Uefa weist Eintracht-Antrag für Champions-League-Partie ab
VonIngo Durstewitz
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Beim Spiel in Neapel am 4. November dürfen definitiv keine Eintracht-Fans ins Stadion – die Regularien könnten künftig angepasst werden.
Eintracht Frankfurt hat in dieser Woche fernab des Fußballplatzes eine Niederlage hinnehmen müssen. Erwartungsgemäß. Realistische Chancen auf einen Sieg hatte der Bundesligist nicht. Und so teilte der Klub am Freitag mit: Der europäische Dachverband Uefa habe einen Antrag von Eintracht Frankfurt, das Champions-League-Spiel am 4. November bei SSC Neapel an einen neutralen Ort zu verlegen oder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden zu lassen, abgelehnt. Überraschend kommt das nicht.
Hintergrund ist, dass die Präfektur Neapel am 22. September einen Beschluss erlassen hat, Eintracht-Fans von der Partie auszuschließen, den Frankfurtern hätten rund 2500 Tickets zugestanden. Auch vor zweieinhalb Jahren verfuhren die Behörden so, damals war es in der Stadt zu schwersten Krawallen gekommen.
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Vorstand Philipp Reschke glaubt nicht, dass sich dieses Mal viele Frankfurter Anhänger auf nach Italien machen werden. „Ich bin der Überzeugung, dass sich nicht noch einmal eine solche Anzahl auf den Weg machen wird.“ Vorsicht ist in der Stadt dennoch geboten, auch die Eintracht wird sich und ihre Mannschaften (der U19-Nachwuchs spielt in der Youth League ebenfalls vor Ort) mit allerlei Sicherheitsvorkehrungen schützen.
Für die Eintracht ist der abermalige Ausschluss schwer hinnehmbar, sie sieht sich staatlicher Willkür und einem Eingriff in den sportlichen Wettkampf ausgesetzt. „Der völlig unterschiedliche Umgang mit Hochrisikospielen an den jeweiligen Standorten führt zu einem echten Problem für die europäische Fankultur und die Integrität der europäischen Klubwettbewerbe“, moniert Vorstand Philipp Reschke. „Es kann nicht sein, dass an den meisten Standorten Gästefans selbstverständlich und trotz großer Herausforderungen willkommen bleiben und an einigen anderen Standorten bei identischer Vorauslage und Gefährdung Gästefans schlicht behördlich ausgeschlossen werden.“
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Die SSC Neapel selbst, so munkelt man, spielt Doppelpass mit der Präfektur. Interessant: Seit 2023 sind die Gästefans in 15 Fällen ausgesperrt worden – siebenmal in Italien, siebenmal in Frankreich. Der Uefa sind die Ausschlüsse ebenfalls ein Dorn im Auge. Sie will ihre eigenen Regularien offenbar anpassen. Für die Eintracht kommt das erst mal zu spät.
Philipp Reschke glaubt dennoch, dass der Verband auf dem richtigen Weg ist und die Zeichen der Zeit verstanden hat. Die Eintracht hat mit ihrem Antrag ja eher einen Anstoß geben wollen, mit einem symbolischen Akt sozusagen. Noch hat die Uefa zwar keine Handhabe in ihren Statuten, „um gegen den atmosphärischen und damit sportlichen Wettbewerbsnachteil vorzugehen oder ihn zumindest auszugleichen.“ Doch das könnte sich ändern.
„Wir bewerten das bei aller Verärgerung über die Umstände, denen wir einmal mehr in Neapel ausgesetzt sind, als ein belastbares Signal der Uefa in die richtige Richtung. Eine Chance auf Veränderung gibt es nur, wenn die veranstaltenden Heimvereine zukünftig in die Mit-Verantwortung für behördliche Einschränkungen genommen werden“, bemerkt Reschke. Will sagen: Die Uefa könnte in vergleichbaren Fällen künftig auch Geisterspiele anordnen. Damit wäre dem gastgebenden Verein natürlich nicht geholfen – weder atmosphärisch noch finanziell.