Warum findet das Champions-League-Spiel des FC Bayern in Gelsenkirchen statt?
VonNiklas Kirk
schließen
Am sechsten Spieltag der Elite-Liga spielt der FC Bayern gegen Schachtar Donezk. Die Ukrainer sind gezwungen, ihre Heimspiele im Exil auszutragen.
München – Die Zielsetzung ist klar: Mit einem Sieg gegen Schachtar Donezk will der FC Bayern am Dienstag (10. Dezember) einen weiteren Schritt in Richtung Platz 8 der Champions-League-Tabelle machen, um die direkte Qualifikation für das Achtelfinale zu sichern. Statt in die Ukraine führt der Weg für die Mannschaft von Vincent Kompany jedoch nach Gelsenkirchen.
Zurück „auf Schalke“ – erstes Bayern-Gastspiel seit 2022
Die letzte Dienstreise in die Schalker Arena liegt bereits eine Weile zurück. Im November 2022 spielten die Münchner zuletzt bei Schalke 04. Am Ende der Saison stiegen die Königsblauen – jahrelang selbst Gastgeber bei Champions-League-Duellen – in die zweite Liga ab. Da sie seitdem nicht zurückgekehrt sind, ist auch der große Fußball seitdem aus der 260.000-Einwohner-Stadt verschwunden.
Diese Saison stellt jedoch ein Novum dar: Die Königsklasse ist zurück, denn Schachtar Donezk hat für seine Heimspiele als Untermieter die Arena bezogen. Grund dafür ist der andauernde russische Angriffskrieg im Heimatland des Vereins.
Keine Heimspiele seit zehn Jahren: Heimatstadt von Schachtar annektiert
Die Geschichte von Schachtar zeigt sich dabei nochmals verheerender als die anderer ukrainischer Clubs. Da die Stadt bereits seit 2014 de facto annektiert ist und als Hauptstadt der „Volksrepublik Donezk“ firmiert, ist der Club bereits seit zehn Jahren aus seinem angestammten Zuhause vertrieben.
Die Heimpartien der nationalen Premjer-Liha trägt der Club seitdem in Kiew und im westukrainischen Lwiw aus. Aus Sicherheitsgründen sind dort maximal 1.500 Zuschauer zugelassen.
An Europacup-Heimspiele ist im kriegsgebeutelten Land jedoch nach wie vor nicht zu denken, weshalb die ukrainischen Mannschaften sich übergangsweise in anderen europäischen Staaten für internationale Pflichtspiele niedergelassen haben. So trug Schachtar seine Heimspiele der Champions-League-Saison 2023/2024 im Hamburger Volksparkstadion aus. In der Millionenstadt ohne eigenen Europapokalteilnehmer freute man sich über etwas fußballerischen Glanz und Einnahmen in Millionenhöhe.
„Starke Unterstützung durch die Einheimischen“ - Schachtar freut sich über Heimspiele in Deutschland
Zu dieser Spielzeit erfolgte jedoch der Umzug nach Schalke. Beide Clubs – Schachtar und der FC Schalke – zeigen sich zufrieden mit dem Engagement, das eine solide Infrastruktur für die einen und Zusatzeinnahmen für die anderen bringt. Alles ausgeschmückt mit dem Verweis auf die gemeinsame Bergbau-Vergangenheit beider Regionen.
„Wir sind stolz, dass wir Schachtar Donezk unterstützen und unser Stadion als Spielort für die Partien in der Königsklasse zur Verfügung stellen können. Darüber hinaus bietet das Mietverhältnis auch auf wirtschaftlicher Ebene einen Mehrwert für unseren Klub“, kommentierte Matthias Thillmann, Vorstandsvorsitzender der Königsblauen.
Champions-League-Sieger seit 1992/93 – bekommen Sie noch alle zusammen?
Auch Schachtar-Generaldirektor Sergei Palkin zeigt sich glücklich darüber, mit dem Team in Deutschland verbleiben zu können: „Wir freuen uns, dass wir unsere Spiele in der UEFA Champions League in einem der besten Stadien Deutschlands austragen können. Die positiven Erfahrungen der letzten Saison zeigen, dass Schachtar eine starke Unterstützung durch die Fans in diesem Land hat – sowohl durch die Einheimischen als auch durch die ukrainischen Flüchtlinge.“
Vor Bayern-Gastspiel in Gelsenkirchen: Ärger um hohe Eintrittspreise
Das Gastspiel der Bayern hatte jedoch eine kontroverse Vorgeschichte. Gesalzene Eintrittspreise brachten die Fans auf die Barrikaden, was in einen Boykottaufruf mündete.
Letztendlich kamen die Gastgeber den Forderungen der Anhänger entgegen und senkten die Preise – wohl auch mit Blick auf mögliche Einnahmeausfälle. Gelder aus der Champions League, von TV-Einnahmen bis zu Eintrittskarten, bieten dem Club in seiner Situation ein wertvolles wirtschaftliches Standbein.
Der FC Bayern dürfte den bisherigen Zuschauerschnitt zudem deutlich nach oben schrauben, auch wenn dies am Dienstag eine Übermacht der Bayern-Anhänger bedeutet. Zu den vorherigen Spielen in Gelsenkirchen kamen gegen Atalanta Bergamo lediglich 21.363 Zuschauer, gegen die Young Boys aus Bern gar nur 17.420. Auf eine Partie mit Heimspielatmosphäre wird der ukrainische Verein somit noch auf unbestimmte Zeit warten müssen. (nki)