VonPia Seitlerschließen
Ein Mann fährt in eine Menschenansammlung in München. Ein Terrorismusexperte erklärt, was gegen solche Szenarien helfen kann und was die Politik jetzt tun muss.
Am Donnerstagvormittag (13. Februar) ist ein Mann in München mit einem Auto von hinten in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi gefahren. Mindestens 28 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt, einige von ihnen schwer. Auch Kinder sind unter den Verletzten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schreibt auf X von einem „schweren Anschlag“.
Es passiert nicht einmal zwei Monate, nachdem in Magdeburg ein 50-Jähriger mit einem Auto in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gerast ist. Kommt es zu einer Häufung solcher Ereignisse? „Es handelt sich bei dem Vorfall in München um ein klassisches Anschlagsszenario und jeder erfolgreiche Anschlag motiviert weitere Menschen, solche Anschläge zu machen“, sagt Hans-Jakob Schindler gegenüber BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Schindler ist Terrorismus-Experte und Direktor des Counter Extremism Projects (CEP). „An Weihnachten in Magdeburg und an Neujahr in New Orleans wurden Autos benutzt. Insofern ist es nicht total überraschend, dass wieder ein Anschlag mit einem Auto versucht wird“, sagt er.
Auto fährt in München in Menschenmenge: Da „helfen nur physische Barrieren“
Der mutmaßliche Anschlag in München soll sich laut dem Vizepräsidenten des Münchner Polizeipräsidiums, Christian Huber, so ereignet haben: Gegen 10.30 Uhr fuhr ein 24-jähriger Mann mit seinem Auto hinter der Demo her, er überholte einen Polizeiwagen zur Absicherung der Gruppe, beschleunigte – und fuhr in das Ende des Demonstrationszuges.
Bei Anschlagszenarien, in denen mit Autos in Menschenmengen gefahren wird, „helfen nur physische Barrieren und diese müssen so sein, dass kein Auto durchkommen kann“, sagt Schindler BuzzFeed News Deutschland. Nach dem Vorfall in München müsse man prüfen, warum die Demonstration von hinten nicht ausreichend geschützt gewesen sei.
Welche Konsequenzen, nach dem mutmaßlichem Anschlag in München wichtig sind
Beim mutmaßlichen Täter in München und Fahrer handelt es sich laut Polizei um einen 24-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan. Zunächst hieß es laut Innenminister Joachim Herrmann, er sei polizeibekannt und wegen Ladendiebstahls und Betäubungsmittelverstößen aufgefallen. Mittlerweile korrigierte die Münchner Polizei diese Aussagen: Der mutmaßliche Täter sei nur aufgrund von Zeugenaussagen polizeibekannt, er habe zudem eine gültige Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis der Stadt besessen.
Vor der Tat soll er einen mutmaßlich islamistischen Post abgesetzt haben. Die bayerische Zentralstelle für Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus der Generalstaatsanwaltschaft München hat die Ermittlungen aufgenommen.
„Vor der Tat in München hatten wir keine Hinweise der Sozialen Medien, dass sich der mutmaßliche Täter in Richtung Gewalt radikalisiert hat, obwohl er mutmaßlich islamistische Posts abgesetzt haben soll“, kritisiert Schindler. Er nennt Elemente, die jetzt wichtig seien: Wir müssten über Befugnisse der Sicherheitsbehörden im Onlinebereich reden und über die nicht existierende Verpflichtung der Sozialen Medien proaktiv zusammenzuarbeiten.
Experte Schindler stimmt Söder zu – „aber alleine Konsequenzen bei der Migration wird den Terrorismus nicht verhindern können“
Söder sagte, der Vorfall in München müsse Konsequenzen nach sich ziehen. „Aus jedem Anschlag müssen Lehren gezogen werden, um die physischen Barrieren beim nächsten Großereignis zu verbessern“, stimmt Schindler zu. Man müsse auch darüber reden, wie wir das Management von Migration und Abschiebungen verbessern könnten. „Aber alleine Konsequenzen bei der Migration wird den Terrorismus nicht verhindern können. Man braucht alle diese Elemente“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.
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