Star-Kommentatorin im Interview

Trotz harter Kritik: ZDF-Pionierin Claudia Neumann findet ihren Weg „traumhaft schön“

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ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann spricht über die Frauen-EM 2025, Deutschlands Titelchancen und blickt auf ihre Laufbahn im Journalismus zurück.

Mainz – Claudia Neumann gilt als Pionierin des deutschen Sportjournalismus und wird auch bei der Frauen-Europameisterschaft 2025 in der Schweiz als Kommentatorin im Einsatz sein. Die 61-Jährige arbeitet seit über 30 Jahren im Journalismus, zunächst bei RTL und Sat.1, seit 1999 beim ZDF.

Im exklusiven Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Nachrichtenportal von Home of Sports, spricht Claudia Neumann nun über ihre Erwartungen an das bevorstehende Turnier und die Titel-Chancen der deutschen Nationalmannschaft unter Bundestrainer Christian Wück.

Neumann verrät zudem, auf welcher Position sie einst selbst Fußball gespielt hat – und sie erklärt, warum sie trotz phasenweiser harter Kritik ihren beruflichen Weg als „traumhaft schön“ bewertet.

Bundestrainer Wück nominiert Kader für EM 2025: Diese 23 Spielerinnen sind dabei

Nach dem Rücktritt von Merle Frohms im Jahr 2024, etablierte sich Ann-Katrin Berger etwas überrascht als neue Nummer 1. Seitdem konnte die 34-Jährige nicht mehr verdrängt werden. Ihre Erfahrung und Stärke auf der Linie geben dem deutschen Team Sicherheit. Im Aufbau, kann sie noch etwas zulegen.
Ann-Katrin Berger (NY Gotham FC): Nach dem Rücktritt von Merle Frohms im Jahr 2024, etablierte sich Ann-Katrin Berger etwas überraschend als neue Nummer 1. Seitdem konnte die 34-Jährige nicht mehr verdrängt werden. Ihre Erfahrung und Stärke auf der Linie geben dem deutschen Team Sicherheit. Im Aufbau kann sie noch etwas zulegen. © IMAGO
Ihre Vertreterin wird die 25-jährige Stina Johannes sein. In der Bundesliga machte sie sich bei Eintracht Frankfurt einen Namen. Für die A-Nationalmannschaft durfte sie bereits drei Mal zwischen den Pfosten stehen.
Stina Johannes (Eintracht Frankfurt) - Ihre Vertreterin wird die 25-jährige Stina Johannes sein. In der Bundesliga machte sie sich bei Eintracht Frankfurt einen Namen. Für die A-Nationalmannschaft durfte sie bereits drei Mal zwischen den Pfosten stehen. © IMAGO
Ebenfalls mit dabei ist Ena Mahmutovic. Die 21-Jährige gilt als äußerst talentiert und wird aller Voraussicht nach die zweite Ersatzkeeperin im Kader von Christian Wück.
Ena Mahmutovic (FC Bayern München): Ebenfalls mit dabei ist Ena Mahmutovic. Die 21-Jährige gilt als äußerst talentiert und wird aller Voraussicht nach die zweite Ersatzkeeperin im Kader von Christian Wück sein. © IMAGO
Natürlich ist auch Giulia Gwinn dabei. Die 25-Jährige übernahm nach dem Rücktritt von Alexandra Popp die Kapitänsbinde beim DFB-Team. Gwinn gilt als unangefochtene Stammkraft auf der rechten Abwehrseite. Neben der Defensivarbeit schaltet sie sich immer wieder auch in Offensivaktionen ein.
Giulia Gwinn (FC Bayern München): Natürlich ist auch Giulia Gwinn dabei. Die 25-Jährige übernahm nach dem Rücktritt von Alexandra Popp die Kapitänsbinde beim DFB-Team. Gwinn gilt als unangefochtene Stammkraft auf der rechten Abwehrseite. Neben der Defensivarbeit schaltet sie sich immer wieder auch in Offensivaktionen ein. © IMAGO
Auch Bayern-Teamkollegin Franziska Kett fährt mit zur Frauen-EM in die Schweiz. Die 20-Jährige, frisch gebackene Nationalspielerin beackert meist die linke Abwehrseite. Bisher bringt sie es auf drei A-Länderspiele.
Franziska Kett (FC Bayern München): Auch Bayern-Teamkollegin Franziska Kett fährt mit zur Frauen-EM in die Schweiz. Die 20-Jährige, frisch gebackene Nationalspielerin, beackert meist die linke Abwehrseite. Bisher bringt sie es auf drei A-Länderspiele. © IMAGO
In der DFB-Innenverteidigung ist Rebecca Knaak gesetzt. Die 28-Jährige spielt bei Manchester City auf der Insel und war zuvor für den SC Freiburg und Bayer 04 Leverkusen aktiv. In den Nationalmannschaftsfokus rückte sie erst unter Christian Wück.
Rebecca Knaak (Manchester City): In der DFB-Innenverteidigung ist Rebecca Knaak gesetzt. Die 28-Jährige spielt bei Manchester City auf der Insel und war zuvor für den SC Freiburg und Bayer 04 Leverkusen aktiv. In den Nationalmannschaftsfokus rückte sie erst unter Christian Wück. © IMAGO
Kathrin Hendrich soll als Innenverteidigerin für Stabilität sorgen. Vor der EM sorgte sie mit einem Wechsel in die USA für Aufsehen.
Kathrin Hendrich (VfL Wolfsburg): Kathrin Hendrich soll als Innenverteidigerin für Stabilität sorgen. Vor der EM sorgte sie mit einem Wechsel in die USA für Aufsehen. © IMAGO
Dort könnte Sophia Kleinherne ihren Platz einnehmen, die von Eintracht Frankfurt zum VfL Wolfsburg wechselt. Bei der EM könnten sie in der Viererkette womöglich noch einmal zusammen brillieren.
Sophia Kleinherne (Eintracht Frankfurt): Dort könnte Sophia Kleinherne ihren Platz einnehmen, die von Eintracht Frankfurt zum VfL Wolfsburg gewechselt ist. Bei der EM könnten sie in der Viererkette womöglich noch einmal zusammen brillieren. © IMAGO
Sarai Linder präsentiert sich für die EM als gute Option für die linke Außenverteidigung. Dort duelliert sie sich mit Franziska Kett um einen Startelfplatz.
Sarai Linder (VfL Wolfsburg): Sarai Linder präsentiert sich für die EM als gute Option für die linke Außenverteidigung. Dort duelliert sie sich mit Franziska Kett um einen Startelfplatz. © IMAGO
Janina Minge gilt aktuell als die erste Wahl für die linke Innenverteidigerposition.
Janina Minge (VfL Wolfsburg): Die 26-jährige Minge gilt aktuell als die erste Wahl für die linke Innenverteidigerposition. © IMAGO
Die Eintracht-Stürmerin reist als Ergänzung im Sturm mit zum Turnier. Erst bei der Nations League gab sie ihr A-Elf-Debüt und erhält von Christian Wück weiteres Vertrauen.
Carlotta Wamser (Eintracht Frankfurt): Die Eintracht-Stürmerin reist als Ergänzung im Sturm mit zum Turnier. Erst bei der Nations League gab sie ihr A-Elf-Debüt und erhält von Christian Wück weiteres Vertrauen. © IMAGO
Ihre Flankenläufe und Vorlagen könnten beim Turnier zu einem entscheidenden Faktor in der Offensive werden.
Klara Bühl (Bayern München): Ihre Flankenläufe und Vorlagen könnten beim Turnier zu einem entscheidenden Faktor in der Offensive werden. © IMAGO
Kurz vor der EM bekam Selina Cerci gegen Österreich eine Chance sich fest zuspielen und nutzte sie. Die 24-jährige, die nach der Saison als Torschützenkönigin der Bundesliga ausgezeichnet wurde, traf ebenfalls. Bundestrainer Wück belohnt dies mit einem Platz im EM-Kader.
Selina Cerci (TSG Hoffenheim): Kurz vor der EM bekam Selina Cerci gegen Österreich eine Chance, sich fest zuspielen und nutzte sie. Die 24-jährige, die nach der Saison als Torschützenkönigin der Bundesliga ausgezeichnet wurde, traf sogar. Bundestrainer Wück belohnt dies mit einem Platz im EM-Kader. © IMAGO
Die 30-jährige Mittelfeldspielerin gehört zu den Dauerbrennerinnen im DFB-Team. Däbritz absolvierte bereits über 100 A-Länderspieler. Zuletzt hatte die Mittelfeldspielerin ihren Abschied von Olympique Lyon angekündigt. Wohin es für sie geht, ist offen. Zuletzt wurde über einen Wechsel zu Real Madrid spekuliert.
Sara Däbritz (vereinslos): Die 30-jährige Mittelfeldspielerin gehört zu den Dauerbrennerinnen im DFB-Team. Däbritz absolvierte bereits über 100 A-Länderspiele. Zuletzt hatte die Mittelfeldspielerin ihren Abschied von Olympique Lyon angekündigt. Wohin es für sie geht, ist offen. Zuletzt wurde über einen Wechsel zu Real Madrid spekuliert. © IMAGO
Für Schwung über den Flügel soll Jule Brand sorgen. Nach der EM wird die bisherige Wolfsburgerin ihr Glück in Frankreich suchen.
Jule Brand (Olympique Lyon): Für Schwung über den Flügel soll Jule Brand sorgen. Nach der EM wird die bisherige Wolfsburgerin ihr Glück in Frankreich suchen. © IMAGO
Nicht nur beim FC Bayern soll Linda Dallmann die offensiven Fäden ziehen. Die 30-Jährige ist schon lange dabei und lief bereits 67 Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft auf.
Linda Dallmann (Bayern München): Nicht nur beim FC Bayern soll Linda Dallmann die offensiven Fäden ziehen. Die 30-Jährige ist schon lange dabei und lief bereits 67 Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft auf. © IMAGO
Ihre Konkurrentin im offensiven Mittelfeld wird Eintracht-Star Laura Freigang. Beim letzten Test in der Nations League gegen Österreich (6:0) bekam die 27-Jährige den Vorzug. Das Vertrauen zahlte sie mit einem Treffer zurück.
Laura Freigang (Eintracht Frankfurt): Ihre Konkurrentin im offensiven Mittelfeld wird Eintracht-Star Laura Freigang. Beim letzten Test in der Nations League gegen Österreich (6:0) bekam die 27-Jährige den Vorzug. Das Vertrauen zahlte sie mit einem Treffer zurück. © IMAGO
Etwas überraschend bahnte sich Giovanna Hoffmann ihren Weg in die Nationalmannschaft. Doch die 26-jährige Stürmerin schlug direkt ein. In sieben A-Länderspielen traf sie bereits dreimal.
Giovanna Hoffmann (SC Freiburg): Etwas überraschend bahnte sich Giovanna Hoffmann ihren Weg in die Nationalmannschaft. Doch die 26-jährige Stürmerin schlug direkt ein. In sieben A-Länderspielen traf sie bereits dreimal. © IMAGO
Auch Sydney Lohmann gehört natürlich zum Aufgebot. Die zentrale Mittelfeldspielerin des FC Bayern zeigte sich zuletzt in der Nations-League-Partie gegen Österreich bereits in EM-Form.
Sydney Lohmann (Bayern München): Auch Sydney Lohmann gehört natürlich zum Aufgebot. Die zentrale Mittelfeldspielerin des FC Bayern zeigte sich zuletzt in der Nations-League-Partie gegen Österreich bereits in EM-Form. © IMAGO
Auch Elisa Senß reist als zentraler Baustein im defensiven Mittelfeld mit zur EM.
Elisa Senß (Eintracht Frankfurt): Auch Elisa Senß reist als zentraler Baustein im defensiven Mittelfeld mit zur EM. © IMAGO
Im Mittelfeld gesellt sich England-Legionärin Sjoeke Nüsken hinzu. Die 24-jährige Ex-Frankfurterin läuft seit 2023 für den FC Chelsea auf.
Sjoeke Nüsken (FC Chelsea): Im Mittelfeld gesellt sich England-Legionärin Sjoeke Nüsken hinzu. Die 24-jährige Ex-Frankfurterin läuft seit 2023 für den FC Chelsea auf. © IMAGO
Auf ihr liegen die Hoffnungen im Angriff. Und das Lea Schüller Tore schießen kann, bewies sie nicht nur in der Bundesliga beim Meister Bayern München. Alleine in der laufenden Nations-League-Saison, netzte die 27-Jährige in zehn Spielen, achtmal.
Lea Schüller (Bayern München): Auf ihr liegen die Hoffnungen im Angriff. Und dass Lea Schüller Tore schießen kann, bewies sie nicht nur in der Bundesliga beim Meister FC Bayern. Allein in der laufenden Nations-League-Saison netzte die 27-Jährige in zehn Spielen achtmal. © IMAGO
Etwas überraschend ist Cora Zicai vom SC Freiburg dabei. Die 20-jährige Stürmerin gab ihr Debüt erst Ende November 2024 beim 6:0-Erfolg gegen EM-Gastgeber Schweiz. Damals traf Zicai direkt.
Cora Zicai (SC Freiburg): Etwas überraschend ist Cora Zicai vom SC Freiburg dabei. Die 20-jährige Stürmerin gab ihr Debüt erst Ende November 2024 beim 6:0-Erfolg gegen EM-Gastgeber Schweiz. Damals traf Zicai direkt.  © IMAGO
Überraschenderweise fehlt Alara Şehitler im Reisetross in die Schweiz. Wück begründet dies mit dem Verpassen der Nations League und dem hohen Konkurrenzdruck auf ihrer Position. Dennoch bescheinigt er der hochtalentierten 18-Jährigen eine große Zukunft.
Nicht mit dabei: Überraschenderweise fehlt Alara Şehitler im Reisetross in die Schweiz. Wück begründet dies mit dem Verpassen der Nations League und dem hohen Konkurrenzdruck auf ihrer Position. Dennoch bescheinigt er der hochtalentierten 18-Jährigen eine große Zukunft. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegand
Christian Wück (Trainer) – Seit August 2024 leitet Christian Wück die Geschicke des DFB-Teams – und das bisher überaus erfolgreich. In zehn Spielen gab es sieben Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen. Er wird sich jedoch am starken Olympia-Abschneiden unter dem Alt-Trainer Hrubesch messen lassen müssen.
Christian Wück (Trainer) – Seit August 2024 leitet Christian Wück die Geschicke des DFB-Teams. Er wird sich jedoch am starken Olympia-Abschneiden unter dem Alt-Trainer Hrubesch messen lassen müssen. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Bosco
Frau Neumann, Sie haben bereits viele Spiele bei großen Turnieren kommentiert. Mit welcher Motivation und Freude gehen Sie nun Ihre Arbeit bei der Frauen-Europameisterschaft 2025 an?
Claudia Neumann: Freude stellt sich automatisch ein, wenn das Turnier wirklich beginnt, weil dann nämlich alle Hausaufgaben erledigt sind. Die Vorbereitung auf ein Turnier ist manchmal zäh und mühselig. Wenn es aber losgeht, sauge ich meine Motivation und meine Leidenschaft einfach aus der Liebe zu diesem Spiel. Ich sitze auf einem schönen Platz im Stadion, von dem aus ich das Spiel sehr gut verfolgen kann, nämlich auf einem Kommentatoren-Platz, und fiebere dem Anpfiff entgegen.
Was erwarten, was erhoffen Sie sich von dieser Europameisterschaft?
Ich erwarte und erhoffe mir, dass es noch mal einen qualitativen Quantensprung geben wird. Ich glaube, diese EM wird das beste Turnier im Frauen-Fußball, das wir je erlebt haben in punkto Tempo und Technik. Auch die kleineren Nationen sind athletisch und taktisch auf der Höhe, haben gute Ideen entwickelt, besonders im Spiel gegen den Ball.
Die großen Teams wiederum haben ihrerseits den nächsten Schritt gemacht, Handlungsschnelligkeit unter massivem Gegnerdruck deutlich verbessert. Heißt, wir werden überwiegend intensive, ereignisdichte Partien erleben, woraus sich auch interessante Dramaturgien entwickeln können. Beispielsweise dann, wenn die vermeintlichen Underdogs in Führung gehen.
Die deutsche Nationalmannschaft geht als Vize-Europameister und Mitfavorit in den Wettbewerb. Klappt es dieses Mal mit dem Titelgewinn?
Ich denke, für die deutsche Nationalmannschaft ist alles möglich, auch der Titel. Wir haben beim DFB-Team in den letzten Spielen vor dem Turnier eine deutliche Qualitätssteigerung festgestellt. Die Mannschaft hat sich nun offenbar gefunden und mit dem neuen Spielsystem von Bundestrainer Christian Wück anfreunden können.
Wichtig wird sein, dass die Mannschaft auch in entscheidenden, in schwierigen Momenten an sich selbst glaubt. Das war bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren, als das Aus schon in der Gruppenphase erfolgte, definitiv nicht der Fall.
In den vergangen Jahren wies die deutsche Nationalmannschaft inkonstante Leistungen auf. Nach dem Erreichen des EM-Finales 2022 folgte bei der WM 2023 der K.o. in der Gruppenphase. Sind es hausgemachte Probleme, die für diese Inkonstanz sorgen? Oder ist dies der Entwicklung im Frauenfußball geschuldet: Zahlreiche Spitzenteams weisen ein ähnlich hohes Niveau auf.
Beide Perspektiven haben ihren Anteil. Keine Mannschaft dieser Welt, auch im Männerfußball, kann permanent und dauerhaft top sein. Auf erfolgreiche Zeiten folgen immer mal schwächere Phasen.
Die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft stellte lange Zeit die Benchmark dar mit den zwei Weltmeistertiteln in Folge 2003 und 2007. Die Serie der Europameistertitel zwischen 1995 und 2013 muss ich nicht betonen. Dass es irgendwann mal nicht mehr ganz so flüssig laufen würde, ist logisch.
Allerdings haben die Verantwortlichen versäumt, frühzeitig professionellere Strukturen zu schaffen, um die Entwicklung proaktiv voranzutreiben. Es ist eine Binsenweisheit, dass die meisten Versäumnisse im Erfolg entstehen, das trifft es hier ganz gut.
Die Konkurrenz dagegen hat Gas gegeben. Die Niederlande, England und Spanien gewannen ihre historisch ersten Titel, das hatte sich längst angedeutet. Frankreich wäre übrigens fußballerisch überfällig für den ersten Triumph. Dazu sind die traditionellen Frauenfußball-Nationen, in Europa vor allem Schweden, immer im Dunstkreis der Favoriten.
ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann freut sich auf die Spiele bei der Frauen-EM 2025 in der Schweiz.
Das DFB-Team will nun neue Erfolge einfahren. Dazu hat der Verband im vergangenen Jahr Christian Wück zum Bundestrainer befördert. Er hat mit den männlichen Jugendnationalmannschaften den WM- und EM-Titel gewonnen, bei der Frauen-Nationalmannschaft verlief der Start dagegen holprig. Wie schätzen Sie die Situation mit Wück ein: War es ein guter Move des DFB?
Die Entscheidung für Christian Wück als neuen Bundestrainer war eine auf der Hand liegende, wenn man die üblichen Entscheidungsmuster zu Grunde legt. In jedem Fall gibt es beim DFB offensichtlich noch kein dauerhaftes Trainerinnen-Scouting. Allerdings ist der Markt im Frauenfußball auch noch recht überschaubar. Eine zweite Sarina Wiegman muss man erstmal finden und zudem unbedingt mehr Frauen qualifizieren mit den nötigen Zugängen zur professionellen Ausbildung.
Die Erfahrung von Christian Wück im Frauenfußball lag zum Start bei null, aber er hatte offensichtlich große Lust auf die Aufgabe.
Mein Gefühl aus den vergangenen Monaten ist: Er hat sich dieser neuen Aufgabe mit Haut und Haar gewidmet. Das Generationen-übergreifende Trainerinnen-Team ist zudem sehr erfahren und gut zusammengestellt.
Wück hat für die Mannschaft eine klare Spielidee auserkoren, daran hat er auch festgehalten, als es zum Start holprig lief. Dem Risiko dieser offensiven Spielweise mit einer insgesamt sehr hoch aufgerückten Elf waren sich alle bewusst.
Es brauchte Zeit Vertrauen zu entwickeln, aber die Spielerinnen waren von Beginn an von seiner Idee überzeugt. Der Fußball, den das DFB-Team nun bietet, ist sehr attraktiv, auch wenn der Defensive die wahre Prüfung noch bevorsteht. Wück und das Team haben die Kurve rechtzeitig vor der EM bekommen. Auf mich hat jedenfalls zuletzt alles einen schlüssigen Eindruck gemacht. Auch die Personalauswahl im Übrigen.
Wenn Sie auf die individuelle Qualität des DFB-Teams blicken: Wer sind die „Unterschiedsspielerinnen“, die Sie besonders hervorheben würden?
Als besonderes Merkmal der deutschen Mannschaft muss man die Dynamik in der Offensive hervorheben. Tempo, Technik und an guten Tagen auch die entscheidende Portion Kreativität, alles drin im Köcher. Die Offensivspielerinnen können tatsächlich die Unterschiedsspielerinnen sein, insbesondere die Außenstürmerinnen Klara Bühl und Jule Brand. Bühl könnte die ihr vom Trainer schon attestierte Weltklasse belegen, Brand ihren internationalen Durchbruch schaffen. Beide besitzen viel Potenzial, haben es aber noch nicht konstant abgerufen.
Darüber hinaus habe ich noch einen „Geheimtipp“ auf Lager: Linda Dallmann. Sie ist 30 Jahre alt und erlebt in der Nationalmannschaft ihren dritten Frühling. Sie konnte bei den letzten beiden Turnieren verletzungsbedingt nicht dabei sein und besaß lange Zeit keinen klassischen Stammplatz in der Mannschaft. Das neue System, in dem sie hinter der Mittelstürmerin zentral kreative, überraschende Impulse setzt, ist ihren Fähigkeiten auf den Leib geschneidert.
Sie selbst sind im Sportjournalismus eine Allrounderin, aber sicherlich ist Ihr Steckenpferd das Kommentieren von Top-Spielen im Fußball. Wann entstand Ihr Traum, Kommentatorin zu werden?
Mein Traum war es, Sportreporterin zu werden. Das Kommentieren ist ein Teil dieses Berufsbildes. Zu Beginn meiner Zeit nahm das Kommentieren von Live-Spielen noch keinen großen Raum ein, schließlich gab es nur selten Live-Übertragungen im Fernsehen außerhalb der Turniere.
Erst durch das Pay-TV hat der Bedarf an Fußball-Live-Kommentatoren Ende der 1990er-Jahre zugenommen.
Es ist die Königsdisziplin, ohne Frage, aber es war kein Traum von mir, es hat sich einfach entwickelt. Als einige erfahrene, etablierte Kollegen sich Richtung Ruhestand bewegten, bekamen Jüngere ihre Chance.
In meinem Fall haben Redaktionsleitung und ich gemeinsam entschieden, dass eine Frauenstimme erstmals beim Fußball-Live-Kommentar wohl zunächst smarter im Frauenfußball aufgehoben sei. Natürlich stellte sich die strukturelle Frage, es war eine prägnante Veränderung der Gewohnheit.
Das Feedback war positiv, der Sender wurde für seine Vorreiterrolle in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit gelobt.
Erst viele Jahre später, auf der sehr exponierten Ebene eines öffentlich-rechtlichen Senders mit Millionenpublikum bei einer Männer-EM und mit Einzug der negativen Social-Media-Mechanismen, ist ein anderes Narrativ entstanden. Eines übrigens, das mit mir persönlich rein gar nichts zu tun hat.

Journalistische Meilensteine von Claudia Neumann

1992 Abschluss Magisterstudiengang Germanistik, Pädagogik und Sport

1992 Nach Hospitanz bei RTL Wechsel zu Sat.1 als Redakteurin und Reporterin (u.a. ran)

1999 Wechsel zum ZDF

2011 Erste WM-Live-Kommentatorin im deutschen Fernsehen bei der Frauen-WM in Deutschland

2016 Erste EM-Live-Kommentatorin beim Turnier der Männer

2018 Erste Einsätze als Live-Kommentatorin bei WM und Champions League der Männer

2023 Erste Live-Kommentatorin CL-Finale der Männer

Haben Sie denn auch selbst Fußball gespielt?
Ich bin eine klassische Bolzplatzkickerin. Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen, habe mit ihnen und weiteren Freunden regelmäßig auf dem Bolzplatz Fußball gespielt. Damals, in den 1970er-Jahren, war ich das einzige Mädchen unter vielen Jungs. Ich hatte damals überhaupt nicht vor, irgendwie im Frauenfußball aktiv zu werden, weil ich den überhaupt nicht präsent hatte. Ich wollte einfach Fußball spielen, habe gekickt, den ganzen Tag mit den Jungs. Später ging es an der Uni weiter mit dem Schwerpunktfach Fußball – und lange Zeit habe ich beim wöchentlichen Redaktionskick noch mitgespielt.
Was ist Ihre Stammposition auf dem Feld?
Ich bin die klassische Neun gewesen.
Ein Stürmer ist in der Regel nur zufrieden, wenn er ein Tor erzielt hat. Wie verhält es sich denn bei Ihnen beim Kommentieren: Was macht für Sie einen guten Fußballkommentar aus? Wann sind Sie mit sich selbst zufrieden?
Zufrieden? Ja, dieses Gefühl kommt schon manchmal in mir auf. Wobei ich es da wohl ähnlich halte wie Spieler, Trainer und Schiedsrichter: Es gibt selten eine perfekte Leistung, deshalb bleibt man stets ehrgeizig und schärft die Sinne nach, um es beim nächsten Auftritt noch präziser zu machen. Außerdem ändern sich auch Zeitgeister, die einen dann vor die Frage persönlicher Justierung stellen. Der Kommentar ist überwiegend Geschmacksache. Im Feedback erleben wir sehr unterschiedliche Haltungen der Zuschauenden.
Ich sehe mich nach wie vor in erster Linie als Journalistin mit gewissen Leitplanken, auch wenn sich vieles – auch zu Recht – in Richtung Unterhaltung bewegt. Letztendlich geht es um eine gesunde Mischung zwischen Analyse, Information und Unterhaltung. Abhängig von Qualität und Wertigkeit des Spiels ebenso wie von Dramaturgie und Atmosphäre im Stadion.
Darstellen was ist, bestenfalls mit Persönlichkeit und Authentizität.
Phasenweise ist auf Sie sehr viel Kritik eingeprasselt. Sie werden immer wieder gefragt, wie Sie diese Phase ausgehalten und überstanden haben. Ist womöglich Authentizität eines Ihrer Erfolgsgeheimnisse?
Ich würde gerne den Terminus Kritik in dem Zusammenhang austauschen wollen. Kritik ist für mich etwas Konstruktives, davon darf nun wirklich nicht die Rede sein, wenn Sie auf Netz-Reaktionen anspielen. Es geht stattdessen um ein Gesellschaftsphänomen, das in jener Zeit, als ich sehr exponiert mit dem Kommentieren von großen Turnieren im Männerfußball startete, gerade zu wachsen begann. Davon sind heute fast alle Menschen betroffen, die in öffentlichen Branchen arbeiten. Frauen zudem in einer abwertenden Art und Weise, die für eine vermeintlich moderne Gesellschaft beschämend ist.
Ich habe kein Problem damit, wenn irgendjemand sagt, die Art des Kommentars oder die Stimme gefällt mir nicht. Ich mag auch das eine lieber, das andere weniger. Allerdings überhöhe ich meine Meinung nicht und gerate schon gar nicht deswegen in unflätige Rage.
Meine Biografie hat deshalb auch weniger mit Durch- und Aushalten zu tun. Alle meine Berufskapitel sind völlig logisch aufeinander aufgebaut. Es gab zudem allzeit kompetente Menschen, die über meinen Werdegang mitentschieden haben. Und ich glaube, dass ich auch über ein gesundes Maß an Selbstreflexion verfüge.
Claudia Neumann arbeitet seit über 30 Jahren als Journalistin. Hier interviewte sie einst 2006 Friedhelm Funkel als Trainer von Eintracht Frankfurt.
Erhalten Sie noch immer viele hetzerische Kommentare?
Ich kann Ihnen das nicht sagen, weil ich selbst nicht auf Social Media aktiv bin. Ich selber zapfe nie die Primärquelle an. Wenn wir etwas in Social Media recherchieren müssen, dann macht das im ersten Schritt eine Kollegin oder ein Kollege für mich.
Ich habe für mich andere Wege gefunden. Ich bekomme nur Kenntnis davon, wenn es medial gespiegelt wird oder wenn mich Menschen darauf ansprechen.
Zum Abschluss, Frau Neumann: Sie sind nun 61 Jahre alt, haben über 30 Jahre im Journalismus gearbeitet, zunächst bei RTL und Sat.1, ab 1999 dann beim ZDF und gelten als großes Vorbild und Pionierin in Ihrem Metier. Haben Sie sich für die kommenden Jahre beruflich trotzdem noch ein großes Ziel gesetzt?
Nein, beim besten Willen nicht. (lacht) Ich versuche schon länger, mein berufliches Portfolio ein bisschen zu justieren. Ich bin zudem gerne im ehrenamtlichen Bereich tätig, weil mir im Laufe meiner Karriere bestimmte Themen ans Herz gewachsen sind. Hier versuche ich meine Erfahrungen einzubringen, mich auch gelegentlich öffentlich zu engagieren. Speziell innerhalb der Institution „Fußball kann mehr“, in der sich viele kompetente Menschen für mehr Diversität im gesamten Fußball-Business einsetzen.
Und wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Gibt es einen Moment, wo Sie sagen, an diesen erinnere ich mich besonders gerne, weil ich da wusste: Für diesen Moment hat sich der harte Weg nach oben gelohnt?
Der Weg war weitgehend gar nicht hart, er war einfach logisch und bisweilen traumhaft schön! Daran ändern auch fremdgesteuerte Narrative nichts.
Ich durfte in unterschiedlichen Funktionen an so vielen Großereignissen teilnehmen, das ist unvergesslich und ein Privileg für mich: Der WM-Titel 2014 in Brasilien, der Olympiasieg der DFB-Frauen 2016 – ich könnte auch noch weiter zurückblicken: Ich berichtete über die großen Tennis-Turniere, als Boris Becker noch spielte, und ich gehörte dem Reporterteam an, als Jan Ullrich die Tour de France gewann. All das als Journalistin erleben zu dürfen, war und ist maximal erfüllend.

Rubriklistenbild: © ZDF / Torsten Silz

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