Ein Kontinent hebt sich – die Auswirkungen könnten drastisch sein
VonKristina Geldt
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Wissenschaftler haben entdeckt, dass sich die Antarktis wegen des Schmelzens von Gletschern hebt – mit positiven und negativen Effekten.
München – Es ist bekannt, dass die Eiskappen an der Arktis und Antarktis schmelzen. Der daraus resultierende Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Lebensräume von zahlreichen Menschen, die auf Inseln oder in Küstenregionen leben und treibt beispielsweise Eisbären aus ihren Jagdgebieten immer mehr in die Nähe von Dörfern, berichtet die Umweltschutzorganisation WWF. Eine neue Studie zeigt nun, wie sich das Schmelzen auch auf das Land unter dem Eis in der Antarktis auswirken kann. Ergebnisse zeigen: das Land hebt sich.
Phänomen mit gewaltigen Auswirkungen: Land hebt sich wegen Gletscherschmelzen an
Forscher haben laut der Online-Plattform Colorado Sun festgestellt, dass sich das Eisschmelzen in der westlichen Antarktis in einem sogenannten „feedback loop“ befindet. Das sei eine Rückkopplungsschleife, die das Schmelzen des westantarktischen Eisschildes weiter begünstige. Wasser dringe dabei in die „Schüssel“ aus kontinentalem Gestein ein, die einen massiven Gletscher hält, und bringe das Eis so schneller zum Schmelzen. Das heißt: je mehr Eis schmilzt, desto mehr steige das Wasser und umso mehr davon dringe zum Gletscher vor. Das wiederum sorge dafür, dass noch mehr Eis schmelze. Eine andere Studie zeigt, wie warmes Wasser unter die Eisdecke sickert, und das Schmelzen ebenfalls beschleunigen kann.
Was passiert aber mit dem Land unter den Eiskappen, wenn sie schmelzen? Bei Untersuchungen im Rahmen der Studie zeigt sich, dass das Gestein durch den verringerten Druck nach oben gedrückt werde und damit den Verlust weiteren Eises an das Meer verlangsame. Dieser Effekt wird Berichten der kanadischen McGill Universität zufolge auch „postglaziale Hebung“ genannt.
Wenn das Eis schneller schmilzt, als das Land sich hebt: Meeresspiegel steigt schneller an
An der Studie beteiligte Forscher haben laut sciencealert.com auch den Erdmantel unter der antarktischen Eisdecke untersucht. Dabei sei herausgekommen, dass er „in einigen wichtigen Bereichen besonders weich ist“. Das könne den unerwartet schnellen Anstieg des Landes verursachen. Genauso unerwartet verhält sich der größte Eisberg der Welt, der sich vom Schelfeis der Antarktis vor 30 Jahren löste und sich nun um seine eigene Achse dreht.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde
Das Team habe entdeckt, dass das Gestein in der westlichen Antarktis, also die Region unterhalb Südamerikas, um ungefähr fünf Zentimeter im Jahr steige, berichtet Colorado Sun. Wenn das Schmelzen auf einem niedrigen oder moderaten Niveau bleibe, könne das also die Bedrohung durch den wachsenden Meeresspiegel beheben. Der Effekt wirke wie eine natürliche Bremse für den Verlust der Eismassen, heißt es von Seiten der McGill Universität. Weiter heißt es, dass das laut Studie den Beitrag der Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 40 Prozent reduzieren könnte.
„Miami und New Orleans unter Wasser“: Küstenregionen von Anstieg des Meeresspiegels bedroht
Schmelzen die Gletscher jedoch weiterhin im selben Tempo wie bisher, könne das Kontinentalgestein nicht mit ihm Schritt halten. Stattdessen könne das den Anstieg des Meeresspiegels entlang besiedelter Küstenregionen beschleunigen. „Sollte es zu einer noch höheren Schmelzgeschwindigkeit kommen, werden noch zu unseren Lebzeiten Miami und New Orleans unter Wasser stehen, sofern sich die Temperaturen nicht stabilisieren“, heißt es in einem Bericht der McGill Universität. Sorge bereitet Experten auch ein weiteres Phänomen in der Antarktis.
Mithilfe eines 3D-Modells haben die Forscher herausgefunden, dass sich der Meeresspiegel bei geringer Erderwärmung bis 2500 um bis zu 1,7 Meter erheben werde, schreibt sciencealert.com. Bei ungebremster Erderwärmung liege dieser Wert bei 19,5 Metern. Sollte das Eisschild schneller schmelzen, als sich das Land heben kann, dann gelange mehr Wasser ins Meer und der Meeresspiegel steige rasanter. (gel)