Woltemade, Simons, Wirtz: Englands Transfer-Wahnsinn lässt Sorgen beim FC Bayern immer größer werden
VonAndreas Knobloch
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Wirtz, Woltemade, Simons, Sesko, Ekitike: Die Bundesliga-Offensive zieht es in die Premier League. Das sind keine guten Nachrichten für den FC Bayern.
München – Ein wilder Transfer-Sommer erfährt Ende August nochmal eine Pointe, die ganz gut zum Wechsel-Wahnsinn mit Unsummen passt. Nick Woltemade, eigentlich Wunschspieler vom FC Bayern, Münchensollte nach zähen Verhandlungen zwischen den Schwaben und den Münchnern beim VfB Stuttgart bleiben. Doch dann der Newcastle-Knall und die kolportierte Ablösesumme von 90 Millionen. Ein Transfer-Sommer, der vieles ist, aber auch keine guten Nachrichten für den FC Bayern.
Transfer-Wahnsinn in der Premier League: Können deutsche Teams noch mithalten?
Wer die Liste der Transfers von der Bundesliga in die Premier League anschaut, der wird mit großen Augen auf die Gesamtsumme blicken: 507 Millionen Euro laut Transfermarkt.de, Stand 29. August 8.30 Uhr. Woltemade und Xavi Simons (angeblich zu Tottenham Hotspur) nicht einberechnet. Die Entwicklung ist weiterhin besorgniserregend, vor allem aus Sicht der Bundesliga. Denn die Kluft zwischen England und Deutschland wird immer größer, was die finanziellen Möglichkeiten angeht.
Zugegebenermaßen ist das keine neue Erkenntnis, aber dieser Transfer-Sommer hält der deutschen Liga nochmal mehr den Spiegel vor. Natürlich sind Benjamin Sesko oder Nick Woltemade außergewöhnliche Fußballer, haben allerdings noch nicht ständig auf hohem Niveau brilliert.
Ein Coup und viele Flops: Max Eberls Transferbilanz spricht Bände
Simons, Wirtz, Woltemade – jetzt auch noch Maxi Beier? Transfer-Summen werden zu Mondpreisen
Florian Wirtz entschied sich für den „nächsten Schritt“ beim FC Liverpool, nicht beim FC Bayern. Ein ungeschriebenes Gesetz in der Bundesliga war eigentlich immer, dass der beste deutsche Fußballer, der nicht beim FC Bayern spielt, erstmal an die Säbener Straße wechselt, bevor das Ausland kommt. Auch hier gewinnt England den Zweikampf. Nächster Fall: Xavi Simons. Bei RB Leipzig der wohl beste Einzelspieler, auch Bayern soll Interesse gehabt haben, bekommt nun Tottenham wohl den Zuschlag. Summen, bei denen die Briten kaum zucken, der FCB aber länger überlegen müsste. Luis Diaz war im Budget mit drin, aber wäre in Liverpool-England-Manier auch ein zweiter Transfer in dieser Höhe machbar? Das bleibt fraglich. Vor allem bei durchgesickerten Sparmaßnahmen.
Transfers von der Bundesliga in die Premier League (Sommer 2025 – Summen laut Transfermarkt.de)
Florian Wirtz zu FC Liverpool (125 Millionen Euro)
Huge Ekitike zu FC Liverpool (95 Millionen Euro)
Benjamin Sesko zu Manchester United (76,50 Milliionen Euro)
Jamie Gittens zu Chelsea (56 Millionen Euro)
Jeremie Frimpong zu FC Liverpool (40 Millionen Euro)
Matyhs Tel zu Tottenham Hotspur (35 Millionen Euro)
Amine Adli zu Bournemouth (21 Millionen Euro)
Anton Stach zu Leeds United (20 Millionen Euro)
Granit Xhaka zu FC Sunderland (15 Millionen Euro)
… noch einige weitere, wie Adam Aznou
Und die Perversion des Marktes wird dann noch klarer, wenn formschwache bzw. auf den Durchbruch wartende Angreifer wie Maximilian Beier, der bei Borussia Dortmund keinen Stammplatz innehat, für 70 Millionen beim FC Brentford gehandelt wird. Der FC Brentford spielt nicht international. Das wäre, als würde der FC Augsburg Yoane Wissa für denselben Preis verpflichten. Yoane wer? Wahrscheinlich für deutsche Fans ist der 19-Tore-Stürmer von Brentford genauso unbekannt, wie für Briten Beier.
Stach und Xhaka gehen zu Aufsteigern – deutsche Teams müssen kreativ bleiben
Weitere Transfers, die exemplarisch für den finanziellen Unterschied stehen: Aufsteiger Leeds United verpflichtet Anton Stach von der TSG Hoffenheim für 20 Millionen Euro. Der FC St. Pauli, Aufsteiger vor zwei Jahren, arbeitet an ihrem Rekordtransfer von Martijn Kaars, FC Magdeburg, für fünf Millionen Euro. Granit Xhaka, Kapitän von Double-Sieger Leverkusen, ist nach einem titellosen Jahr von der Premier League so angefixt, dass ihn der andere Aufsteiger FC Sunderland problemlos für 15 Millionen loseisen kann. Statt Champions League also Abstiegskampf.
Bleibt also abzuwarten, wie kreativ die deutschen Teams auf dem Markt reagieren. Ein Glücksgriff gelang dem FCB mit Michael Olise, wird Luis Diaz auch einer oder sogar Youngster Lennart Karl? Dann ist einiges möglich, dennoch werden neue Ideen oder der Blick auf die Jugend nötig sein.
Dortmunds Konzept mit Talenten wie Jadon Sancho, Jude Bellingham, Ousmane Dembele oder Jamie Gittens (diesen Sommer für knapp 60 Millionen zu Chelsea) führte sie sogar bis ins Champions-League-Finale, sorgte gleichzeitig auch für finanzielle Rücklagen. Doch wie lange sind die deutschen Aushängeschilder wie Bayern oder Dortmund international noch konkurrenzfähig, um bis ins Finale zu kommen? Der Begriff „Farmers League“ wird so schnell nicht verschwinden. (ank)