Weltcup-Auftakt in Sölden

Deutscher Ski-Weltmeister bangt nach Horror-Verletzung um Comeback

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Alexander Schmid kämpft sich zurück. Der Parallel-Weltmeister steht vor seinem Comeback in Sölden. Zehn Monate nach dem zweiten Kreuzbandriss.

Sölden – Die alpine Ski-Elite bereitet sich auf den traditionellen Saisonauftakt vor, doch ein Name sorgt für besondere Aufmerksamkeit: Alexander Schmid. Der deutsche Parallel-Weltmeister von 2023 steht zehn Monate nach seinem zweiten Kreuzbandriss vor einem möglichen Comeback beim Riesenslalom am Sonntag auf dem Rettenbachferner. Eine Entscheidung, die der 31-Jährige erst kurzfristig treffen will und die den gesamten deutschen Skisport elektrisiert.

Deutschlands Ski-Weltmeister steht vor dem Comeback.

Der Allgäuer aus Fischen hatte sich im Dezember 2024 beim Training in Gröden erneut das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen – dasselbe Knie, das ihn bereits im März 2023 außer Gefecht gesetzt hatte. Diesmal waren zusätzlich beide Menisken betroffen, was die Rehabilitation komplizierter machte.

Schmid-Comeback: Rehabilitation dauerte länger als erwartet

„Die Rehabilitation verlief sehr gut, auch wenn sie etwas länger dauerte, als nach meinem ersten Kreuzbandriss – was aber daran lag, dass ja beide Menisken ebenfalls betroffen waren“, erklärt Schmid seine Situation in einer Mitteilung des Deutschen Skiverbands. Der Riesenslalom-Spezialist nahm sich bewusst mehr Zeit für die Genesung: „Ich habe mir die Zeit genommen, gerade am Anfang bin ich geduldiger geblieben.“

Ende Juli, Anfang August stand der Weltmeister erstmals wieder auf Skiern im Schnee. „Das hat sich dann gleich einmal ganz gut angefühlt“, berichtet Schmid über seine ersten Fahrten nach der Verletzungspause. In Argentinien absolvierte er etwa zehn Tage freies Fahren, bevor er in der letzten Woche ins Stangentraining einstieg. Seit Ende September trainiert er wieder auf den Gletschern und bereitet sich intensiv auf sein mögliches Comeback vor.

Leider kein Einzelfall – nächstes Ski-Ass verliert bei Sturz-Drama sein Leben

Foto IPP/Gio Auletta/Pentaphoto Kitzbuehel Kitzbuhel
Der italienische Skirennfahrer Matteo Franzoso galt als eines der hoffnungsvollen Talente im Speed-Team der „Azzurri“. Mit 25 Jahren stand er mitten in seiner Karriere, sein Traum war die feste Etablierung im Weltcup. Nun ist er nach einem tragischen Trainingssturz gestorben – der Skisport trauert um einen beliebten Kollegen. © IMAGO/R4924_italyphotopress
alpine ski race - 2023 Audi FIS Ski World Cup - Men s Super G Franzoso Matteo (ITA) during 2023 Audi FIS Ski World Cup
In den vergangenen Jahren nahm er an mehreren Weltcup-Abfahrten teil und sammelte auch im Europacup Siege. Sein Weg schien vielversprechend, bis das Unglück alles veränderte. © IMAGO/Mattia Radoni / LiveMedia
Rescuers evacuated injured skier sportsman from mountain on rescue stretchers KAMCHATKA PENINSULA, RUSSIA
Doch auch vor Franzoso Matteos tragischem Tod forderte die Piste immer wieder auf brutalste Weise ihren Tribut ein. © IMAGO/Zoonar.com/Alexander A. Piragis
Regine Cavagnoud Frankreich Ski Alpin Portrait St Anton Ästerreich
Die Französin Régine Cavagnoud war amtierende Weltmeisterin im Super-G, als sie im Oktober 2001 bei einem Trainingslauf am Hintertuxer Gletscher mit einem deutschen Trainer kollidierte. Sie erlitt dabei schwerste Kopfverletzungen und verstarb wenige Tage später in einer Innsbrucker Klinik. © IMAGO / Sammy Minkoff
Silvano Beltrametti
Silvano Beltrametti galt mit mehreren WM-Medaillen im Junioren-Bereich als ein großes Talent im Schweizer Skiverband, als er im Dezember 2001 in Val d’Isère schwer stürzte. Nach einem Kontrollverlust flog er mit hoher Geschwindigkeit von der Strecke und prallte in die Fangzäune. © IMAGO/Camera 4
Silvano Beltrametti
Die Folgen waren dramatisch: Beltrametti verletzte sich an der Wirbelsäule und ist seither querschnittsgelähmt. Sein Schicksal schockierte die gesamte Skiwelt und führte zu einer intensiven Diskussion über Sicherheit im alpinen Rennsport. Sein Sturz war ausschlaggebend für die Einführung der blauen Linien auf der Piste, welche den Athleten bei der Orientierung helfen. © IMAGO / Martin Hoffmann
Gerade einmal ein Jahr später verunglückte auf der gleichen Strecke ein weiteres Schweizer Talent. Der 20-jährige Werner Elmer stieß mit einem Streckenposten zusammen und verstarb noch am Unfallort.
Gerade einmal ein Jahr später verunglückte auf der gleichen Strecke ein weiteres Schweizer Talent. Der 20-jährige Werner Elmer stieß mit einem Streckenposten zusammen und verstarb noch am Unfallort. © Fabrice_Coffrini
Christian Neureuther
„Es ist ganz klar, wenn ein tragischer Unfall passiert, muss über die Sicherheit diskutiert und gestritten werden. Und das ist auch gut so“, sagte damals ein erschütterter Christian Neureuther nach der Tragödie. © IMAGO / Sven Simon
Shelley Glover
Im kanadischen Skisport galt Shelley Glover als eine der größten Nachwuchshoffnungen. Mit nur 17 Jahren kam sie 2004 bei einem Super-G-Training in Mont Tremblant ums Leben. Ihr früher Tod erschütterte das ganze Land und hinterließ eine große Lücke im Nachwuchsteam. Die Shelley Glover Foundation setzt sich noch heute für Mädchen und Frauen im Sport ein. © Shelley Glover Foundation/Facebook
Nick Zoricic
Der kanadische Skicross-Profi Nick Zoricic kam im März 2012 beim Weltcup-Finale in Grindelwald ums Leben. In der Landung nach einem Sprung verlor er die Kontrolle, kam von der Strecke ab und prallte in ein Sicherheitsnetz am Pistenrand. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche konnten die Ärzte sein Leben nicht retten. © imago sportfotodienst
Aksel Lund Svindal
Im Dezember 2007 kam es im US-amerikanischen Beaver Creek zu einem der spektakulärsten Stürze der jüngeren Ski-Geschichte. Der Norweger Aksel Lund Svindal verlor nach einem Sprung die Kontrolle, überschlug sich mehrmals und seine Ski flogen durch die Luft. Mit schweren Gesichtsverletzungen und einem Bruch am Schienbein musste er lange pausieren – für viele Athleten wäre das das Karriereende gewesen. © IMAGO / Ulmer
Svindal aber kämpfte sich eindrucksvoll zurück: Er wurde mehrfacher Olympiasieger, Weltmeister und eine prägende Figur des alpinen Skisports. Sein Comeback nach dem Horrorcrash gilt bis heute als Musterbeispiel für Stärke und Willenskraft.
Svindal aber kämpfte sich eindrucksvoll zurück: Er wurde mehrfacher Olympiasieger, Weltmeister und eine prägende Figur des alpinen Skisports. Sein Comeback nach dem Horrorcrash gilt bis heute als Musterbeispiel für Stärke und Willenskraft. © IMAGO/Geoff Burke
Matthias Lanzinger (Österreich) muss nach einem Sturz geborgen werden
Der Österreicher Matthias Lanzinger war im März 2008 beim Super-G in Kvitfjell unterwegs, als er nach einem Sprung das Gleichgewicht verlor und unkontrolliert stürzte. Zunächst schien es ein „normaler“ Rennunfall zu sein, doch komplizierte Brüche am linken Bein führten zu Durchblutungsstörungen. Trotz mehrerer Not-Operationen mussten die Ärzte wenige Tage später den Unterschenkel amputieren. Damit war seine Karriere im alpinen Weltcup beendet – doch Lanzinger gab nicht auf. © IMAGO / Digitalsport
21.01.2017, Hahnenkamm, Kitzbuehel, AUT, FIS Weltcup Ski Alpin, KitzCharity Trophy, im Bild Matthias Lanzinger
Er wechselte in den Para-Ski-Bereich, startete erfolgreich im internationalen Rennzirkus und vertrat Österreich sogar bei den Paralympischen Spielen. Dort holte er zweimal Silber. Damit wurde er zu einem Symbol für Stärke, Neubeginn und die Kraft des Sports, auch nach einem Schicksalsschlag. © IMAGO / Eibner Europa
22 01 2009 Streif Kitzbühel AUT FIS Alpine Ski World Cup Men 3 Training Daniel Albrecht
Beim Training zur legendären Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel kam der Schweizer Daniel Albrecht im Januar 2009 böse zu Fall. Nach einem Sprung verlor er die Kontrolle, überschlug sich mehrmals und blieb regungslos im Zielbereich liegen. Albrecht erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und lag fast drei Wochen im künstlichen Koma.  © IMAGO / Eibner
22 01 2009 Streif Kitzbühel AUT FIS Alpine Ski World Cup Men 3 Training Daniel Albrecht
Zuvor hatte er sich als einer der größten Talente des Schweizer Skiverbandes etabliert: 2007 wurde er Weltmeister in der Kombination, gewann im Weltcup mehrere Rennen und galt als Allrounder mit enormem Potenzial. Nach seiner langen Reha kehrte er tatsächlich in den Weltcup zurück – auch wenn er nicht mehr ganz an seine alten Erfolge anschließen konnte.  © IMAGO / Eibner
Hans Grugger
Die Streif in Kitzbühel gilt als die gefährlichste Abfahrt der Welt – und dort ereignete sich im Januar 2011 der schwerste Sturz in der Karriere von Hans Grugger. Der Österreicher kam im Training am berüchtigten „Mausefalle“-Sprung zu Sturz, schlug mit voller Wucht auf und blieb bewusstlos im Schnee liegen.  ©  IMAGO / ActionPictures
Hans Grugger
Ein Rettungshubschrauber brachte ihn mit schweren Kopf- und Brustverletzungen in die Klinik, wo er wochenlang auf der Intensivstation behandelt wurde. Zuvor hatte Grugger bereits vier Weltcuprennen gewonnen und sich als feste Größe im österreichischen Speed-Team etabliert. Zwar kämpfte er sich nach monatelanger Reha zurück ins Leben, doch eine Rückkehr in den Weltcup war unmöglich. ©  IMAGO / ActionPictures
Le skieur français David Poisson se tue à l’entraînement sur une piste de l’Alberta, au Canada
Der französische Speed-Spezialist David Poisson, von seinen Teamkollegen „Caillou“ genannt, kam im November 2017 bei einem Trainingssturz im kanadischen Nakiska ums Leben. Der damals 35-Jährige war ein erfahrener Rennfahrer, der 2013 bei der WM in Schladming überraschend Bronze in der Abfahrt gewann. Er nahm zudem an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver teil und war auch für Sotschi 2014 im französischen Team nominiert. Bei dem Trainingsunfall verlor er kurz vor dem Ziel einen Ski und prallte gegen einen Baum – die Verletzungen waren so schwer, dass jede Hilfe zu spät kam. Erneut wurden die Diskussionen um die Sicherheit der Fahrer laut. © IMAGO/Agence Zoom/Bestimage
Max Burghart
Kurz darauf ereignete sich der nächst tragische Vorfall. Der junge Skirennläufer Max Burkhart, 17 Jahre alt und aktives Nachwuchstalent des Skiclubs Partenkirchen, verunglückte Anfang Dezember 2017 bei einem Abfahrtslauf in Lake Louise, Kanada. Beim Run stürzte er in ein Fangnetz, wobei die scharfen Kanten seiner Ski das Netz durchtrennten und er schwere Unterleibsverletzungen erlitt. Rettungskräfte reagierten sofort, er wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht, starb dort jedoch einen Tag später an seinen Verletzungen. © @m.burkhart/Instagram
12 12 2018 Saslong St Christina ITA FIS Weltcup Ski Alpin Abfahrt
Marc Gisin aus der Schweiz stürzte 2018 auf der Saslong in Gröden so heftig, dass er eine Zeit lang regungslos und ohne Bewustsein im Schnee lag. © EIBNER/EXPA/Johann Groder
Sport Themen der Woche KW50 Sport Bilder des Tages 15 12 2018 Saslong St Christina ITA FIS Welt
Ein Rettungshubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus. Schädel und Rückenverletzungen zog Gisin sich, anders als anfänglich angenommen jedoch nicht zu und kam mit einigen gebrochenen Rippen davon. Zwei Jahre später beendete er seine Karriere. © Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder
Fürchterlicher Moment: Urs Kryenbühl stürzt schwer.
Beim Abfahrtsklassiker auf der Streif in Kitzbühel erlebte der Schweizer Urs Kryenbühl im Januar 2021 einen der schlimmsten, nicht tödlichen Stürze der letzten Jahre. Kurz vor der Ziellinie verlor er bei über 140 km/h die Kontrolle, hob ab und prallte mit voller Wucht auf die Piste. Mit Schädel-Hirn-Trauma, Schlüsselbein- und Bänderverletzungen musste er mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt werden. Für den damals 26-Jährigen bedeutete der Unfall eine monatelange Zwangspause, die seine Karriere dauerhaft prägte. Sein Sturz zeigte einmal mehr, wie hoch das Risiko auf der berüchtigten Streif ist – selbst für Weltklassefahrer. © HELMUT FOHRINGER / AFP
Matilde Lorenzi
Im Oktober 2024 verunglückte die erst 19-jährige Matilde Lorenzi bei einem Trainingslauf im Schnalstal tödlich. Die Italienerin war Teil des Militärteams CS Esercito, hatte bereits nationale Super-G-Titel gewonnen und galt als eines der größten Nachwuchstalente ihres Landes. Trotz schneller Rettung und Hubschraubertransport ins Krankenhaus von Bozen überlebte sie ihre schweren Kopfverletzungen nicht. Um ihr Vermächtnis zu bewahren, gründete ihre Familie die Stiftung „Matildina4Safety“, die sich für mehr Sicherheit im Skisport einsetzt und damit ein starkes Zeichen über Lorenzis Tod hinaus setzt. © matiilorenzi/Instagram
alpine ski race - 2023 Audi FIS Ski World Cup - Men s Super G Franzoso Matteo (ITA) during 2023 Audi FIS Ski World Cup
Das jüngste Opfer der Piste ist nun Matteo Franzoso. Er wird als talentierter Sportler, geschätzter Teamkollege, Sohn und Bruder in Erinnerung bleiben. Sein früher Tod führt der Skiwelt die ständige Gefahr ihres Sports vor Augen – und macht deutlich, wie eng Freude und Risiko im alpinen Rennsport beieinanderliegen.  © IMAGO/Mattia Radoni / LiveMedia

Vor eineinhalb Wochen absolvierte Schmid erfolgreich den sogenannten „Back-to-Competition-Test“ und erhielt damit „grünes Licht“ für einen Rennstart von der medizinischen Abteilung. „Ich werde jetzt in den nächsten Tagen schauen, ob ich mich fit und bereit fühle, in Sölden zu starten. Die Entscheidung werde ich kurzfristig treffen“, so der 31-Jährige zu seinen Plänen. Unterdessen gab Ski-Legende Marcel Hirscher die Entscheidung bekannt, ob er in Sölden an den Start geht.

DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Ob Riesenslalomspezialist Alex Schmid das Rennen in Sölden bereits bestreiten kann, oder ob es noch etwas zu früh kommt, wird Alex kurzfristig entscheiden. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass Alex schon bald wieder im Weltcup sein Comeback geben kann.“ Der Deutsche Skiverband nominierte Schmid dennoch für das zehnköpfige Aufgebot zum Weltcup-Auftakt.

Alexander Schmid hatte bei den Weltmeisterschaften 2023 in Courchevel/Méribel Geschichte geschrieben. Als erster deutscher Skifahrer seit Hansjörg Tauscher 1989 gewann er WM-Gold in einem Einzelbewerb – im Parallel-Riesenslalom. Nur wenige Wochen später folgte der erste Kreuzbandriss, der ihn neun Monate außer Gefecht setzte. Der zweite Kreuzbandriss im Dezember 2024 war ein noch härterer Schlag.

Ski-Weltmeister für Deutschland: Schmids Erfolgsgeschichte und Rückschläge

„Das war ein harter Schlag ins Gesicht“, beschrieb Schmid später seine Gefühle nach der erneuten Diagnose. Dennoch gab der Zollbeamte nicht auf und kämpfte sich zurück. Das mögliche Comeback in Sölden wäre nicht nur für Schmid persönlich ein Triumph, sondern auch ein wichtiger Baustein für die deutschen Olympia-Ambitionen. Mit Blick auf die Winterspiele 2026 in Italien könnte der erfahrene Riesenslalom-Spezialist eine entscheidende Rolle spielen – vorausgesetzt, er fühlt sich bereit für die Rückkehr in den Weltcup-Zirkus. (ck)

Rubriklistenbild: © JOEL MARKLUND/Imago

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