Vier Überraschungskandidaten für Dauerbaustelle im Tor von Nagelsmann
VonLars Pollmann
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Für die ersten Länderspiele des Jahres muss Bundestrainer Julian Nagelsmann wieder einmal bei den Torhütern rotieren. Wird er für eine Überraschung sorgen?
Frankfurt – Im März startet das Länderspieljahr für die DFB-Männer von Julian Nagelsmann. Auch im Zwischenjahr nach der EM 2024 im eigenen Land und der WM in Nordamerika 2026 ist ein Titel zu vergeben. Der Bundestrainer hat schon mehrfach betont, wie wichtig ihm ein Erfolg beim ‚Final Four‘ der UEFA Nations League im Juni wäre.
Dafür müsste sich die DFB-Auswahl im Viertelfinale gegen Italien zunächst qualifizieren, würde damit auch die Ausrichtung der Halbfinals und des Endspiels für Deutschland entscheiden. Bundestrainer Nagelsmann dürfte dieser Tage bereits an seinem Kader für die Traditionsduelle am 20. und 23. März in Mailand und Dortmund feilen.
Torhüter-Position nach Neuer-Rücktritt eine DFB-Dauerbaustelle
Eine Dauerbaustelle bleibt dabei die Position zwischen den Pfosten. Nach dem Rücktritt von Manuel Neuer sollte Kronprinz Marc-André ter Stegen endlich seine Chance erhalten, verletzte sich jedoch schwer. Das Duell zwischen Alexander Nübel und Oliver Baumann für die Interimsrolle hat sich durch eine Verletzung des Hoffenheimer Routiniers ebenfalls für den Moment erledigt. Ob Baumann im März dabei sein kann, ist derzeit mindestens fraglich.
Nübel wird, wenn alles normal läuft, gegen Italien über 180 Minuten im Tor stehen. Wer es auf die Bank und damit in den ersten Länderspielkader des Jahres schafft, ist aber eine durchaus spannende Frage.
Nagelsmann hat mit seinen Entscheidungen bisher durchaus Kreativität bewiesen. Im November war Stefan Ortega erstmals dabei. Der 32-Jährige ist Ersatzkeeper bei Manchester City, hatte bei seiner Berufung nur geringfügige aktuelle Spielpraxis. In den letzten Monaten kam der frühere Bielefelder öfters zum Einsatz, bleibt aber hinter dem Brasilianer Ederson die klare Nummer zwei.
Salzburgs Blaswich dürfte kein DFB-Thema mehr sein
Noch überraschender war zuvor die Rückkehr von Janis Blaswich in den DFB-Kader gekommen. Der 33-Jährige wurde im Sommer von RB Leipzig zum Schwesternklub RB Salzburg verliehen, ist dort aber keineswegs unumstritten. Schon seit Dezember ist Blaswich nicht mehr die Nummer 1 bei den Mozartstädtern, sollte damit für die Italien-Spiele kein Thema sein.
Für den März-Lehrgang dürfte nach aktuellem Stand nur Nübel wirklich gesetzt sein, um die weiteren Posten müssen sich Nagelsmann und Torwart-Trainer Andreas Kronenberg Gedanken machen. Die Nominierungen von Ortega und Blaswich zeigen, dass altgediente Anwärter wie Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt oder Bernd Leno vom FC Fulham derzeit wohl eher außen vor sind.
fussball.news, das Fußballportal von IPPEN.MEDIA, nennt vier Kandidaten, mit denen der Trainerstab überraschen könnte.
Robin Zentner, FSV Mainz 05
Der FSV Mainz 05 ist DIE Überraschungsmannschaft in der Bundesliga. Die Spieler von Trainer Bo Henriksen sammeln ungeheures Selbstbewusstsein und träumen von einer historischen Champions-League-Qualifikation. Der starke Rückhalt ist Robin Zentner. Das Fachmagazin kicker führt den 30-Jährigen als notenbesten Keeper der Bundesliga. Nur die Top-Stars Florian Wirtz (Bayer Leverkusen), Omar Marmoush (Eintracht Frankfurt, jetzt ManCity), Harry Kane und Joshua Kimmich (beide FC Bayern) haben einen besseren Notenschnitt.
Die Rheinhessen stellte mit Jonathan Burkardt im Herbst zwei Jahre nach Anton Stach wieder einen deutschen A-Nationalspieler. Spült das starke Mainz-Momentum neue Kräfte zu Nagelsmann? Dass er auch kurzfristige Leistungen belohnt, hat der Bundestrainer schon mehrfach bewiesen.
Finn Dahmen, FC Augsburg
Das Momentum ist in der Bundesliga auch mit dem FC Augsburg. Nur Bayern und Leverkusen holten im Jahr 2025 mehr Punkte als die Fuggerstädter, die sogar die statistisch beste Abwehr in Europas Top-Ligen haben. Erst drei Gegentreffer hat der FCA kassiert, seit Finn Dahmen im Winter den Stammplatz von Nediljko Labrović zurückerobert hat. 91 Prozent der Torschüsse hat Dahmen laut Sport Bild in der Bundesliga pariert, ein absolut herausragender Wert.
„Im Moment beschäftige ich mich nicht mit dem DFB. Die Nationalmannschaft ist ein Traum von mir, dort will ich einmal hinkommen. Aber jetzt gilt der Fokus auf Augsburg – ich will so spielen, dass ich irgendwann wegen meiner Leistungen eingeladen werde“, sagt Dahmen dem Magazin. Der Keeper wird Ende März 27 – als DFB-Neuling?
Timon Wellenreuther, Feyenoord
Im Achtelfinale der Champions League werden etatmäßig nur zwei deutsche Torhüter zwischen den Pfosten der teilnehmenden Klubs stehen: Manuel Neuer beim FC Bayern und Timon Wellenreuther bei Feyenoord. Hierzulande ist der 29-Jährige wegen einer eher unglücklichen Zeit als Nummer 1 beim FC Schalke 04 in Erinnerung geblieben, im Ausland hat er sich jedoch zur festen Größe etabliert. Zuletzt glänzte Wellenreuther in der Königsklasse gegen die AC Mailand, in der nächsten Runde geht es gegen deren Stadtrivalen Inter.
„Als Sportler sollte man immer große Ziele im Leben haben. Das ist wichtig, um viel erreichen zu können. Aber die Nationalmannschaft ist nicht meine erste Priorität“, gibt sich Wellenreuther gegenüber Sport Bild bedeckt. Das Portal Transfermarkt führt übrigens nur einen deutschen Torhüter, der noch auf sein Länderspieldebüt wartet, mit einem höheren Marktwert als Wellenreuther.
Michael Zetterer, Werder Bremen
Die lautesten Rufe nach einem DFB-Debüt für einen Torhüter aus der Bundesliga gab es im Herbst rund um Werder Bremens Michael Zetterer. Dank seiner Spielstärke hat er dort schon lange mit Jiří Pavlenka eine echte Institution verdrängt, der Tscheche musste den Klub inzwischen verlassen. Das Momentum hat die Hanseaten derzeit verlassen. In der Jahrestabelle ist Bremen Schlusslicht, auch das Aus im DFB-Pokal gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld schmerzt gewaltig.
Zetterer bringt jedoch das Profil eines modernen Torhüters mit, auf das Nagelsmann großen Wert legt. Nicht von ungefähr kam im vergangenen Sommer sogar Interesse bei Manchester City auf, wo der gebürtige Münchner als Ersatz für Ortega im Visier war. Dass Zetterer im DFB-Blickfeld steht, ist auch kein Geheimnis mehr. Torwarttrainer Kronenberg stand Ende 2024 schon in Kontakt zum Werder-Schlussmann.
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U21-EM spielt für Nagelsmann vermutlich eine Rolle
Eine naheliegende Lösung sollte nicht unausgesprochen bleiben: Natürlich könnte Bundestrainer Nagelsmann mit Noah Atubolu den Stammkeeper der U21 zur A-Nationalmannschaft hochziehen. Allerdings findet im Sommer die EM in der Slowakei statt. Weil Atubolu, der sich beim SC Freiburg gut entwickelt, im wichtigsten Nachwuchsteam des DFB klar gesetzt ist und zu den Führungsspielern zählt, ist eher schwer vorstellbar (aber nicht ausgeschlossen) dass Nagelsmann ihn kurz vor dem Turnier zum A-Team beordert.
Perspektivisch wird Atubolu ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es um die Zukunft im DFB-Tor geht. Das Gleiche gilt für Jonas Urbig, der mit seinem Wechsel zum FC Bayern im Winter automatisch noch stärker ins Blickfeld rückt. Auch Diant Ramaj vom FC Kopenhagen könnte ein Thema werden, wenn die Leihgabe nach Rückkehr zu Borussia Dortmund auf höchstem Niveau spielen sollte.