Neue Studie

Long Covid: Zweite Infektion mit Corona verdoppelt Risiko für Langzeitfolgen

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Die zweite Corona-Infektion steigert die Gefahr für Long Covid laut einer Studie. Hochansteckende Varianten wie Omikron BA.5 erhöhen das Risiko damit klar.

Washington – Die Studienlage zu Corona wird täglich umfassender. Auch bei Long Covid kommen immer mehr Erkenntnisse an die Öffentlichkeit. Politik, Medizin und Gesellschaft reagieren auf immer neue Entwicklungen. Ein großes Thema der letzten Zeit ist die Erkrankung an Long Covid, der „neuen Volkskrankheit“, wie es eine Expertin nennt. Auch im Hinblick auf das Risiko nach einer zweiten Corona-Infektion oder mehrfachen Ansteckungen zunehmend Gefahr zu laufen, unter den Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Infektion zu leiden.

Denn laut einer neuen Studie erhöht die Reinfektion mit dem Virus die Gefahr langfristiger Probleme erheblich. Hochansteckende Virusvarianten wie Omikron BA.5 stellen damit auch für das Phänomen Long Covid ein besonderes Problem dar: Bereits nach vier Wochen kann eine Reinfektion mit Omikron BA.5 stattfinden. Auch Mehrfach-Geimpfte sollten das Risiko nicht unterschätzen.

Long Covid: Zweite Infektion mit Corona verdoppelt Risiko für Spätfolgen – Omikron BA.5 hochansteckend

Dass Omikron BA.5 hochansteckend ist, ist gemeinhin bekannt. Auch im Hinblick auf Long Covid wird diese Eigenschaft der Virusvariante nun zum Thema: Klar ist, mehr Corona-Infektionen bedeuten automatisch auch mehr Risiko für Long Covid – einfach, weil es mehr Fälle gibt. Doch es gibt offenbar noch einen weiteren Aspekt: Laut einer aktuellen, noch unveröffentlichten Preprint-Studie von Forschern der University of Washington verdoppelt sich die Gefahr für langfristige Folgen durch eine wiederholte Ansteckung, das berichtet der Focus. Eine Zweitinfektion ist keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen – selbst dann nicht, wenn in diese Schulter bereits mehrere Impfdosen verabreicht wurden.

Eine erneute Corona-Infektion könnte die Gefahr für Long-Covid laut einer Studie deutlich steigern. (Symbolbild)

Die Forschenden hatten laut Focus die Krankenkassen-Daten von 257.427 US-Armee-Veteranen auf Zweitinfektionen und Long Covid ausgewertet. Unter diesen Personen waren 36.417 zweimal erkrankt, 2263 dreimal und 246 viermal. Die Fälle von Langzeiterkrankungen wurden anschließend mit den Daten einer Gruppe von 4,5 Millionen Menschen ohne Corona-Infektion verglichen. Das Ergebnis: Diejenigen, die sich mehrfach infiziert hatten, hatten nicht nur während der akuten Phase, sondern ebenso im Zeitraum von sechs Monaten nach der Infektion ein doppelt so hohes Risiko für Folgeerkrankungen des Herzkreislaufsystems und der Atemwege. Auch die Hospitalisierungsrate und das Sterberisiko erhöhten sich mit der Reinfektion drastisch, ebenso wie das Risiko anderer Erkrankungen.

Long Covid: Omikron BA.5 umgeht Impfschutz gekonnt

Laut RKI gehen mittlerweile 77 Prozent der Ansteckungen in Deutschland auf die Sublinie Omikron BA.5 zurück. Wenngleich Impfungen gegen das Corona-Virus in vielen Fällen schwere Verläufe verhindern, schützen sie nicht zwingend vor einer Infektion oder den Langzeitfolgen von Long Covid: Impfdurchbrüche gibt es besonders bei Omikron BA.5, das die Impfung noch gekonnter umgeht als etwa Omikron BA2. Auch ohne schwere Verläufe kann Long Covid bei Corona-Infektionen mit Omikron und anderen Varianten auftreten. Öfter infiziert, höheres Risiko, so die neue Studie. Derweil führt Omikron BA.5 zu vielen Krankschreibungen, bereits jetzt.

Zuletzt hatte eine weitere Studie aus Großbritannien darauf schließen lassen, dass es unter Omikron generell weniger Long-Covid-Fälle geben könnte. Nichtsdestotrotz sorgt die Subvariante für einen derartig hohen Anstieg der Infektionszahlen, dass die Subtypen auch mit Blick auf Langzeitfolgen offenbar immer mehr zum Problem werden: Bereits im Zuge der damaligen Studie hatte der emeritierte Professor für angewandte Statistik an der Open University, Kevin McConway, laut BBC auf diesen Faktor hingewiesen. Er sagte bereits damals, die hohe Infektionszahl „übertrumpfe“ das vermeintlich niedrigere Risiko für Long Covid deutlich. Die Omikron-Variante gilt allgemein als besonders infektiös.

Long Covid: Impfung laut Studie zu den Langzeitfolgen keineswegs ein Freifahrtschein

Die Long Covid Studie kommt zu einem weiteren interessanten Ergebnis, das all diejenigen aufhorchen lassen sollte, die sich aufgrund ihres Impfstatus in falscher Sicherheit wägen: Das durch die Forschenden in der vorläufigen Studie festgestellte höhere Risiko für Langzeitfolgen bezog sich auch auf Ein- und Mehrfachgeimpfte. In anderen Worten: Die Impfung schützt in vielen Fällen vor schweren Verläufen, doch sie ist keine Impfung für Long Covid – und ersetzt damit keineswegs eigenverantwortliches Handeln im Alltag.

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Es gilt daher gerade jetzt vorsichtig zu bleiben und Vorsichtsmaßnahmen zum Selbstschutz und dem Schutz anderer zu ergreifen – auch Maßnahmen, die möglicherweise über gültige Corona-Regeln hinausgehen. Die Symptome einer Erkrankung an Long Covid sind vielfältig, auch wenn der Verlauf mild war, können sie auftreten. Mild ist der Verlauf indes auch für viele Geimpfte oft keineswegs, wie ein Erfahrungsbericht zeigt. Immer wieder gibt es neue Varianten, wie Omikron BA.2.75 – sie machen langfristig verlässliche Auskünfte schwierig. In Zeiten hoher Infektionszahlen gilt es insbesondere vulnerable Gruppen besonders zu schützen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek

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