VonDaniel Michelschließen
Die Trainerfindung des FC Bayern war chaotisch. Aber Vincent Kompany hat sich als Hauptgewinn entpuppt. Was macht ihn einzigartig?
München – Zwischen Frühjahr und Sommer 2024 artete die Trainersuche beim FC Bayern aus. Zahlreiche prominente Trainer lehnten eine Anstellung in München aus den verschiedensten Gründen ab. So scheiterten die Verhandlungen mit Trainern wie Xabi Alonso, Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann.
Andere Trainer, darunter Oliver Glasner und Unai Emery, erhielten keine Freigabe aus England, bevor der bereits entlassene Thomas Tuchel erneut in Betracht gezogen wurde. In dieser schwierigen Situation war Sportvorstand Max Eberl wirklich nicht zu beneiden.
Eberl zaubert Kompany aus dem Hut
Vincent Kompany wurde dann als Kandidat Nummer Sieben beim FC Bayern präsentiert. Eberl überraschte die Öffentlichkeit mit der Vorstellung des relativ unbekannten belgischen Trainers Vincent Kompany als Toplösung für den FC Bayern.
Zweifellos hatte Kompany als Spieler bei Manchester City auf höchstem Niveau gespielt und war Kapitän sowie der verlängerte Arm von Pep Guardiola. Doch sein Abstieg mit Burnley aus der Premier League und die verpasste Meisterschaft mit RSC Anderlecht in Belgien waren keine beeindruckenden Referenzen für eine Trainerstelle beim FC Bayern. Zumindest auf den ersten Blick.
Guardiola warb beim FC Bayern für Kompany
Kompany hatte jedoch einen bedeutenden Fürsprecher: Pep Guardiola. Der ehemalige Bayern-Trainer sprach nach Informationen von fussball.news, dem Fußballportal von IPPEN.Media, ausführlich mit Bayern-Patron Uli Hoeneß und Ex-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge über Kompany. Guardiola vermittelte die Botschaft, dass Kompany den FC Bayern problemlos führen könne.
Neun Monate nach seinem Amtsantritt zeigt sich, dass Vincent Kompany ein Glücksgriff für den FC Bayern ist. Zwar schieden die Münchner unglücklich im DFB-Pokal aus, doch die Deutsche Meisterschaft scheint mit einem Vorsprung von acht Punkten und nur noch neun verbleibenden Spieltagen nahezu gesichert.
Zusätzlich gab es einen beeindruckenden Erfolg in der Champions League, bei dem der nationale Herausforderer Bayer 04 Leverkusen mit einem Gesamtergebnis von 5:0 besiegt wurde.
FC-Bayern-Boss Dressen dankt Kompany
Nach dem Triumph gegen Leverkusen dankte FC-Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen seinem Trainer: „Die Statik im deutschen Fußball ist ein Stück weit wiederhergestellt.“ Kompany hat den FC Bayern zurück an die nationale Spitze geführt und das mit der Routine eines erfahrenen Trainers.
Von Anfang an prägte Kompany die Mannschaft mit seiner eigenen Handschrift: Offensivspektakel und physische Höchstleistungen. Dabei verließ er sich nicht nur auf einen Plan A.
Als im Herbst Kritik an der Defensivleistung laut wurde, verstärkte er das Mittelfeld und brachte mehr Stabilität ins Team. In der Bundesliga ließ er zuletzt sogar „Box defending“ trainieren, was der Mannschaft gegen Leverkusen ein 0:0 ermöglichte.
Kompany überrumpelte Leverkusens Startrainer Xabi Alonso mehrfach und coachte ihn aus. Im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales positionierte er Joshua Kimmich auf der halblinken Sechserposition, um Superstar Florian Wirtz aus dem Spiel zu nehmen. Die Reaktion der Leverkusener war pure Verzweiflung.
Eberl: Kompany macht Spieler des FC Bayern besser
Auch Max Eberl zollte Kompany Anerkennung. Der Sportvorstand betonte, dass Kompany viele Spieler wie Alphonso Davies wieder auf den richtigen Weg gebracht und verbessert habe. Eine Aufgabe, an der viele Trainer, wie man sich an Jürgen Klinsmann erinnert, gescheitert waren. Ob Musiala, Kimmich oder Davies: Kompany hat sie, mit Ausnahme von Leroy Sané, alle weiterentwickelt.
Kompanys größter Verdienst liegt jedoch im Teamgeist. Es gibt keine Anzeichen von Gruppenbildung oder Neid im Team. Vom „FC Hollywood“ ist nichts zu sehen, und kollektive Jubelläufe wie beim 3:1-Sieg in Stuttgart sind an der Tagesordnung. Der Trainer ist dabei mittendrin.
Zahlreiche Spieler loben Kompany für seine Kommunikation mit dem Team. Selbst Spieler, die schon abgeschrieben schienen, wie Leon Goretzka oder Eric Dier, erhielten im Laufe der Saison ihre Chance.
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Geschickter Umgang mit Medien
Auch im Umgang mit den Medien zeigt sich Kompany souverän. Er umgeht geschickt jede Fangfrage, oft mit einem Lächeln. Der 38-Jährige bleibt sympathisch, äußert aber auch, wenn ihm etwas missfällt. Öffentliche Kritik an seinen Spielern vermeidet er und glaubt stets an das Positive.
Hätte der FC Bayern einen Trainer nach Maß schnitzen können, wäre Vincent Kompany wohl das Ergebnis gewesen.
Das Trainergeschäft ist zwar schnelllebig. Einige Niederlagen könnten in München schnell die Stimmung kippen lassen. Doch der wahrscheinliche Meistertitel und der Erfolg in der Champions League bieten eine solide Grundlage für eine weiterhin stabile Zusammenarbeit zwischen dem FC Bayern und Vincent Kompany.
„Kandidat Nummer Sieben“ macht den FC Bayern eben so glücklich wie lange nicht mehr.
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