VonDaniel Michelschließen
Vincent Kompany führt den FC Bayern Richtung Meisterschaft. Auf der Strecke bleiben offenbar die Talente. Wird das zum Problem?
München – Nach Xabi Alonso, Julian Nagelsmann, Ralf Rangnick, Hansi Flick und einem Comeback-Versuch mit Thomas Tuchel war Vincent Kompany maximal die sechste Wahl, als der FC Bayern im vergangenen Frühjahr einen neuen Coach für die Saison 2024/25 gesucht hatte.
Gemessen an den Rahmenbedingungen hat der Belgier einen guten Start 2024/25 beim FC Bayern hingelegt. Nach 20 Spieltag führt der FC Bayern die Tabelle der Bundesliga mit sechs Punkten Vorsprung vor Titelverteidiger Bayer 04 Leverkusen an. Hoch anzurechnen ist Kompany auch, dass er wieder eine gute Atmosphäre in Mannschaft und Klub zurückgebracht hat.
Fehleranfälligkeit in der Defensive
Zweifel bestehen dennoch, ob der FC Bayern mit Kompany große Titel gewinnen kann. Die Fehleranfälligkeit in der Defensive lässt in Sachen möglicher Champions League-Triumph Zweifel aufkommen, zumal der 38-Jährige zwar als Profi auf höchstem Niveau gespielt, aber in seiner jungen Karriere als Trainer noch nie einen europäischen Topklub gecoacht hat.
Das Winter-Transferfenster offenbart nun noch eine systemische Schwäche von Kompany. Der Coach des FC Bayern hat sich bislang um die Förderung von Talenten kaum gekümmert, schlimmer noch: Offenbar vergrault er Talente sogar. Dabei ist es für den deutschen Rekordmeister enorm wichtig, auch auf eigene Talente zurückzugreifen, um nicht noch mehr Geld auf dem Transfermarkt auszugeben.
Tel will nun doch den FC Bayern verlassen
Die aktuellen Beispiele werfen ein schlechtes Licht auf Kompany: Mathys Tel wurde 2022 für 20 Millionen Euro aus Rennes geholt. Der FC Bayern kündigte an, die hohe Ablöse für einen Teenager begründe sich dadurch, dass er mal 50 Tore in einer Saison schießen könne. Unter Kompany jedoch kam Tel kaum mehr zum Einsatz, der 19-Jährige wirkte verunsichert – und obwohl er eigentlich trotzdem beim FC Bayern bleiben wollte, entschied er sich nun doch, Angebote anderer Topklubs anzuhören.
Aznou wird verliehen
Ähnlich lief es bei Adam Aznou ab. Der Marokkaner kam 2022 vom FC Barcelona zum FC Bayern und arbeitete sich in der aktuellen Saison zu den Profis hoch. Während der 18 Jahre alte Linksverteidiger aber nur zwei Kurzeinsätze in der Bundesliga gegen Union Berlin und Holstein Kiel und einen in der Champions League gegen Donezk erhielt, brachte er es währenddessen bereits auf drei Einsätze für die marokkanische Nationalmannschaft. Aznou lässt sich nun nach Spanien ausleihen zu Real Valladolid, obwohl er natürlich gerne mehr Spielzeit in München erhalten hätte.
Wenn man auf die Startelf des FC Bayern in dieser Saison blickt, setzt Kompany meist auf bewährte Stars. Das ist sein gutes Recht, um sein neues Spielsystem zu stabilisieren und im Titelrennen in der Bundesliga nicht ins Hintertreffen zu geraten. Talente des FC Bayern müssen sich deshalb aber hinten anstellen – oder ihr Glück offenbar bei einem anderen Klub finden.
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