Max Eberl unter Druck: Sein Umgang mit öffentlicher Kritik beim FC Bayern
VonPeter Grad
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Sportvorstand Max Eberl hat beim FC Bayern einen äußerst anspruchsvollen Job. Läuft beim Rekordmeister nur scheinbar etwas schief, wird er dafür verantwortlich gemacht. Wie er damit umgeht.
München – Max Eberl war sehr lange Zeit der FCB-Wunschkandidat für den Posten des Sportvorstands gewesen, speziell Ehrenpräsident Uli Hoeneß sein Befürworter. Auch der frühere Jugendspieler des Rekordmeisters hatte wohl lange Zeit mit einem verantwortungsvollen Job bei seinem Herzensverein geliebäugelt. Seit März 2024 ist er nun tatsächlich der sportlich hauptverantwortliche Boss an der Säbener Straße, wohlwissend wie brutal diese Aufgabe in München sein kann.
Eberl in der Öffentlichkeit der „FCB-Buhmann“?
Aber konnte der 51-Jährige wirklich ahnen, was alles auf ihn einprasseln würde? Seit einiger Zeit hat man das Gefühl, dass er von der Öffentlichkeit als „FCB-Buhmann“ auserkoren wurde. Läuft an der Säbener Straße irgendetwas nicht perfekt, wird reflexartig auf Eberls scheinbare Unfähigkeit verwiesen. Selbst an der Bürde, dass beim FC Bayern noch die ehemaligen Alphatiere Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge - viel zu sehr - mitmischen, scheint der Sportvorstand die Schuld zu tragen.
Dabei ist die Konstellation an der Säbener Straße für Eberl nahezu fatal: Während sich die eigentlichen Vereinsbosse - Präsident Herbert Hainer und CEO Jan-Christian Dreesen - extrem zurückhalten, speziell wenn es einmal um die Rückendeckung für den Sportchef geht, lösen Hoeneß und Rummenigge nicht selten mediale Tsunamis aus, unter welchen insbesondere er zu leiden hat: „Eberl hat immer Schuld“.
Sportler-Familie, Freundin und Kinder – Bayern-Abgang Leroy Sané privat
Eberls Januar-Zugeständnis an Thomas Müller wurde von den „Silberrücken“, die den mächtigen FCB-Aufsichtsrat dominieren, einkassiert. Seine kurzfristige nachvollziehbare „Euphorie“ bezüglich einer Vertragsverlängerung von Leroy Sané von außenstehenden „Experten“ scharf kritisiert. Er und vor allem Coach Vincent Kompany hätten sehr gerne mit dem 70-fachen Nationalspieler verlängert - aber das Sparprogramm des Aufsichtsrats verhinderten dies.
Obwohl offensichtlich die gesamte Führungsriege des Rekordmeisters bei der Verpflichtung von Wunschspieler Florian Wirtz gescheitert ist, machte man in der Öffentlichkeit vor allem Eberl als Schuldigen aus. Werden erwünschte Vertragsverlängerungen erzielt (Jamal Musiala, Alphonso Davies, Joshua Kimmich), werden die als zu teuer kritisiert, wären sie an den Spielerforderungen gescheitert, würde dies dem 51-Jährigen auch zur Last gelegt werden.
Erfolgreiche Deals von Eberl werden ignoriert
Auch der ablösefreie Abgang von Sané wird Eberl angelastet - dass auf der anderen Seite die deutschen Nationalspieler Jonathan Tah und Tom Bischof ablösefrei kommen, wird in diesem Kontext kaum bis nicht erwähnt. Auch hier gibt es sogar etwas zu kritisieren: Die angeblich hohen Handgelder („Signing Fees“) der beiden. Grundsätzlich in solchen Fällen branchenüblich - geschenkt.
Permanent wird darüber berichtet, bei welchen nicht umgesetzten Spielerverpflichtungen Eberl „versagt“ hätte. Beim „Volltreffer“ Michael Olise wird dagegen darauf hingewiesen, dass das Lob anderen gebühren würde. Dabei sind Sportvorstand, Sportdirektor (Christoph Freund) und die ganzen Spielerscouts ebenso ein Team wie auf dem Rasen Kompany und seine „Jungs“.
Eberls aufschlussreiches Interview im Herbst 2024
Häufig fragt man sich, wie Eberl diese Last - speziell mit seiner Burnout-Vorgeschichte - überhaupt aushalten, ertragen, verarbeiten kann. Dazu hat er im September 2024 den 11 Freunden ein - wenig beachtetes - Interview gegeben. Die wichtigste Message lautete: „Fußball ist mir immer noch sehr wichtig, aber nicht mehr wichtiger als meine Gesundheit und mein privater und seelischer Frieden“.
Im Januar 2022 war Eberl bei Borussia Mönchengladbach nach 17 Jahren in verschiedenen Funktionärstätigkeiten als Geschäftsführer Sport ausgeschieden und hatte sich eine längere Auszeit genommen, die er mit Erschöpfung begründet hatte. Der 51-Jährige im 2024er Interview: „In gewisser Weise habe ich ein neues Leben geschenkt bekommen.“ Er lebe nun „viel mehr im Moment (...) Heute kann ich mit meiner Lebensgefährtin und dem Hund im Garten sitzen - und bin ganz bei mir. Bin einfach: ich! Das habe ich vierzig Jahre vorher so nie empfunden.“
Eberl in München ein „Geringverdiener“
Nachdem der heutige Bayernboss zehn Monate später bei RB Leipzig wieder ins Geschäft einstieg, schlug ihm eine Welle an Fan-Anfeindungen entgegen. Unter anderem wurde ihm Geldgier vorgeworfen. Dazu Eberls durchaus überraschende Information: „Ich habe in Gladbach mehr verdient als in Leipzig, und in München bekomme ich wiederum weniger als bei RB.“
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com
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Eberl über seine damalige Situation: „Im Profifußball ist es mitunter üblich, dass Protagonisten ihren Rausschmiss aussitzen, um eine Abfindung zu kassieren. Ich kann guten Gewissens sagen: Ich habe die beiden bestdotierten Verträge meines Lebens aus freien Stücken aufgelöst und auf viel Geld verzichtet.“ Nachdem seitens des Rekordmeisters nie Dementi kamen, kann man davon ausgehen, dass Eberls Aussagen tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Wie groß muss seine Liebe zum FC Bayern sein, wenn er beim Verein mit den deutschen Rekordgehältern sogar „unterdurchschnittlich“ verdient und sich dabei diesen unfassbaren Stress antut? Seine Dauerkritiker sollten auch dies einmal in Betracht ziehen und entsprechend honorieren.