VonDaniel Michelschließen
Top Vier in Europa? Die wiederholten Fehltritte von Dayot Upamecano stellen die Ambitionen des FC Bayern auf die Probe.
München – Ein technisch unsauber ausgeführter Rückpass des Franzosen führte am Samstag zum zwischenzeitlichen 1:1 für die Gäste des 1. FC Heidenheim. Auch wenn der FC Bayern am Ende mit 4:2 als Sieger vom Platz ging, erhielt Dayot Upamecano im Anschluss erstmals öffentlich einen Rüffel von Sportdirektor Christoph Freund.
Für 42,5 Millionen Euro von RB Leipzig gekommen
Upamecano wurde 2021 von RB Leipzig für rund 40 Millionen Euro Ablöse geholt. Die Anforderung an ihn war klar: Der Franzose sollte nach kurzer Eingewöhnungszeit die Abwehr der Münchner dirigieren. Nach einer guten Startphase erhielt Upamecano den Spitznamen „Supamecano“ verliehen. Doch dieser Spitzname wirkt wie ein Euphemismus im Verhältnis zu den Leistungen, die der Verteidiger regelmäßig abliefert. In nahezu jeder Saison unterlaufen Upamecano unerklärlich schwere Fehler. Oftmals trägt er eine erhebliche Mitschuld, wenn der FC Bayern ein Spiel verliert oder in einem Pokal-Wettbewerb in Bedrängnis gerät. Als Rückblick folgen seine drei größten Lowlights im Überblick:
In der 2. Runde des DFB-Pokal 2021/22 schied der FC Bayern nach einer 0:5-Pleite bei Borussia Mönchengladbach aus dem Wettbewerb aus. Das 0:1 fiel nach zwei Minuten. Upamecano war beim frühen Gegentreffer der letzte Abwehrspieler und ließ sich von seinem Gegner wie ein D-Jugendspieler austanzen. Besonders peinlich war auch der Vorlauf zum 0:4. Upamecano wirkte ängstlich, stieg in der eigenen Hälfte nicht zum Kopfball hoch und wartete quasi seelenruhig darauf, dass Gladbachs Breel Embolo sich das Leder schnappte und mit einem strammen Schuss das Tor markierte.
Schlimmer Patzer bei Manchester City
Ein Jahr später, im Viertelfinale der Champions League, patzte Upamecano erneut folgenschwer. Zunächst hatte er in der 50. Spielminute im Hinspiel bei Manchester City noch Glück, dass die Skyblues einen fatalen Rückpass von ihm am eigenen Strafraum nicht zu nutzen wussten. In der 70. Minute fand Upamecano dann, obwohl er viel Zeit und Freiraum hatte, nicht die richtige Passoption und verlor vor dem Strafraum fast kampflos den Ball. ManCity konnte dadurch das 2:0 erzielen. Beim dritten Gegentor, gleichzeitig der Endstand, ließ Upamecano wiederum fast teilnahmslos Stürmer Erling Haaland in seinem Rücken weglaufen und zum 3:0 einnetzen.
Wiederum ein Jahr später wurde Upamecano im Achtelfinale der Champions League 2023/24 bei Lazio Rom zum Spielverderber für die eigene Mannschaft. Erneut hatte er mit einem ersten krassen Patzer Glück (48.), dass kein Gegentor daraus resultierte. Doch in Minute 67 musste die Mannschaft erneut für Upamecano büßen: Vier Bayern-Profis jagten Ciro Immobile im Strafraum, der Italiener musste letztendlich den Angriff abbrechen und nach rechts zu Teamkollege Gustav Isaksen passen.
Der Däne verfehlte bei seinem hektischen Abschluss aus rechtem Winkel deutlich das Tor. Die Situation war demnach geklärt. Upamecano jedoch ging völlig übermotiviert Isaksen an, grätschte ihn noch brutal im Strafraum um – und sah dafür die Rote Karte. Der anschließend verwandelte Elfmeter war gleichbedeutend mit Roms Siegtreffer zum 1:0. Der kicker erteilte Upamecano für seine Leistung die Note Sechs.
Immer wieder unterlaufen dem 25-Jährigen Konzentrationsfehler, gepaart mit technischen Mängeln. Ganz gleich, ob der Coach des FC Bayern Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel oder nun Vincent Kompany heißt: Upamecano schockt mit Aussetzern und bringt den FC Bayern sportlich in Gefahr.
Wer bei Google die Begriffe Upamecano und Patzer eingibt, der kommt mit dem Lesen von Artikeln kaum mehr nach. Zuletzt kritisierte der frühere Erfolgscoach des FC Bayern, Felix Magath, Upamecano stark für seine Fehler bei der 1:4-Pleite in der Königsklasse beim FC Barcelona.
Van Dijk als Maßstab für Upamecano
Zur Einordnung: Weltklasse-Verteidiger wie Virgil van Dijk vom FC Liverpool begehen auch Fehler. Das liegt in der Natur der Sache eines Abwehrspielers. Aber Defensivakteuren auf Topniveau unterlaufen ganz selten spielentscheidende Fehler in besonders bedeutenden Spielen. Vor allem nicht in der Häufigkeit, wie es bei Upamecano der Fall ist. Dass „Fehlerteufel“ Upamecano beim FC Bayern als unumstrittener Stammspieler eine bedeutende Rolle einnimmt, sollte die Münchner Verantwortlichen nicht vom „Titel dahoam“ träumen lassen. Es sollte ihnen eher Alpträume bescheren. Und so bleibt die Frage: Wie lange will der Klub bei Upamecano noch die Augen vor seiner Fehleranfälligkeit verschließen?
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