Alpen-Wirt kassiert Kritik nach Verwandlung von Berghütte in Luxus-Resort
VonMarcus Giebel
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Mit Pool, Wellnessbereich sowie Champagner und Austern auf der Menükarte bietet eine Alpen-Hütte Luxus im Überfluss. Aber das gefällt nicht jedem.
Canazei – Ein Blick genügt, um zu erahnen, dass das Rifugio Fredarola keineswegs als gewöhnliche Berghütte durchgeht. Zumindest, wenn dieser Blick auf den Pool fällt, der sich an die Außenseite schmiegt und seinen Badegästen freie Sicht auf Gipfel wie Berghang gewährt. Die von Silvano Parmesani gemanagte Unterkunft auf 2370 Metern Höhe hat aber seit einigen Wochen noch viel mehr zu bieten. Was nicht nur Begeisterung hervorruft.
Der 54-Jährige ist Skilehrer und war Bürgermeister der Gemeinde Canazei, seit 2011 führt er die Fredarola-Berghütte in vierter Generation. Diese Aufgabe teilt er sich mit seiner Partnerin Sabrina, unterstützt werden sie von den Neffen Giulia und Patrick.
Alpen-Hütte bietet Luxus: Champagner, Austern, Pool und Wellnesscenter
Über den Luxus, in dem seine Gäste schwelgen können, sprach Parmesani in einem Interview mit dem Corriere del Trentino. Dabei lieferte er eine Übersicht über die Speise- und Getränkekarte, die neben eher klassischer Küche mit Käse, Speck, Knödeln, Polenta mit Pilzen, gegrilltem Fleisch oder Pizza aus dem Holzofen auch frischen Fisch, Austern sowie Champagner und lokale Weine beinhaltet. Außerdem wartet die Hütte laut dem Gastgeber mit einem 50 Quadratmeter großen Schwimmbad, einem Wellnesscenter mit Türkischem Bad, Whirlpool, finnischer Sauna und Erlebnisdusche auf.
Neben der Küche seien bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten auch die zehn Zimmer modernisiert worden. Zwei von ihnen sind Suiten mit privater Sauna. Luxus pur mitten in den Bergen. Mit Blick auf die Marmolata, den höchsten Berg weit und breit.
Kritik an Fredarola-Berghütte: „Hymne an den prolligen Zeitgeist“
Dieses gehobene Angebot ist für einige User aber deutlich zu viel des Guten. Zwar bekommt die Fredarola-Hütte in den sozialen Medien viel Lob und Liebe, aber es setzt auch deutliche Kritik am ausgefallenen Konzept. Ein Facebook-Freund schreibt etwa, das Essen sei gut und die Aussicht fantastisch, um dann mahnend den Finger zu heben: „Eine Zuflucht sollte eine Zuflucht sein, keine 5-Sterne-Unterkunft. Sie verzerren den Berg im Namen des Gottes des Geldes.“
Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Andere sollen moniert haben: „Wer die Berge liebt, ist entsetzt.“ Und: „Champagner und Austern in einer Schutzhütte sind eine Hymne an Vulgarität.“ User, die sich selbst als „echte Bergliebhaber“ betiteln, halten Parmesani laut Südtirol News vor, bei seiner Hütte handele es sich um eine „Hymne an den prolligen Zeitgeist“, die den „Geschmack von reichen Prolls“ widerspiegeln würde.
Das will der Hütten-Chef nicht auf sich sitzen lassen. „Trotz dieser Innovationen richten wir uns nicht ausschließlich an ein Elitepublikum: Wir möchten ein alternatives Erlebnis bieten und auf die Bedürfnisse einer vielfältigen Kundschaft eingehen“, entgegnet Parmesani.
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Hütten-Wirt verteidigt sich gegen Kritik: „Wanderer können immer auf uns zählen“
Bei ihm seien natürlich auch „traditionelle Wanderer und Skifahrer willkommen, die in die Berge kommen, um nach einem Tag im Schnee oder einem Ausflug eine Polenta zu genießen. Es ist wichtig, die unterschiedlichen Anforderungen des Bergtourismus zu berücksichtigen und die Tradition aufrechtzuerhalten.“
Dies soll auch der neue Name unterstreichen. Die Hütte heißt nicht mehr nur Fredarola, sondern hört mittlerweile auf den Namen Fredarola Harbor. Die Umbenennung solle „betonen, dass Wanderer im Bedarfsfall immer auf uns als Berggarnison zählen können, um Schutz zu suchen, sich zu erfrischen oder in Notsituationen Hilfe zu erhalten“. Eine Luxus-Hütte als sicherer Hafen in der weiten Natur.
Alpen-Wirt als „Heuchler“ beschimpft: Kritik reißt auch nach Interview nicht ab
Sollte Parmesani gehofft haben, mit dem Interview die Kritiker zum Verstummen bringen zu können, hat er sich jedoch getäuscht. Unter dem Facebook-Post kommentieren nicht nur Fans. „Es ist beschämend, wenn Sie behaupten, dass Touristen mehr verlangen…Heuchler“, wettert jemand. Außerdem findet sich diese Empfehlung: „Eröffnen Sie Ihr ‚Refugium‘ am Gardasee, Sie verdienen viel mehr und vermeiden es, die Berge und diejenigen, die die Berge schätzen, zu beleidigen.“
Wahrscheinlich werden viele Kritiker bei ihren Wanderungen einen Bogen um das imposante Gebäude machen, das in diesen Höhen wohl seinesgleichen sucht. Und damit den Außenpool gar nicht erst zu Gesicht bekommen.
Da kann sich Parmesani noch so bemühen, ihnen die Hand zu reichen. Er versichert auch: „Zwar legen wir heute viel Wert auf Komfort, aber wir bleiben in jeder Hinsicht ein Zufluchtsort.“
Ein anderer Wirt reagiert mit einer überraschenden Aktion auf Vorwürfe von Wanderern, er rufe zu hohe Preise auf. Weil sich Gäste in seiner Dolomiten-Hütte danebenbenehmen, ist der betroffene Wirt fassungslos. Eine Wirtin beschwert sich derweil über die Respektlosigkeit einiger Gäste. (mg)