VonLars Pollmannschließen
Transfer-Pleite für den BVB in Sicht: Dortmunds Taktieren bei einem Wunschspieler ermöglicht RB Leipzig den Zuschlag. Viele Fans sind erbittert.
Dortmund – Das Transferkarussell ist oft unberechenbar und brutal schnelllebig. Bei Borussia Dortmund schien in der Causa Carney Chukwuemeka alles auf ein Geduldsspiel hinauszulaufen, wie Absolut Fussball, das Fußballportal von Home of Sports, noch am Dienstagnachmittag (22. Juli) berichtete.
Der BVB wähnte sich in einer passablen Position, da der Markt für den vom FC Chelsea zum Verkauf stehenden Mittelfeldspieler nicht wie erhofft in Bewegung kam. Eine erneute Leihe, die dem BVB vorschwebt, kam da als Lösung später im Transferfenster durchaus infrage.
Doch die Wende folgte wenige Stunden später: Wie unter anderem Sky berichtete, steht Chukwuemeka ausgerechnet bei RB Leipzig auf dem Zettel.
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Die Stimmung beim BVB ist angespannt
Dieser drohende Wechsel zum direkten Konkurrenten und regelrechten Hassobjekt vieler Fans ist für die Verantwortlichen des BVB eine maximal unglückliche Fügung. Er ist aber auch das direkte Resultat einer riskanten Strategie und könnte für die ohnehin schon angespannte Stimmung im BVB-Umfeld der sprichwörtliche Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Die Sachsen scheinen auch deshalb gute Karten zu haben, weil Chelsea im Gegenzug an Leipzigs Star Xavi Simons interessiert ist. Ein Deal, der die Dortmunder Verantwortlichen als passive Zuschauer zurücklassen würde. Und das in einer Situation, in der kurz vor dem Trainingsauftakt mit Jobe Bellingham und Ersatzkeeper Patrick Drewes weiter nur zwei externe Neuzugänge feststehen.
Der Transferstau ist beim BVB aktuell das größte Gesprächsthema.
Geduldsspiel mit hohem Einsatz: BVB verzockt sich
Die Ausgangslage bei Chukwuemeka war von Beginn an ein Ritt auf der Rasierklinge. Der BVB wollte den in der Rückrunde ausgeliehenen Mittelfeldspieler grundsätzlich halten, das Potenzial des 21-Jährigen ist schließlich unbestritten. Gleichzeitig scheute Dortmund aber das finanzielle Risiko. Eine Kaufoption im Bereich von 30 bis 35 Millionen Euro war den Bossen aufgrund der hohen Verletzungsanfälligkeit des Spielers zu teuer. Man pokerte, hoffte auf eine weitere Leihe mit reduzierter Kaufoption für den Sommer 2026.
Dieses Zögern, obwohl durch den Verkauf von Jamie Gittens an Chelsea sowie die ordentliche Leistung bei der FIFA Klub-WM finanzielle Mittel vorhanden sind, und die Drähte zwischen Dortmund und London ohnehin glühen, könnte sich nun als strategische Fehleinschätzung erweisen.
Der BVB hat offenbar die Marktdynamik und den unbedingten Verkaufswillen von Chelsea, die Transfereinnahmen generieren müssen, um selbst weiter investieren zu können, falsch bewertet. Das Risiko, dass ein potenter Konkurrent die Situation ausnutzt, wurde sehenden Auges in Kauf genommen.
Die Fan-Seele kocht beim BVB
Bei den Fans reißt jetzt endgültig der Geduldsfaden. In den Foren ist die Fassungslosigkeit groß und die Kritik an der sportlichen Führung um Sebastian Kehl und Lars Ricken an Schärfe kaum zu überbieten.
Ein Nutzer bringt die strategische Fehleinschätzung auf den Punkt: „Wieso hat man Chukwuemeka nicht in den Gittens-Deal eingebunden, wenn man ihn sowieso will? Dass Chelsea sich nun querstellt, sollte niemanden wundern.“ Das Vorgehen wird von anderen sogar als „vereinsschädigend“ gebrandmarkt.
Die Kritik geht aber weit über diesen Einzelfall hinaus. Ein anderer Fan fasst die wahrgenommene Passivität in einem vernichtenden Urteil zusammen: „Es wird nur reagiert und auf Optionen gewartet, die irgendwo vom Laster fallen. 0 Plan, 0 Initiative. Inkompetente sportliche Leitung Jahr für Jahr.“ Dieses Gefühl der Planlosigkeit wird von vielen geteilt, die Kehl vorwerfen, dass er „bei gefühlt jedem vielversprechenden Spieler zu spät dran ist, zu zögerlich agiert oder schlichtweg keinen Plan B hat“.
„Mal ehrlich – ich hab echt keinen Schimmer, wie man Kehl heutzutage noch irgendwie verteidigen will. Da fehlt mir jegliches Verständnis“, heißt es in einem besonders harten Fan-Urteil zum Sportdirektor des BVB, der kaum noch vom Kredit zehren kann, den er als ehemaliger Kapitän von Dortmund eigentlich genießen dürfte.
Der Kern der Kritik trifft dabei nicht nur das laufende Transferfenster, sondern die grundlegende Philosophie. Ein Anhänger formuliert es drastisch: „Der eigentliche kapitale Fehler von Kehl ist, dass er offensichtlich die Bedeutung von technisch versierten, kreativen Spielern völlig unterschätzt.“ Ein anderer Fan bringt die Stimmungslage perfekt auf den Punkt: „Woher soll das Vertrauen kommen?“
Kehl und Ricken unter Zugzwang: Es braucht jetzt Antworten
Der Druck auf die sportliche Leitung ist also immens. Sollte der Deal zwischen Chelsea und Leipzig über die Bühne gehen, wäre es eine weitere empfindliche Niederlage auf dem Transfermarkt, die das Vertrauen in die Handelnden weiter erodieren lässt.
Die Meinung der Fans ist eindeutig: Die Zeit des Abwartens und Zögerns muss vorbei sein. Kehl und Ricken müssen ihre Strategie grundlegend überdenken und jetzt endlich liefern.
Um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen und die Fans wieder einzufangen, müssten die Verantwortlichen schon sehr überzeugende Deals präsentieren. Gelingt dies nicht, droht die Unruhe im Umfeld die neue Saison von Beginn an schwer zu belasten.
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