Ex-Bayern-Direktor Hörwick packt über brisanten Götze-Moment aus
VonDaniel Michel
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Markus Hörwick hat großen Anteil daran, dass der FC Bayern als Weltmarke gilt. Der frühere Medienchef verrät besondere Momente mit dem Rekordmeister.
München – Markus Hörwick gilt als großer Pionier der Pressearbeit im Sportbereich. Hörwick hat die Presseabteilung beim FC Bayern aufgebaut und den Verein zu einem täglichen Mediengroßereignis geformt. Der 68-Jährige gilt zudem als der Chefstratege des „FC Hollywood“ – die aktuelle ZDF-Dokumentation dazu erfreut sich großer Beliebtheit.
Der gebürtige Münchner Hörwick, der von 1983 bis 2016 die Medienabteilung führte, trägt den FC Bayern im Herzen – und was nur wenige über ihn wissen: Fast wäre er als Stürmer selbst Fußballprofi geworden.
Im exklusiven Interview mit fussball.news, dem Fußball-Portal von IPPEN.MEDIA, spricht Hörwick nun über seine Anfangszeit beim FC Bayern, er nennt seine persönlichen Highlights mit dem Klub – und er verrät, dass ihn eine Situation mit Mario Götze bis heute besonders ärgert.
Herr Hörwick, wenn Sie an das Jahr 1983 und Ihren ersten Arbeitstag als Pressesprecher beim FC Bayern zurückdenken: Was hätten Sie gerne schon gewusst, um auf die Herausforderungen noch besser vorbereitet zu sein?
Puh, schwer zu sagen. Wir hatten damals die erste Pressestelle im gesamten Fußball überhaupt. Der DFB hatte noch keine Medienabteilung, die Bundesliga nicht – nicht mal die Engländer. Der FC Bayern hat damals also wirklich Pionierarbeit geleistet – und ich hatte ein ‚unbeackertes Feld‘ vor mir.
Die ersten Schritte waren dann: auf die Medien zugehen, ihnen Türen öffnen, Möglichkeiten bieten für eine permanente, tägliche Berichterstattung. Und das wiederum hat dem Klub und seinen Fans gutgetan. Der FC Bayern wurde zum Medien-Ereignis.
Sie waren damals 28 Jahre alt. In einer idealen Welt wären Sie selbst mit Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner auf dem Feld gestanden. Sie spielten einst in der Jugend des FC Bayern. Wie verlief Ihre Fußballkarriere, bevor Sie Journalist bei der Bild-Zeitung und PR-Mitarbeiter bei adidas wurden?
(lacht) Trainerlegende Tschik Čajkovski hatte damals mal gesagt: ‚Dich hätte ich zu einem zweiten Gerd Müller gemacht …‘
Ich war nicht der Schnellste, aber ich stand halt immer da, wo ein Stürmer zu stehen hatte, machte 50 bis 70 Tore pro Saison. Vielleicht hätte es für die 2. Liga gereicht. Aber da verdiente man damals noch nichts und verlor nur die Zeit, um vernünftig zu arbeiten. Ich hab‘ mich für den Sportjournalismus entschieden. Und Paul Breitner behielt seinen Stammplatz …
Derzeit sorgt die ZDF-Dokumentation „FC Hollywood“ für Begeisterung. Welche Reaktionen haben Sie erhalten – und hat sich Mario Basler Ihnen gegenüber erkenntlich gezeigt? Sie haben ihn davon abgehalten, an einem fingierten Poker-Abend teilzunehmen!
Und so ist das wirklich damals gewesen? Das gibt‘s ja nicht. Unglaublich!
Die Doku ‚FC Hollywood‘ ist durch die Decke gegangen, sie ist mit sechs Millionen Aufrufen in der ZDF-Mediathek inzwischen die erfolgreichste Sport-Doku Deutschlands. Die Reaktionen waren entsprechend: egal ob ältere Semester oder Jugendliche, immer wieder kommt die Frage: ‚Und so ist das wirklich damals gewesen? Das gibt's ja nicht. Unglaublich!‘ Ja, das war's wirklich.
Ich möchte eigentlich nur noch ergänzen: Auch wenn's nicht so ausgesehen hat – a bisserl Fußball gespielt haben wir aber schon auch noch. Und zu Mario Basler: sein Dank gehört der Münchner Polizei, ich war nur der Vermittler.
Pressesprecher – und später Mediendirektor – des FC Bayern klingt nach einem Traumjob. Aber auch nach einer Menge Druck. Wie sind Sie damit umgegangen?
Otto Rehhagel hat als Trainer des FC Bayern mal den Satz geprägt: ‚Wenn Du bei Bayern einen Vertrag unterschreibst, dann weißt Du, was auf Dich zukommt.‘ Das galt und gilt auch heute noch für alle.
Der FC Bayern und sein Umfeld sind immer noch eine Nummer größer als anderswo, eine Mammutaufgabe, 20 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Aber es gibt keinen zweiten Klub, bei dem es so viel Freude macht zu arbeiten. Wenn Du am Ende einer Saison – in der Regel (schmunzelt) – ein oder zwei Titel gewonnen hast, weißt Du, wofür Du es getan hast und die Anstrengung ist vergessen.
Der Begriff ‚FC Hollywood‘ steht für Entertainment, aber auch für Konflikte. Zu kurz kommt der Mut des FC Bayern in der damaligen Zeit, ein Ensemble aus einzigartigen Charakteren zusammengestellt zu haben. Würden Sie sich im modernen Fußball wieder mehr solcher Charaktere wünschen?
Natürlich, weil Fußball Teil der Unterhaltungsbranche ist. Aber das ist heute unmöglich geworden. Keine Chance. Die Öffentlichkeit und die Medienlandschaft lassen sowas nicht mehr zu. Stellen Sie sich doch mal vor, wenn es bei dieser Truppe damals schon Internet und Social Media gegeben hätte …
Nein, das können wir uns nicht mal vorstellen, unmöglich. Aus gutem Grund sind Spieler heute in der Öffentlichkeit zurückhaltender und vorsichtiger geworden. Schade, aber ‚überlebensnotwendig‘.
An Aufregern hat‘s bei Bayern nie gemangelt
Sie haben bis 2016 insgesamt 33 Jahre die Medienabteilung des FC Bayern geführt. Welche persönlichen Highlights fallen Ihnen sofort ein?
Die aufregendsten vier Tage, die dieser FC Bayern je erlebt hat: 2001, als wir in Hamburg in der 94. Minute Deutscher Meister und nur vier Tage später im Elfmeterschießen in Mailand nach 25 Jahren wieder Champions-League-Sieger wurden.
Aber auch das dramatisch verlorene Europacup-Finale 1999 in Barcelona gegen Manchester United. Und natürlich Trapattonis berühmte ‚Flasche leer‘-Pressekonferenz. An Aufregern hat's bei Bayern nie gemangelt.
Gibt es auch eine Sache, an die Sie sich ungern zurückerinnern?
Oh ja, ich mag mich gar nicht mehr daran erinnern: 2013, Mario Götze wird als Bundesliga-Sensations-Transfer beim FC Bayern vorgestellt. Fünf TV-Sender sind live drauf – und Mario sitzt im T-Shirt von adidas-Konkurrent Nike auf der Bühne.
Ich ärgere mich heute noch darüber. Ich war verantwortlich für diese Pressekonferenz, ich hätte es verhindern müssen. Nike hat es damals mit einem unglaublichen Trick geschafft, uns gewaltig über den Tisch zu ziehen.
Nun arbeiten Sie seit fast einem Jahrzehnt als selbständiger Medienexperte, Medienmanager und Berater für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch halten Sie Vorträge an Universitäten und bei Konzernen. Was ist Ihre Kernbotschaft?
Dass trotz aller Technik, mit der wir inzwischen alle arbeiten, immer noch der Mensch das Wichtigste ist. Auf Menschen zuzugehen, miteinander sprechen anstelle von E-Mail und WhatsApp, das Vertrauen von Menschen gewinnen, sie motivieren und wie man gemeinsam mit Kollegen ein erfolgreiches Team bildet: DAS bringt dauerhaften Erfolg. Nichts anderes.