Vor deutschem Klassiker: Hamann begeistert vom BVB und skeptisch bei Bayern
VonPeter Grad
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Ex-FCB-Spieler Didi Hamann kann sich vorstellen, dass der Rekordmeister im Titelkampf noch einmal zittern muss, vom Rivalen aus Dortmund zeigt er sich sehr angetan.
In seiner Sky-Kolumne schwärmt TV-Experte Hamann von der aktuellen Form der Borussen. Dagegen sieht er beim FC Bayern in den nächsten Wochen ausgerechnet darin einen Nachteil, dass sich der Rekordmeister – wie erhofft – durch den zweiten Tabellenplatz in der Champions-League-Ligaphase die Zwischenrunde mit zwei zusätzlichen englischen Wochen erspart hat.
Mit dem 2:0-Heimsieg im Playoff-Hinspiel gegen Atalanta Bergamo stehen die Chancen des BVB laut Hamann bestens, wieder ins Achtelfinale einzuziehen und die lediglich sechs Punkte Rückstand in der Bundesliga auf den FC Bayern eröffnen für ihn auch dort alle Möglichkeiten. Der 52-Jährige nennt seine Pro-Dortmund-Argumente: „Sie haben Wille, Glaube, Herz, Leidenschaft und auch Widerstandsfähigkeit. All das, was man ihnen immer abgesprochen hat. Die ganze Diskussion um den schönen Fußball kann ich nicht nachvollziehen. Sie spielen erfolgreichen Fußball, und das ist das Wichtigste.“
Hamann beeindruckt von BVB-Spielern
Nationalspieler Nico Schlotterbeck hält der Ex-Nationalspieler für einen „wichtigen Spieler“, obwohl sein Fehlen bislang hervorragend kompensiert werden konnte, gegen Atalanta durch den 18-jährigen Luca Reggiani: „Der Junge läuft mit, spielt mit, das ist erstaunlich und bemerkenswert. Es wird viel zu wenig wertgeschätzt, was beim BVB gerade passiert.“
Den Ex-Stuttgarter Waldemar Anton, der sich in Dortmund „zum Führungsspieler entwickelt“ hat, lobt Hamann besonders: „Das hat letztes Jahr schon angefangen, als Schlotterbeck in der Endphase der Saison gefehlt hat. Anton macht einen wunderbaren Job und ist einer der Garanten für den Dortmunder Höhenflug.“ Auch Julian Ryerson und Felix Nmecha, der im DFB-Team für den TV-Experten in die Startelf gehört, seien „Erfolgsganten“ des BVB.
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Dann blickt Hamann auf den deutschen Klassiker am 28. Februar im Signal Iduna Park: „Dortmund hat in den letzten beiden Spielen gegen Mainz (4:0) und Bergamo sehr effizient gespielt. Das ist in dieser Phase der Saison und vor dem Duell gegen den FC Bayern unheimlich wichtig.“
Als kleine Einschränkung: „Natürlich kann innerhalb einer Woche alles vorbei sein, wenn du in Leipzig verlierst und in Bergamo ausscheidest. Wenn du aber am Samstag gewinnst und in der Champions League weiterkommst, gehst du mit breiter Brust in den Klassiker“, macht der 59-fache Nationalspieler dem BVB dennoch Mut.
Hamanns angeblicher Bayern-Nachteil überrascht
Bei seinem Ex-Verein in München entdeckt der 52-Jährige einen überraschenden Nachteil: „Die Bayern haben sich die Playoffs in der Champions League gespart und konnten sich etwas ausruhen, aber auf der anderen Seite ist es vielleicht sogar besser, wenn du im Rhythmus bleibst. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass die Pause ein Vorteil für sie ist. Die Bayern sind es eigentlich gewohnt, alle drei Tage zu spielen, am Samstag gegen Frankfurt wird es auch nicht einfach.“
An der Säbener Straße wird man diese Einschätzung mit etwas Verwunderung zur Kenntnis nehmen, ebenso wegen Hamanns erneuten „Bedenken“ gegenüber Jonas Urbig, der Manuel Neuer in den nächsten Spielen vertreten wird. Beim Rekordmeister hat man wie immer größtes Vertrauen in den 22-Jährigen. Chefcoach Vincent Kompany hat dies auf der Spieltags-PK vor dem Heimspiel gegen die Eintracht erneut bestätigt.
Auch zum anstehenden CL-Achtelfinale, in dem er neben dem BVB auch Bayer Leverkusen nach dem 2:0-Sieg in Piräus sieht, hat Hamann schon eine Meinung. Beide sieht er weder gegen den FCB noch gegen den FC Arsenal, den englischen Tabellenführer und Gewinner der CL-Ligaphase, „chancenlos“.