frankfurt abgelehnt
VonChristoph Klaucke
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Die UEFA lehnt Eintracht Frankfurts Antrag ab. Das Champions League-Spiel in Neapel findet ohne Gäste-Fans statt. Der Verband prüft Regeländerungen.
Frankfurt – Die UEFA hat erwartungsgemäß den Antrag von Eintracht Frankfurt abgelehnt, das Champions League-Spiel gegen SSC Neapel an einen neutralen Ort zu verlegen. Damit findet die Partie am 4. November wie geplant in Neapel statt – allerdings ohne die mitreisenden Fans der Frankfurter. Der europäische Fußballverband bestätigte jedoch, sich intensiv mit der zunehmenden Praxis von Gästefan-Ausschlüssen zu befassen und Regeländerungen zu prüfen.
Der Hintergrund der gescheiterten Verlegung liegt in einem behördlichen Erlass der neapolitanischen Präfektur vom 22. September. Diese untersagte dem SSC Neapel den Verkauf von Eintrittskarten an Personen mit Wohnsitz in Frankfurt. Betroffen sind rund 2.500 Karten, die nach UEFA-Regularien dem Gastverein zustehen – fünf Prozent der Gesamtkapazität des Stadio Diego Armando Maradona.
Champions League in Neapel: Eintracht kritisiert unterschiedliche Standards
Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Philipp Reschke übte scharfe Kritik an der uneinheitlichen Handhabung von Hochrisikospielen in Europa. „Der völlig unterschiedliche Umgang der teilnehmenden Länder und Nationalverbände mit Hochrisikospielen an den jeweiligen Standorten ist mittlerweile zu einem echten Problem für die europäische Fankultur und die Integrität der europäischen Clubwettbewerbe geworden“, erklärte Reschke laut der Pressemitteilung der Eintracht.
Der Frankfurter Funktionär bemängelte insbesondere die Praxis in Italien und Frankreich. „Es kann nicht sein, dass an den meisten Standorten Gästefans selbstverständlich und trotz großer Herausforderungen willkommen bleiben und an einigen anderen Standorten, wie zuletzt vor allem in Frankreich und Italien, bei identischer Vorauslage und Gefährdung Gästefans schlicht behördlich ausgeschlossen werden“, so Reschke weiter.
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Die Eintracht hatte Anfang Oktober unter Verweis auf sicherheitstechnische und organisatorische Mängel am Standort Neapel den Antrag bei der UEFA eingereicht, das Spiel an einen neutralen Ort zu verlegen oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen. Bereits 2023 waren Frankfurter Fans vom Spiel in Neapel ausgeschlossen worden. Auch Eintracht-Tainer Dino Toppmöller reagierte auf das Fan-Verbot in Neapel.
Reschke kritisierte das aktuelle UEFA-Regelwerk als unzureichend. „Das Regelwerk der UEFA gibt den von behördlichen Gästefan-Ausschlüssen einseitig betroffenen Clubs und auch dem Verband selbst noch kein Instrument an die Hand, gegen diese Praxis und den daraus folgenden atmosphärischen und damit sportlichen Wettbewerbsnachteil vorzugehen oder ihn zumindest auszugleichen“, erläuterte der Vorstand.
Immerhin bestätigte die UEFA in ihrer Mitteilung, sich in Anbetracht der zunehmenden Ausschluss-Praxis mit der Anpassung der Regularien intensiv zu befassen. Reschke bewertete dies trotz aller Verärgerung positiv: „Wir bewerten das bei aller Verärgerung über die Umstände, denen wir einmal mehr in Neapel ausgesetzt sind als ein belastbares Signal der UEFA in die richtige Richtung.“
Eintracht Frankfurt fordert Konsequenzen nach Fan-Chaos in der Champions League
Der Eintracht-Funktionär forderte konkrete Konsequenzen für die Zukunft. „Eine Chance auf Veränderung gibt es nur, wenn die veranstaltenden Heimvereine zukünftig in die Mit-Verantwortung für behördliche Einschränkungen genommen werden und diese Handhabung von Sicherheitsfragen nicht weiter einseitig Gästefans und Gastmannschaften benachteiligt“, so Reschke abschließend.
Die Statistik verdeutlicht das Ausmaß des Problems: Seit dem ersten Ausschluss von Eintracht-Fans in Neapel 2023 kam es bis heute zu 15 weiteren Fällen von behördlich verfügten Gästefan-Ausschlüssen in den Europapokalwettbewerben der UEFA. Damit wird die ursprünglich als Ausnahme gedachte Maßnahme zunehmend zur Regel, was die Integrität der europäischen Clubwettbewerbe gefährdet. Die Entwicklung zeigt, wie dringend einheitliche Standards im europäischen Fußball benötigt werden. (ck)