„Variante unter Beobachtung“

Centaurus: Wie gefährlich die neue Corona-Variante Omikron BA.2.75 ist

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Die neue Corona-Variante „Centaurus“ bereitet Experten Sorgen, obwohl sie in Deutschland noch selten ist. Wie gefährlich die Omikron-Variante BA.2.75 ist.

Berlin – Die Corona-Sommerwelle in Deutschland scheint so bald kein Ende zu nehmen, die Sorge vor dem Herbst wächst. Am Donnerstag, 14. Juli 2022, lag die 7-Tage-Inzidenz in der Bundesrepublik laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 720,4 – am Vortag waren es noch 691,8. Dazu kommt erschwerend die neue Corona-Variante BA.2.75, auch bekannt unter dem Namen „Centaurus“, die Experten derzeit Sorgen bereitet. Wie gefährlich die Covid-Variante tatsächlich ist, berichtet Kreiszeitung.de.

Centaurus: Neue Omikron-Variante auch schon in Deutschland nachgewiesen

Die neue Corona-Variante mit dem Sternenbild-ähnlichen Namen Centaurus wurde erstmals im Mai 2022 in Indien nachgewiesen. Das zeigen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach handelt es sich bei BA.2.75 um eine Sublinie der Omikron-Variante BA.2, die offenbar zusätzliche Mutationen außerhalb des sogenannten Spike-Proteins aufweist. Das erklärte der Virologe Tom Peacock vom Imperial College in London auf Twitter.

„Es lohnt sich, BA.2.75 genau im Auge zu behalten“, sagte Peacock. Denn die wahrscheinliche Variante der zweiten Generation scheint ihm zufolge ein schnelles Wachstum und eine weite geografische Verbreitung aufzuweisen. Die Centaurus-Variante wurde laut Handelsblatt abgesehen von Indien bereits in zehn weiteren Ländern nachgewiesen. Dazu zählen auch Deutschland, Australien, Großbritannien, die USA und Kanada.

Wie heißt die neue Corona-Variante? Centaurus gilt in Deutschland noch als selten

Doch obwohl die neue Corona-Variante Centaurus schon in Deutschland aufgetaucht ist, gilt sie hierzulande noch als selten. Bislang dominiert nach wie vor die Omikron-Variante BA.5, der Anteil von BA.2 ist ZDF zufolge in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen. Auch in den Covid-Wochenberichten des RKIs lässt sich zu der neuen Variante BA.2.75 noch nichts finden.

Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel konnte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigen, dass die Centaurus-Variante zwar eine Reihe relevanter Mutationen habe, bislang aber sehr selten und hauptsächlich in Indien beobachtet worden sei. „Es ist durchaus möglich, dass BA.2.75 eine global erfolgreiche Variante wird, es ist aber zu früh, dies mit Sicherheit zu sagen“, sagte Neher.

Centaurus: Was über die neue Omikron-Variante bekannt ist – und wie gefährlich BA.2.75 wirklich ist. (kreiszeitung.de-Montage)

Experten in Sorge: Omikron-Variante Centaurus breitet sich schneller aus als andere Corona-Varianten

Trotzdem bereitet die Centaurus-Variante Experten aufgrund der schnellen Ausbreitung Sorgen. Shishi Luo hält laut Handelsblatt die Tatsache, dass BA.2.75 bereits in vielen Teilen der Welt selbst bei geringerer Virusüberwachung entdeckt wurde, für einen frühen Hinweis auf eine schnelle Ausbreitung. Luo arbeitet als Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten bei der US-Firma Helix.

Auch die Wissenschaftlerin Lipi Thukral vom CSIR Forschungsinstitut für Genetik und Integrative Biologie in Neu-Delhi schätzte die Ausbreitung von Centaurus schneller ein als die Verbreitung anderer Varianten. Seit Anfang Juli 2022 gilt BA.2.75 für das „Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten“ (ECDC) als „Variante unter Beobachtung“ – was ebenfalls für eine höhere Ansteckungswahrscheinlichkeit spricht und mit schwereren Krankheitsverläufen in Verbindung gebracht wird.

Welche Corona-Varianten gibt es? Centaurus setzt sich über Impfung und Genesung hinweg

Grund dafür sind wohl die zahlreichen Spike-Mutationen der neuen Corona-Variante Centaurus. „BA.2.75 hat zusätzlich zu den 29 Mutationen, die die BA.2-Linie ohnehin schon im Spike-Protein hat, noch weitere acht Mutationen. Es ist davon auszugehen, dass eine derartige Fülle an neuen Mutationen die Eigenschaften, den Immunschutz zu unterlaufen, weiter verstärken wird“, erklärte UIrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien dem ZDF.

Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass eine Covid-Impfung sowie eine vorherige Infektion gegen die BA.2.75-Variante weniger wirksam sein könnten. „Wenn sich BA.2.75 nun so rasch in Indien ausbreitet, dann liegt die Vermutung nahe, dass BA.2.75 die BA.2-Immunität umgeht wie BA.5 die BA.1-Immunität. In dem Fall ist auch international eine zügige Verbreitung zu erwarten“, bestätigt Elling. Dass eine Infektion mit BA.1 und BA.2 nicht vor der Omikron-Variante BA.5 schützt, wurde bereits nachgewiesen – eine zweite Infektion mit Corona verdoppelt zudem das Risiko für Long Covid.

Doch setzt Elling die Sorge um die neue Centaurus-Variante auch in Verhältnis mit der allgemeinen Coronavirus-Entwicklung und warnt vor einer neuen Welle: „Ob BA.2.75 oder eine andere Variante, nach BA.5 kommt wieder eine Welle. Und die Infektion in der einen Welle schützt nicht vor der Infektion in der nächsten oder übernächsten Welle. Infektion ‚auf Vorrat‘ funktioniert nicht, zumindest nicht als Ansteckungsschutz.“ Derzeit sind die Covid-Varianten Alpha, Beta, Gamma, Delta und Omikron bekannt.

Woher weiß man, welche Corona-Variante man hat – und lässt sich Centaurus mit Tests nachweisen?

Entgegen aktueller Befürchtungen in sozialen Netzwerken lässt sich die neue Corona-Variante Centaurus aber offenbar anhand von PCR-Tests nachweisen. „Dass B.2.75 per PCR nicht erkannt wird, ist sehr unwahrscheinlich“, schrieb die Schweizer Virologin Isabella Eckerle auf Twitter – räumte jedoch ein: „Dass die Schnelltests (insbes. bei wiederholten Infektionen) weniger zuverlässig sind, wurde allerdings bereits beschrieben.“

Richard Neher von der Universität Basel bestätigte laut dpa, dass Nachweisprobleme bei PCR-Tests unwahrscheinlich seien. Bei einem positiven PCR-Test können Ärzte eine Untersuchung auf die jeweiligen Virusvarianten veranlassen.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/Christian Ohde/Imago

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