Antarktis plötzlich grün – „Der Beginn eines dramatischen Wandels“
VonKarolin Schaefer
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Die Antarktis wird immer grüner. Das empfindliche Ökosystem steht vor weitreichenden Veränderungen. Forscher sind alarmiert.
München – Ein Großteil der Antarktis ist mit Eis bedeckt. Die Eisschicht bestimmt maßgeblich die Wetter- und Klimabedingungen über dem Kontinent und dem Südpolarmeer. Selbst im antarktischen Sommer steigen die Temperaturen nur in wenigen Gebieten über den Gefrierpunkt. Doch auch hier ist der Klimawandel mittlerweile spürbar.
Antarktis wird immer grüner – Forscher sind „schockiert“
Aktuelle Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Antarktische Halbinsel zunehmend grüner wird. „Das ist der Beginn eines dramatischen Wandels“, erklärte Olly Bartlett, Autor der Studie und Forscher an der University of Hertfordshire, gegenüber der Fachzeitschrift Nature.
A fast-warming region of Antarctica is getting greener with shocking speed. https://t.co/XENR9O79eE
Die Studie, die bei Nature Geoscience veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Begrünung zwischen 1986 und 2021 um mehr als das Zehnfache zugenommen hat. Im Jahr 1986 betrug die Vegetationsbedeckung noch 0,863 Quadratkilometer, im Jahr 2021 waren es bereits 11,947 Quadratkilometer. „Diese Zahlen haben uns schockiert“, so Thomas Roland, Mitautor der Studie und Geograf an der University of Exeter. „Es ist einfach die Geschwindigkeit der Veränderungen in einem extrem isolierten, extrem gefährdeten Gebiet, die uns alarmiert.“
Die Veränderung der Vegetation scheint dabei vor allem eine Reaktion auf die globale Erwärmung zu sein und „deutet auf künftige weitreichende Veränderungen“ im Ökosystem hin. Die Forscher befürchten sogar einen Zusammenbruch des empfindlichen Ökosystems.
„Dramatisch vergrößert“: Antarktis ist plötzlich grün – Forscher sind alarmiert
Auf der Antarktischen Halbinsel ist nur ein kleiner Teil von Pflanzen besiedelt, hauptsächlich Moose. „Aber dieser winzige Teil hat sich dramatisch vergrößert – was zeigt, dass selbst diese riesige und isolierte ‚Wildnis‘ vom anthropogenen Klimawandel betroffen ist“, wurde Roland vom MDR zitiert. Wenn sich die Pflanzen auf der zuvor eisbedeckten Landschaft ausbreiten, könnte die Antarktis von invasiven Arten befallen und damit das sensible Ökosystem gefährdet werden.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Immer wieder warnen Forscher vor schmelzenden Eiskappen am Südpol. Erst kürzlich löste der Zusammenbruch des Polarwirbels ein ungewöhnliches Wetter-Phänomen in der Antarktis aus. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace erwärmt sich die Antarktische Halbinsel im Durchschnitt um 3,7 Grad pro Jahrhundert. Zum Vergleich: Das globale Mittel liegt bei 0,6 Grad pro Jahrhundert. Im Februar 2020 wurde in der Antarktis erstmals eine Temperatur von 18,3 Grad gemessen. (kas)