Top-Transfer der Vorsaison

Vom schockierten BVB-Star zum heimlichen Boss – so wichtig ist er für Niko Kovač

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Er stieß letztes Jahr zum BVB und war wohl erschüttert von der Disziplin. Heute ist er der heimliche Boss und wichtigste Mann für Coach Niko Kovač.

Dortmund – Schlagzeilen rund um den Transfermarkt dominieren die öffentliche Wahrnehmung bei Borussia Dortmund, und nicht selten ist die Kritik dieser Tage groß. Doch während über potenzielle Neuzugänge und Abgänge debattiert wird, lohnt sich ein Blick auf die vergangene Saison.

Da gelangen den aktuell so kritisch gesehenen BVB-Verantwortlichen einige gute Griffe. Die meisten reden dabei über Toptorjäger Serhou Guirassy, doch für die Statik und die Kultur der Mannschaft war ein anderer kaum weniger wichtig: Pascal Groß ist so etwas wie der stille Chef beim BVB geworden.

Um langfristig erfolgreich zu werden und die leidige Debatte über Mentalität zu beenden, braucht der BVB Anführer, die vorangehen. Groß tut genau das – nur eben auf seine eigene, unaufgeregte Art. Seine Autorität gründet sich nicht auf laute Kommandos, sondern auf drei Säulen, die ihn zum heimlichen Machtzentrum im Team machen.

Der Kulturschock beim Wechsel aus der Premier League zum BVB

Die erste Säule seiner Macht ist seine Professionalität. Wie Sport Bild berichtet, soll Groß nach seinem Wechsel von Brighton & Hove Albion „erschüttert“ über die Trainingsmoral einiger neuer Kollegen beim BVB gewesen sein. Sieben Jahre in der intensivsten Liga der Welt hatten ihn geprägt. Seine Reaktion darauf war entscheidend: kein öffentliches Lamento, sondern Taten. Er lebte die aus England gewohnte Intensität vor und setzte so einen neuen Standard im Training.

Dass der älteste Profi im Kader gleichzeitig eine Art Laufwunder ist, hat bei den Kollegen Eindruck hinterlassen.

Sein ehemaliger Trainer bei Brighton, Roberto De Zerbi, adelte ihn schon in Brighton als „einen der besten Spieler, die ich in meiner Karriere hatte“ und verriet: „Das Geheimnis von Brighton sind Spieler wie Pascal“. Dort wurde Groß übrigens ehrfurchtsvoll „Der Kaiser“ genannt. Die Mentalität importierte Groß nach Dortmund und wurde so zum Taktgeber, dessen Beispiel mehr wiegt als tausend Worte.

Serhou Guirassy und Pascal Groß sind für BVB-Trainer Niko Kovač unersetzliche Größen.

Einer der wichtigsten Ansprechpartner für BVB-Trainer Niko Kovač

Die zweite Säule ist das uneingeschränkte Vertrauen von Trainer Niko Kovač. Der Coach, bekannt für seinen Fokus auf Disziplin und Arbeitsethos, fand in Groß den perfekten verlängerten Arm. Kovač bezeichnete ihn öffentlich als „Führungsspieler, an dem sich andere orientieren“. Eine klare Ansage an den Rest des Kaders.

Intern geht diese Verbindung laut Sport Bild sogar noch tiefer. Groß gehöre neben Kapitän Emre Can und Vize Nico Schlotterbeck zum „Geheimrat des Trainers“, wird aber als „der Wichtigste für Kovač“ in diesem Trio beschrieben. Die strategische Allianz verleiht Groß eine Macht, die über offizielle Ämter hinausgeht. Er ist der erste Ansprechpartner und der Garant für die Umsetzung der Trainer-Philosophie auf dem Rasen.

Groß zeigt beim BVB Führung durch Spielintelligenz

Letztlich wird Autorität auf dem Platz verdient. Die dritte Säule von Groß‘ Status ist seine überragende taktische Intelligenz. Er ist das Gehirn des BVB-Spiels, ein echter Mittelfeldstratege, der das Tempo diktieren kann und durch seine Übersicht besticht. Seine Fähigkeit, das Spiel zu lesen und seine Mitspieler in Szene zu setzen, macht ihn zum logischen Orientierungspunkt.

Das ist in mancher Hinsicht sogar messbar. In der vergangenen Bundesliga-Saison zählte er bei schusserzeugenden Aktionen und progressiven Pässen zur absoluten Ligaspitze. Er führt nicht durch laute Worte, sondern indem er konstant die richtige Entscheidung trifft. Ein Verhalten, das ihm den Respekt seiner Kollegen sichert und mancherorts sogar den Spitznamen des „spielenden Co-Trainers“ einbringt.

BVB-Chef Groß braucht keine Binde

Was bedeutet das für die Zukunft? Pascal Groß, mittlerweile 34 Jahre alt und mit einem 2026 auslaufenden Vertrag, wird gewiss keine langfristige Ära als Profi beim BVB prägen. Selbst die Berufung zum stellvertretenden Kapitän wäre vor dem Hintergrund seiner Situation eher überraschend.

Doch das braucht es auch gar nicht. Der stille Chef benötigt kein offizielles Amt, um seinen Einfluss geltend zu machen. Seine Autorität basiert auf Kompetenz und Vorbildfunktion.

Es passt ins Bild, dass Experten ihm nach der aktiven Laufbahn eine große Trainerkarriere zutrauen. Er ist ein Spieler, der den Fußball denkt und lebt. Für Borussia Dortmund könnte Pascal Groß so auch über seine Zeit als Kicker hinaus ein wertvoller Baustein für die Zukunft werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO

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