Chaos in Cannstatt

VfB-Chef Claus Vogt sorgt mit kurioser Aktion für Wirbel und zweifelt an Rechtmäßigkeit seiner Absetzung

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VfB-Präsident Claus Vogt wollte seine Absetzung als Aufsichtsratsvorsitzender auf kuriose Art und Weise verhindern. Hält diese nun rechtlich Bestand?

Stuttgart - Gerne wurde der VfB Stuttgart in den vergangenen Jahren aus verschiedensten Gründen von eigenen Anhängern als Klepperlesverein bezeichnet. Eine schwäbische Bezeichnung, die sich frei als Chaosklub übersetzen lässt. Diesem Namen macht der VfB in den vergangenen Tagen wieder alle Ehre. Sportlich läuft es zwar rund, immerhin ist der Verein überraschenderweise auf Kurs Champions League, doch im Aufsichtsrat knarzt es unüberhörbar seit Monaten.

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Wie Claus Vogt seine Abwahl als Aufsichtsratsvorsitzender beim VfB Stuttgart verhindern wollte

Eskaliert ist die Situation dann am Dienstag (12. März) mit der Absetzung von Präsident Claus Vogt als Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Von elf Mitgliedern des Kontrollgremiums hatte der e.V.-Chef nur noch zwei auf seiner Seite. Zudem soll es eine Enthaltung bei der Abstimmung gegeben haben, bei der Vogt selbst gar nicht mehr anwesend war, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Demnach soll er zuvor die Sitzung beendet haben, um somit die Abwahl zu verhindern.

Ob ihm dies gelungen ist, ist nicht vollends geklärt. Zwar zog der Aufsichtsrat die Abstimmung durch, doch es gibt Zweifel an der Rechtmäßigkeit. „Ob der gefasste Beschluss Bestand haben wird, gilt es notfalls zu klären“, heißt es in einem am Donnerstagmorgen (14. März) veröffentlichten Statement des Vereinsbeirats und des Präsidenten.

Claus Vogt will sich beim VfB Stuttgart nicht geschlagen geben.

„Gehört der VfB noch seinen Mitgliedern?“

Darin wird außerdem eine entscheidende Frage aufgeworfen: „Gehört der VfB wirklich noch seinen Mitgliedern? Die Ereignisse des Dienstags und die nicht mit dem Verein abgestimmte Pressemitteilung zeichnen leider ein anderes Bild.“ Außerdem wird in dem Statement an das mündliche Versprechen an die Mitglieder im Rahmen der Ausgliederung von 2017 erinnert, dass der Chef des Vereins immer gleichzeitig das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der AG innehaben müsse: „Der Bruch dieser Regel ist für uns ein grobes Foul und kann so nicht stehen bleiben.“

VfB e.V. schießt gegen Investoren

Interessant ist die Rolle des neuen VfB-Investors Porsche. Wie BW24 bereits berichtete, liegt der Verdacht längst nahe, dass die Absetzung Vogts als Aufsichtsratsvorsitzender Voraussetzung für den Einstieg des Sportwagenbauers war. In dem Statement der Vereinsspitze betonen die Verantwortlichen, ebenfalls „stolz und erfreut“ zu sein, dass der VfB „bedeutsame Unternehmen aus der Region“ für sich gewinnen konnte.

Allerdings rufen die e.V.-Vertreter außerdem in Erinnerung, man müsse sich beim Engagement an Spielregeln halten. Somit kündigten sie an: „Mittlerweile zweifeln wir daran, dass diese Spielregeln eingehalten wurden und werden, und sichern zu, dass wir dies detailliert prüfen werden.“ 

Worte, die eine gewaltige Wucht mit sich bringen und den Machtkampf beim Stuttgarter Traditionsverein nochmal auf ein neues Level hieven. Mit einem offenen Ende.

Rubriklistenbild: © Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank/IMAGO

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