Schon 22 Scorerpunkte

„Wird mich auch noch Nerven kosten“: Der Risikospieler der Eintracht

  • schließen

Hugo Ekitiké gehört seit einem Jahr zu Eintracht Frankfurt. Sein Trainer Dino Toppmöller hat oft Freude an dem Stürmer, der allerdings auch seine Grenzen auslotet.

Frankfurt – Wer Hugo Ekitiké nach den Partien in der Mixed Zone – im Bereich, wo die Profis und Verantwortlichen mit den Journalisten aufeinandertreffen – begegnet, der sieht zumeist einen schüchtern auftretenden Spieler. Der Profi von Eintracht Frankfurt schaut teilweise auf den Boden, im nächsten Moment aber wieder hellwach in die Gesichter der Fragesteller. Professionell, kein Lautsprecher, verbindlich, sympathisch – so trat der 22-Jährige in dem Jahr, in dem er bereits bei den Hessen ist, bei seinen öffentlichen Auftritten stets auf.

Ekitiké ist ein Gratwanderer bei der Eintracht

Wer auf das Instagram-Profil von „hekitike“ schaut, bekommt einen etwas breiter gefächerten Eindruck von dem Angreifer, der in 46 Pflichtspielen für die Eintracht an 28 Toren beteiligt war. Neben Jubelbildern und Videos von privaten Trainingseinheiten gibt er seinen durchaus extravaganten Modestil preis. Ekitiké ist ein Mann mit vielen Facetten. Und er weiß durchaus, wie er sich in Szene setzen und damit polarisieren kann.

Hugo Ekitiké lässt sich von seinen Teamkollegen feiern

So platzierte er in der Winterpause ein Posting, in dem er fleißig übte – allerdings im Trikot von BVB-Kumpel Jamie Gittens. Es gab durchaus einen Teil der Eintracht-Fans, die davon sehr wenig hielten. Bei den Frankfurtern selbst sah man allerdings intern keinen Grund zum Tadel. „So ist der Heki halt“, wurde dieses Thema milde lächelnd vom Tisch gewischt. Ekitiké ist eben auf und neben dem Platz ein Gratwanderer. Zwischen Genie und Wahnsinn!

Eintracht-Trainer Toppmöller muss bei Ekitiké auch einiges aushalten

Wer kann das besser beschreiben als Dino Toppmöller? „Wir werden noch viel Spaß an Hugo haben. Aber er wird mich auch noch Nerven kosten“, sagt der Trainer. Etwa dann, wenn er nach dem Führungstreffer im auswärtigen Stadion in Hoffenheim die gesamte Mannschaft dazu animiert, etwas provokanter vor dem Block der heimischen Anhänger jubeln zu müssen. Oder in Momenten, in denen er im Raum, wo man gefälligst nicht zum Dribbling ansetzen sollte, eben genau dies macht und das Leder vertändelt.

Und dennoch lässt sich ein Jahr nach der offiziellen Vorstellung am 7. Februar 2024 festhalten, dass Sportvorstand Markus Krösche ein richtig guter Fang gelungen ist. Die Hessen mussten ihn in den ersten beiden Monaten körperlich noch gewaltig aufpäppeln. Am 19. April platzte dann aber der Knoten, als Ekitiké einen Konter mit einer wunderbaren Einzelaktion abschloss und die Frankfurter mit 2:1 (Endstand 3:1) gegen den FC Augsburg in Führung brachte.

Ekitiké ist jetzt Stürmer Nummer eins bei der Eintracht

Toppmöller blickte zurück auf zwölf Monate Ekitiké bei der Eintracht: „Die Verpflichtung hatte mich extrem gefreut. Ich kannte Hugo schon länger und wusste um seine Qualitäten. Es war uns aber von Anfang an bewusst, dass es dauern wird, bis er in dem Zustand ist, in dem er uns helfen konnte.“ Der Coach zog deshalb auch kurz den Quervergleich zu Elye Wahi, der als Winterneuzugang aus Frankreich (kam von Olympique Marseille) ebenfalls körperliche Rückstände aufholen muss.

Doch zurück zu Ekitiké, für den die Eintracht im Gesamtpaket 20 Millionen Euro an Paris Saint-Germain überwiesen hat. „Er war am Ende der vergangenen Saison schon ein Faktor bei uns. Inzwischen kann er einen ganz anderen Rhythmus gehen“, lobte Toppmöller, der sich sicher ist, dass dem Stürmer Nummer eins der Eintracht die Verpflichtungen von Wahi und Last-Minute-Deal Michy Batshuayi guttun werden.

Begeisternde Doppelspitze mit Marmoush

Denn Ekitiké hatte bis zum 17. Spieltag mit Omar Marmoush eine begeisternde Doppelspitze gebildet. Mit seinem „Partner in Crime“ war er für die Gegenspieler kaum zu kontrollieren. Das Duo strahlte enorme Gefahr aus, die Gegner konnten sich schwerlich auf die Offensive der Frankfurter einstellen. Durch diese Unberechenbarkeit und verschiedenen Profile gab es Räume, „die sie grandios genutzt haben“. Ohne Marmoush traf Ekitiké zwar viermal in den darauffolgenden drei Pflichtspielen. Doch der zu Manchester City abgewanderte Ägypter hat zweifelsohne eine Lücke gerissen. Ekitiké brauche aber einen Spieler an seiner Seite, der Tiefgang habe und Bälle festmachen könne.

Dann wird der U21-Nationalspieler Frankreichs besonders wertvoll und kann sein gesamtes Potenzial entfalten. Gegen den VfL Wolfsburg hatte er ebenfalls wieder eine Szene, als er aus dem Nichts per Übersteiger und dynamischer Aktion in den Strafraum eingedrungen war und den Ball mit seinem eigentlich schwachen linken Fuß an das Lattenkreuz hämmerte. Das Gehäuse vor der heimischen Nordwestkurve wackelt möglicherweise auch heute noch.

Ekitiké hat seinen Karriereverlauf selbst in der Hand

Ekitiké wird Toppmöller auch in Zukunft mit großer Gewissheit noch das eine oder andere graue Haar kosten. Wie die Karriere des Angreifers verläuft? Es liegt in seiner eigenen Hand. Ekitiké ist großem Talent gesegnet. Er hat einen guten Körper, kommt auf einen Top-Speed von 35,53 km/h, ist beidfüßig, kann Kopfball, ist an guten Tagen extrem bissig im Zweikampf – so etwas nennt sich ein kompletter Stürmer. Je häufiger er den Gegner und je seltener er seinen Coach Nerven kostet, desto besser wäre es für die eigene Laufbahn. Wenn es um zukünftige Millionenverkäufe der Eintracht geht, ist Hugo Ekitiké einer der Akteure, die die Tradition fortsetzen können.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Grant Hubbs

Kommentare