VonHelen Frenchschließen
In den letzten Jahren werden immer mehr Filme und Serien produziert, in denen ältere Frauen im Vordergrund stehen. Doch es gibt einen Haken.
Es ist ein Phänomen, das viele Frauen nach dem vierten oder fünften vollendeten Lebensjahrzehnt schildern: das Unsichtbarwerden.
Viele von ihnen erklären, wie sie in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen werden, nicht mehr stattfinden. In erster Linie ganz real im Alltag, aber eben auch gespiegelt in den Werken, die in Kinos oder im Fernsehen laufen.
Es ist eine Form von Ageismus – ein Begriff, der unter anderem Diskriminierungen aufgrund des Alters beschreibt und der immer noch besonders Frauen betrifft. So müssen sich Frauen Ende 20 auf TikTok offene fiese Reaktionen auf ihre Falten anhören, während ältere Frauen häufig auch die andere Seite des Ageismus kennenlernen: das hier genannte Unsichtbarwerden.
Filme und Serien unterstützen diese Art des Ageismus, indem sie Frauen ab 50 kaum eine Rolle spielen lassen.
Im Rahmen einer Studie haben Forschende des Geena Davis Insitute on Gender in Media die 30 umsatzstärksten Filme des Jahres 2019 in Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und den USA untersucht. Das Ergebnis: Von den verfilmten Figuren Ü50 war nur ein Viertel weiblich. Es gab keine weiblichen Figuren über 49 Jahre in einer Hauptrolle. Und die Rollen, die es gab, wurden gehäuft als senil, ans Haus gefesselt, gebrechlich oder altbacken dargestellt.
Die gute Nachricht: Es wird etwas besser. In den letzten zehn, fünfzehn Jahren sind immer mehr Formate produziert worden, in denen ältere Frauen nicht nur im Vordergrund stehen, sondern auch mehr sein dürfen als biedere, exzentrische oder senile Omas, böse Stiefmütter oder alte Jungfern:
1. „Grace & Frankie“ (2015–2022)
Die Vorzeige-Sitcom über das Leben zweier Frauen über 70, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlinson) finden unfreiwillig zusammen, nachdem sich ihre jeweiligen Ehemänner als schwul outen und die beiden Frauen füreinander verlassen.
„Grace & Frankie“ lässt viel Platz für Gags und Lacher und Lily Tomlinson und Jane Fonda sind zusammen ein absolutes Comedy-Kraftwerk. Gleichzeitig zeigt die Serie aber auf oft rührende und greifbare Weise die facettenreichen Leben, Themen und Hürden zweier Frauen, die sich weigern, „auf dem Weg raus“ zu sein.
2. „Hello, My Name Is Doris“ (2015)
Nach einem Leben, in dem sie übersehen und ignoriert wurde, wagt Doris (Sally Fields) mit etwa 60 einen Neuanfang. Bisher hat sie ihre Zeit der Pflege ihrer kranken Mutter gewidmet. Nun ist sie ziellos und allein zurückgeblieben.
Als dann aber der gut 20 Jahre jüngere John (Max Greenfield) in ihrer Firma anfängt, verknallt sich Doris Hals über Kopf in ihn. Mithilfe der Teenie-Enkelin (Isabella Acres) ihrer besten Freundin (Tyne Daly) heckt Doris einen Plan aus, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
3. „Last Tango in Halifax“ (2012-2020)
Die britische Dramedy-Serie dreht sich um die beiden verwitweten Mittsiebziger Celia (Anne Reid) und Alan (Derek Jacobi), die nach 60 Jahren Funkstille ihre Jugendliebe wieder aufleben lassen.
Die Romanze zwischen Alan und Celia wird neben den Problemen ihrer eigenen erwachsenen Töchter gezeigt, und in der offiziellen Beschreibung der Serie heißt es, die Darstellung der Familie sei „ebenso düster wie komisch“.
Lucy Harmer, Vorstandsmitglied der Wohltätigkeitsorganisation Age UK, lobte die Serie für die Darstellung zweier „normaler, gesunder und geistig gesunder“ älterer Charaktere.
4. „Hacks“ (2021 – heute)
Preisgekrönte Comedy-Serie von Lucia Aniello, Paul W. Downs und Jen Statsky: Deborah Vance (Jean Smart) ist eine legendäre Stand-Up-Comedian Ende 60, deren Dauershow in Las Vegas nicht mehr verlängert werden soll. Weil ihre Gags nicht mehr zeitgemäß für ein jüngeres Publikum sind, wird ihr mehr oder weniger unfreiwillig die Gen-Z-Comedyautorin Ava (Hannah Einbinder) zur Seite gestellt, die kürzlich nach einem Twitter-Shitstorm gecancelt wurde.
Der Generationen-Clash der beiden Komikerinnen ist sehr, sehr lustig und zeigt auf, wie Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz in beide Richtungen gehen kann.
5. „Nomadland“ (2020)
Oscarprämiertes US-Sozialdrama von Chloé Zhao: Der Film erzählt die Geschichte von Fern (Frances McDormand), die nach dem Wirtschaftszusammenbruch in ihrem Heimatort im ländlichen Nevada erst ihre Arbeit verliert und dann ihr Zuhause aufgibt.
Fern entscheidet sich, ein Leben als moderne Nomadin zu führen. Sie lebt in ihrem Van und reist durch die Weiten des amerikanischen Westens, arbeitet in verschiedenen Gelegenheitsjobs, mal als Erntehelferin, mal in einem Versandhaus, begegnet zahlreichen anderen Nomad:innen und folgt ihrem kompromisslosen Streben nach Unabhängigkeit.
6. „Gloria – Das Leben wartet nicht“ (2018)
Bittersüße RomCom mit Julianne Moore: Gloria Bell (Moore) ist seit 12 Jahren geschieden und lebt allein in einer kleinen Wohnung in Los Angeles. Sie arbeitet tagsüber für eine Versicherung und hat keine größeren Karriereambitionen. Ihre erwachsenen Kinder haben schon lange ein eigenes Leben und sind nicht mehr auf sie angewiesen.
Gloria findet Ausgleich im Nachtleben, als sie anfängt, regelmäßig und leidenschaftlich tanzen zu gehen, wobei sie schließlich Arnold (John Turturro) kennenlernt.
„PopMatters“ beschreibt „Gloria“ als „eine tiefgründige Studie der Entfremdung und der Sehnsucht des Menschen, sich aus diesem Zustand zu befreien“.
7. „Otherhood“ (2019)
Fluffige Netflix-Komödie: Carol (Angela Bassett), Helen (Felicity Huffman) und Gillian (Patricia Arquette) sind langjährige Freundinnen und Mütter erwachsener Söhne, die länger schon von Zuhause ausgezogen sind und sich immer seltener melden. Nach ein paar Drinks zu viel beschließen die drei Freundinnen eines Abends, nach New York zu fahren, um die Funkstille ihrer Söhne mit einem Überraschungsbesuch zu beenden.
„Otherhood“ zeigt, wie Mütter mit dem „Empty-Nest-Syndrom“ kämpfen und versucht zu ergründen, wie viel Nähe oder Abstand zu erwachsenen Kindern für beide Seiten nötig ist.
Auch wenn der Trend in die richtige Richtung geht: Das Gros dieser neuen, älteren Frauenrollen ist noch immer weiß, heterosexuell und wohlhabend. Es braucht in Zukunft auf der Leinwand und im Fernsehen noch deutlich mehr Repräsentation älterer Women of Colour, queerer Frauen und Frauen aus den unteren sozialen Schichten.
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