Werder-Niederlage gegen FCB

Sensation verpasst - trotzdem stolz: Wie Werder Bremen mit der DFB-Pokalfinal-Niederlage gegen den FC Bayern umgeht

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Die Sensation verpasst und trotzdem stolz: Wie die Frauen des SV Werder Bremen mit der DFB-Pokalfinal-Niederlage gegen den FC Bayern München umgehen. Die Reaktionen zum Spiel.

Köln – Larissa Mühlhaus hatte soeben für den schönsten Treffer des Tages gesorgt. Ein Freistoß, präzise in den Winkel gezirkelt. Völlig zu Recht ließ sich die 22-Jährige dafür feiern – um nur wenige Augenblicke später enttäuscht gen Boden zu sinken und die Hände vors Gesicht zu schlagen. Die Mittellinie hatte die Stürmerin des SV Werder Bremen noch gar nicht erreicht, da war das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München beendet, abgepfiffen, vorbei – und die 2:4 (1:2)-Niederlage der Bremerinnen besiegelt. Die Szene mit Mühlhaus, am Ende stand sie sinnbildlich für den gesamten Werder-Nachmittag im Kölner RheinEnergie-Stadion, wo die Mannschaft von Trainer Thomas Horsch alles investiert und auch für so manch Höhepunkt gesorgt hatte, unter dem Strich aber verdient leer ausging.

Zwischen Enttäuschung, Frust und Stolz: Wie die Frauen des SV Werder Bremen mit ihrer Niederlage im DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern umgehen.

Werder Bremens Frauen verlieren gegen den FC Bayern im DFB-Pokal-Finale: „Ich hätte gerne von einer Sensation erzählt“

„Jetzt sitze ich hier und muss die Geschichte erzählen, die ich eigentlich nicht so gerne erzählen wollte“, sagte Thomas Horsch zu Beginn der Pressekonferenz nach dem Spiel, „denn ich hätte gerne von einer Sensation gesprochen“. Die wäre es ohne Frage gewesen, hätte der SV Werder Bremen den großen Favoriten und frisch gebackenen Deutschen Meister aus München in die Knie gezwungen. Möglich war das jedoch nicht, der Gegner war schlicht zu stark. „Es ist vollkommen in Ordnung, dass der DFB-Pokalsieger Bayern München heißt“, hielt Horsch fest, erklärte, dass er deshalb „ein kleines bisschen Traurigkeit“ sei – und kam zum eigentlichen Kern seines Statements: Dem Stolz auf das eigene Team.

„Wir haben Mut und Widerstandsfähigkeit gegen diesen übermächtigen Gegner bewiesen und haben die Bayern sogar kurz ins Wanken gebracht“, betonte Thomas Horsch, dessen Mannschaft kurz vor dem Pausenpfiff plötzlich zurück war in einem Spiel, das so manch Beobachter zu diesem Zeitpunkt schon als entschieden betrachtet haben mochte. Durch Tore von Lea Schüller (6.) und Carolin Simon (30.) waren die Münchnerinnen mit 2:0 in Führung gegangen, Werder Bremen (hier geht‘s zum Liveticker gegen den 1. FC Köln) wehrte sich zwar nach Kräften, spielte phasenweise mutig nach vorn und setzte Nadelstiche, wurde hinten aber eiskalt bestraft. Kurz vor dem Pausenpfiff war es dann Rieke Dieckmann, die ihre Mannschaft urplötzlich zurück ins Spiel schoss. „Ich habe einfach nur gedacht: Jetzt leben wir wieder!“, gab die Torschützin später zu Protokoll. Ein Gefühl, das in der Pause die gesamte Bremer Kabine ergriff.

Werder Bremens Frauen unterliegen dem FC Bayern im DFB-Pokal-Finale - „Es überwiegt zu 100 Prozent der Stolz“

„In der Kabine hatten die Spielerinnen den Glauben daran, dass noch etwas gehen kann“, berichtete Horsch. „Wir wussten vorher, dass wir nicht zehn bis 20 Chancen bekommen, sondern nur zwei, drei. Und wenn du davon eine nutzt, gibt das Selbstvertrauen.“ Entsprechend engagiert kam Werder Bremen zurück auf den Platz, lief den Gegner hoch an – kassierte hinten aber erneut zwei Gegentreffer. Die überragende Lea Schüller erhöhte per Doppelschlag auf 4:1 für den FC Bayern (65./79.), womit das Finale entschieden war. Angetrieben von frenetisch feiernden Bremer Fans, die für eine beeindruckende Kulisse sorgten und akustisch klar die Oberhand hatten, warf Werder aber nochmal alles nach vorne und wurde dafür letztlich durch den späten Freistoß belohnt, den Mühlhaus gefühlvoll veredelte. Kurz darauf war Schluss. Während bei den Bayern umgehend die große Party losging, herrschte bei Werder wenig überraschend die Enttäuschung vor. Allerdings nicht lange.

„Es überwiegt zu 100 Prozent der Stolz“, sagte die starke Bremer Torhüterin Livia Peng in den Katakomben des RheinEnergie-Stadions. „Wir sind ein super Team. Es ist einfach schön, dass wir es ins Finale geschafft haben.“ Torschützin Dieckmann hielt fest, „dass wir nicht nur ein Endspiel verloren, sondern auch eine Silbermedaille gewonnen haben“. Quasi als Abschiedsgeschenk für Trainer Thomas Horsch, der nach den verbleibenden zwei Bundesligaspielen aus dem Amt scheidet. Wohin sein Weg ihn führt? Ist nach wie vor offen. Was seiner Noch-Mannschaft Werder Bremen die Endspielteilnahme für die Zukunft bringt, weiß der 56-Jährige dafür genau: „Auf jeden Fall Muskelkater.“ Etwas ernsthafter hielt er dann fest: „Das Spiel heute war ein schöner Abschluss einer richtig geilen Pokalreise, die wir in dieser Saison absolviert haben. Das kann uns keiner mehr nehmen.“ (dco)

Rubriklistenbild: © gumzmedia / IMAGO / kolbert-press

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