Personaldebatten

Eintracht-Trainer Toppmöller mahnt Geduld an: „Müssen Ekitiké aufpäppeln“

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Brauchen Geduld: Eintracht-Trainer Dino Toppmöller (links) und der körperlich hinterherhinkende Stürmer Hugo Ekitiké.
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Eintracht-Zugänge suchen vor Bochum-Spiel ihre Topform - für den Teuersten, Hugo Ekitiké, ist‘s ein besonders weiter Weg.

Am vergangenen Sonntag wären Hugo Ekitiké beinahe die Muskeln auseinander geflogen - bildlich, versteht sich. Gesagt hat diesen Satz Dino Toppmöller, der Trainer Ekitikés beim Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, und ihn flankiert mit einer erstaunlichen Beschreibung vom körperlichen Zustand des Winterneuzugangs.

„Hugo hat Rückstand, das hat die Leistungsdiagnostik gezeigt. Es gibt die klare Empfehlung der Mediziner, dass wir bei ihm total aufpassen müssen“, so Toppmöller. Ekitiké sei ein „schnellkräftiger Typ“, weshalb besondere Gefahr bestehe, dass er sich bei hoher Belastung verletze. „Wir müssen ihn aufpäppeln.“

Am vergangenen Sonntag also, einen Tag nach der 0:2-Niederlage der Frankfurter beim 1. FC Köln, als Ekitiké sein Kurzzeitdebüt für die Hessen gab, ließ Toppmöller die Ersatzleute in einem internen Testspiel gegen die eigene U21 antreten. Das Ergebnis: Nach 45 Minuten meldete sich der Franzose beim Trainerteam und gab an, auf der letzten Rille unterwegs zu sein. Kurz drauf nahm ihn Toppmöller vom Feld. Das ist einerseits ein Stück weit nachvollziehbar, schließlich absolvierte der Franzose sein letztes Spiel für Ex-Klub Paris Saint-Germain am 12. August und übte zuletzt vier Monate lang nicht mehr mit dem Starensemble, auch ein Individualtraining gab es bei PSG nicht.

Eintracht-Trainer stellt sich vor Hugo Ekitiké

Andererseits ist es bemerkenswert, dass ein 21 Jahre junger Profi, kaum verletzt in seiner Karriere, angestellt bei einem der besten Klubs der Welt, Jahresgage rund sieben Millionen Euro, zudem sich auf Vereinssuche befindend, nicht dazu in der Liga ist, seinen Körper, sein Hab und Gut, auf ein Niveau zu bringen, um wenigstens 40, 50, 60 Minuten mithalten zu können im Profitum. Im Zweifel mithilfe privater Fitnessgurus.

Dino Toppmöller freilich stellt sich vor den Rekordeinkauf, bescheinigt diesem „demütig, fleißig und verständnisvoll“ zu sein. Verständnisvoll deshalb, weil er, der Trainer, ihm, Ekitiké, in den nächsten Wochen nur sehr dosiert einsetzen wird. „Er soll uns nicht nur heute und morgen helfen, sondern soll in der Crunchtime der Saison in Topform sein. Alle brauchen Geduld.“ Für das Heimspiel der Eintracht am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den VfL Bochum stellte der Coach seinem Jungstar lediglich einen weiteren Kurzeinsatz in Aussicht, wenn überhaupt.

Während Ekitiké körperlich (noch) nicht mithalten kann, mangelt es bei den anderen Wintereinkäufen - Sasa Kalajdzic, Donny van de Beek und Jean-Mattéo Bahoya - an Spielpraxis auf höchstem Niveau. Auch der aus einer Verletzung zurückgekehrte Kapitän Sebastian Rode sei lediglich in der Lage „30, 35 Minuten“ zu spielen. Suboptimal für einen Trainer, ganz klar. Der sagt: „Wir haben supertolle Neuzugänge, aber sie werden nicht sofort die Sterne vom Himmel spielen.“

Stadion oder Kreißsaal?

Potenziell genug Luft für 90 Minuten hat dagegen Afrika-Cup-Rückkehrer Omar Marmoush, er wird auf alle Fälle in der Startelf stehen. Toppmöller setzt gegen Bochum auf die Energie des Ägypters, der mit seinen Läufen und Dribblings dazu in der Lage ist, Lücken gegen einen tiefstehenden Gegner zu reißen - und Tore zu schießen. Ob Kalajdzic an der Seite Marmoushs stürmen wird, hängt derweil nicht nur von Taktik und Plan des Trainers ab, sondern auch von des Österreichers hochschwangerer Frau. Das Kind kann jederzeit das Licht der Welt erblicken. Kalajdzic ist damit wie Aurelio Buta fraglich fürs Bochum-Spiel, der ebenfalls zeitnah Vater wird. Stadion oder Kreißsaal? Bei beiden entscheiden sich die Einsätze kurzfristig. Eric Dina Ebimbe fällt dagegen aus, ihn plagen muskuläre Probleme.

Das ist insofern ärgerlich, da Toppmöller die Alternativen für die rechte Abwehrseite ausgehen, einen Viererkette lässt sich ohne Buta, Ebimbe und den gesperrten Tuta kaum nominieren. So dürfte die Eintracht in Abwesenheit des ebenfalls gesperrten Niels Nkounkou wieder zurückkehren zur Dreierdefensive - rechts Robin Koch, links Willian Pacho, zentral Makoto Hasebe oder Ellyes Skhiri. Letzterer ist die wahrscheinlichere Option, schließlich könnten dann Mario Götze und Hugo Larsson die Doppelsechs besetzen und müssten nicht auf offensivere Positionen ausweichen.

Fernab personeller Gedankenspiele appelliert Dino Toppmöller nach dem Systemabsturz von Köln an die Einstellung seiner Profis, erhöht verbal den Druck auf sein Team. „Ich erwarte eine Reaktion auf den schwachen Auftritt. Wir müssen von Anfang an zeigen, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollen. Wir müssen das Publikum mitnehmen und Wiedergutmachung betreiben.“ In Köln habe seine Elf die erste Hälfte „hergeschenkt“, diesmal solle das Energielevel doch bitte vom Anpfiff weg hoch sein.

Die öffentliche Kritik, den Spielaufbau zuletzt zu kompliziert angelegt zu haben, nahm Trainer Toppmöller offenbar wahr und pocht auf Veränderungen. Er wolle nicht mehr so viel „Hin- und Hergeschiebe“ sehen, sondern: „Wir müssen das Spiel einfacher halten und den kürzeren Weg nach vorne wählen.“ Damit es besser mit dem Toreschießen klappt - selbst ohne Hugo Ekitiké.

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