Tropenkrankheit

Deutlicher Anstieg der Denguefieber-Fälle in Deutschland – Tigermücke sorgte bereits für Aufruhr am Gardasee

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Bereits über 30 Denguefieber-Fälle wurden 2024 in Deutschland gemeldet. Die Tigermücke, die den Virus überträgt, ist inzwischen auch in Deutschland anzutreffen.

München – Denguefieber ist eine Krankheit, um die man sich früher nur bei einer Reise in die Tropen Gedanken machen musste. Durch den Klimawandel verbreiten sich die Mückenarten, die Überträger des Virus sind, jedoch immer mehr. Jedes Jahr stecken sich zwischen 284 und 528 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus an. In Deutschland gibt es aktuell eine Zunahme der gemeldeten Fälle.

Signifikant mehr Denguefieber-Fälle verzeichnet – höchste Zahl seit 2001

In der Hauptstadt Berlin wurden in diesem Jahr bereits 39 Fälle der potenziell tödlichen Tropenkrankheit registriert. Dies ist laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie. Zum Vergleich: Zwischen 2015 und 2019 lag der Durchschnittswert bei 18. Zwei der Betroffenen mussten dieses Jahr im Krankenhaus behandelt werden. Auch die WHO warnt vor dem Virus.

In der letzten Berichtswoche Ende März wurden allein 13 Fälle gemeldet. Von diesen wurde bisher nur einer bestätigt, weitere Bestätigungen stehen noch aus. Dies ist laut Lageso die höchste jemals gemeldete Zahl seit dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001.

Die Asiatische Tigermücke kann Dengue-Viren durch einen Stich auf den Menschen übertragen – sofern sie infiziert ist.

Zwei Mückenarten übertragen das Denguefieber – inzwischen ist eine davon auch in Deutschland anzutreffen

Die Krankheit wird durch den Stich einer infizierten Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) oder der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. Das Tropeninstitut informiert: „Eine infizierte Mücke kann das Virus für den Rest ihres Lebens übertragen“. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) war das Virus lange Zeit nur in tropischen und subtropischen Regionen zu finden. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Denguefieber jedoch geografisch ausgebreitet. Dies ist unter anderem auf die Auswirkungen des Klimawandels zurückzuführen, die durch steigende Temperaturen und Hitzewellen günstigere Bedingungen für die Mücken schaffen. Laut RKI ist die Asiatische Tigermücke mittlerweile in 13 EU-Ländern verbreitet (Stand 2023). Auch in Deutschland breitet sich die Mücke immer weiter aus. Vergangenes Jahr gab es sogar am Gardasee Denguefieber-Fälle.

Impfungen gegen und Symptome des Denguefiebers

  • Plötzliches Fieber
  • Hautausschlag
  • Starken Muskelschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Die meisten Symptome verschwinden schnell wieder. In seltenen, aber schweren Fällen kann jedoch hämorrhagisches Denguefieber auftreten. Besonders junge Erwachsene und Kinder sind betroffen. Tage nach dem Fieber können innere Blutungen auftreten. Es kommt zu einer Störung der Blutplättchen, was zu einer schlechteren Durchblutung der Organe führt. Innerhalb weniger Tage kann es zum Kreislaufversagen (Dengue-Schock-Syndrom) kommen. Ohne entsprechende Behandlung enden 40 bis 50 Prozent der Fälle tödlich.

In der EU sind derzeit zwei Impfstoffe zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung insbesondere für Reisen in Dengue-Endemiegebiete. Eine erneute Infektion mit dem Virus kann das Risiko für einen schweren Verlauf um das Neunfache erhöhen.

Mehr Denguefieber-Erkrankungen in ganz Europa

Die in Deutschland gemeldeten Fälle haben sich im Ausland infiziert. Im letzten Jahr wurden laut RKI vermehrt Infektionen nach Reisen nach Ägypten festgestellt. Daher ist in betroffenen Regionen ein konsequenter Mückenschutz am gesamten Körper unerlässlich, beispielsweise durch das Tragen von langärmeliger Kleidung oder die Verwendung von Mückenspray. Das Infektionsrisiko hängt unter anderem vom Reiseland, der Reisedauer, der Saison und der aktuellen Dengue-Aktivität ab. Grundsätzlich ist es jedoch selten, dass Reisende an einem schweren Verlauf erkranken oder daran sterben.

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Eine mit Coronaviren befallene Zelle
Ende 2019 wurde zum ersten Mal über das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet. Zuerst nur in China diagnostiziert, breitete sich die durch Coronaviren ausgelöste Krankheit Covid-19 weltweit aus. Die Pandemie hat im Jahr 2020 weltweit etwa 1.900.000 Todesopfer gefordert. Auf der Darstellung oben ist eine menschliche Zelle (grün) zu sehen, die mit Coronaviren (gelb) infiziert ist.  © Niaid/dpa
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16)
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. © dpa
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Auslöser der Tuberkulose sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis)
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

Brasilien ist eines der bekanntesten Risikogebiete. In diesem Jahr erlebte das südamerikanische Land den wohl schwersten Ausbruch seiner Geschichte. Bis Ende März wurden 1,9 Millionen wahrscheinliche Infektionen mit dem Dengue-Virus registriert. Heftige Regenfälle und hohe Temperaturen in den letzten Monaten könnten die Ursache sein. Auch in Argentinien und Peru sind die Zahlen zuletzt gestiegen.

Obwohl die meisten Menschen sich im Ausland mit Dengue infizieren, besteht laut Lageso das Risiko, dass sich langfristig auch Menschen in Deutschland mit dem Denguefieber infizieren könnten. (kas/sp/dpa)

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