Ärger in den Alpen

„Ideologische Wut“: Politiker ändern Namen von Ski-Ort – Sturm der Entrüstung erzwingt Kehrtwende

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In dem berühmten Ski-Ort Cervinia in Italien gibt es erneut Namens-Ärger. Dabei war der Name gerade erst geändert worden. Doch das hat schlimme Folgen.

Le Breuil – Die Ski-Saison ist gestartet! Doch einige Alpen-Fans könnten aktuell eine Überraschung erleben. Denn ein berühmter Ski-Ort heißt plötzlich nicht mehr, wie gewohnt. Es geht um das Berg-Dorf Breuil-Cervinia in Italien.

Das Skigebiet auf der italienischen Seite des Matterhorns gehört laut schneehöhen.de gemeinsam mit dem Schweizer Skiort Zermatt zu den größten und schneesichersten Skigebieten der Alpen. 360 Kilometer Pisten, 19 Gondelbahnen und etliche Schlepp- und Sessellifte locken jedes Jahr im Winter zahlreiche Ski-Fans an. Doch schon seit einiger Zeit gibt es in Italien Aufregung um den Namen des Ortes.

Ski-Ort in Italien ändert Namen: Sturm der Entrüstung bei Einwohnern

Ein Ski-Ort ringt um seinen Namen: Cervinio soll nur noch Le Breuil heißen - doch es folgt die Wende. (Archivbild)

Denn bekannt ist der Ort, der bisher den Doppelnamen Breuil-Cervinia trug, vor allem unter dem italienischen Namen Cervinia. Dieser leitet sich vom italienischen Wort Cervino, dem Namen für das Matterhorn, ab. Doch jetzt wurde dieser Name offiziell gestrichen und der Ort heißt nur noch Le Breuil, wie Rainews berichtet.

Der Hintergrund: Das Aostatal, in dem der Ort liegt, steht seit dem 11. Jahrhundert unter der Herrschaft der Savoyen und war französischsprachig. Hier hieß der Ort stets Le Breuil – was so viel wie sumpfige Hochebene bedeutet. Erst 1861 wurde das Tal Teil des neuen Königreichs Italien. Die Faschisten unter Benito Mussolini strengten – wie auch in Südtirol – eine Italianisierungswelle an. Und so bekam der Ort Le Breuil den neuen Namen Cervinia. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden viele von den Faschisten erzwungene Namen wieder gestrichen. Nicht so bei Breuil-Cervinia. Der Name blieb und der Ort wurde im Laufe der Zeit zum beliebten Ski-Ort.

Ranking: Die 15 schönsten und beliebtesten Urlaubsorte Italiens

Siena campo
Platz 15 belegt Siena in der Toskana. Mit der schönen Altstadt und unnachahmlichen Bauwerken zieht die Stadt Urlauber immer wieder in ihren Bann.  © Marco Brivio
Roca Vecchia in Apulien: Die Aufnahme der „Höhle der Poesie“ bei Sonnenuntergang
Roca Vecchial in Apulien: Die Aufnahme der „Höhle der Poesie“ bei Sonnenuntergang steht nur symbolisch für die vielen herrlichen Strände und Landschaften im Südosten Italiens. Rang 14 im IPPEN-Ranking. © IMAGO/Manuel Romano
Sizilien Letojanni
Die Strände Siziliens sind einzigartig und bezaubernd. Bei Check24 belegt die Insel daher den zwölften Platz. In diesem Ranking Platz Nummer 13. Auf dem Foto sieht man den Strand von Letojanni.  © Matthias Tödt
Mailänder Dom
Die norditalienische Metropole Mailand ist bekannt für die wunderschöne Altstadt und etliche teure Modemarken. Hier sieht man den Dom im Zentrum der Stadt. Im Ranking belegt Mailand den elften Platz. Bei Check24 sogar Platz 7.  © Oliver Weiken
Lago Maggiore
Auf Platz 11 ist der prachtvolle Lago Maggiore. Ein Teil des Sees ist in der Schweiz. Bei weg.de ist der Lago Maggiore sogar auf dem siebten Platz der beliebtesten Urlaubsorte in Italien.  © Nando Lardi
Bozen, Italien, Südtirol
Auch Südtirol ist unter Italien-Fans besonders beliebt. Hier erhascht man einen Blick über die Alpen auf die Stadt Bozen.  © Micha Korb
Elba sonnenuntergang
Die kleine Insel Elba ist momentan noch ein Geheimtipp. Hier erlebt man bezaubernde Natur und typische italienische Dörfer. Daher ein verdienter Platz neun.  © Karsten Jeltsch
Cinque Terre Italien
Unter Urlaubern ist außerdem die Cinque Terre besonders beliebt. Die meisten der fünf Dörfer erreicht man nur zu Fuß oder mit einer Bahn.  © Augst / Eibner-Pressefoto
Marina Grande capri
Nicht umsonst ist die kleine Insel Capri im Golf von Neapel ein regelrechter Touristenmagnet. Hier vor Ort kann man nicht nur durch wunderschöne Dörfer schlendern, sondern auch das Meer und die Natur genießen.  © Günter Gräfenhain
Colosseum in Rome
Italiens Hauptstadt Rom hat für alle Gäste etwas zu bieten und belegt daher den sechsten Platz. So zum Beispiel das weltberühmte Kolosseum. Im Ranking von Check24 belegt Rom sogar den zweiten Platz.  © Givaga
Venedig platz acht
Venedig ist mit seinen vielen Kanälen und kleinen Gassen einzigartig. Ein Besuch lohnt sich definitiv, allerdings sollte man am besten im Frühling oder Herbst in die Stadt kommen. Venedig belegt daher den fünften Platz der Top 15 Urlaubsziele in Italien, bei Check24 ist die Stadt an der Adria sogar Erster.  © Frank Bienewald
Florenz-skyline
Das bezaubernde Florenz in der Toskana belegt den vierten Platz. Hier kann man sich durch kleine Gassen treiben lassen und ohne Ende Kultur genießen. © alimdi / Michelle Gilders
Amalfiküste Italien
Die Amalfiküste südlich von der Metropole Neapel belegt den dritten Platz im Ranking um die schönsten Urlaubsorte in Italien.  © Günter Gräfenhain
Costa Smeralda
An der Costa Smeralda auf Sardinien gibt es Strände, die teilweise welchen in der Karibik gleichen. Nicht umsonst belegt sie daher den zweiten Platz. Auch auf dem Reiseportal weg.de zählt die Küste auf Sardinien zu den schönsten Reisezielen in Italien. © Emmanuele Contini
Desenzano del Garda
Den ersten Platz der beliebtesten und schönsten Urlaubsorte in Italien belegt laut weg.de ganz klar der Gardasee. Hier sieht man das wunderschöne Städtchen Desenzano del Garda am Abend.  © Imago / Augst / Eibner-Pressefoto

Dieses Jahr nun wollten die Politiker der 700-Seelen-Gemeinde dann doch zum historischen Namen zurückkehren und den „faschistischen“ Namen ablegen. Der Gemeinderat der Gemeinde Valtournenche, zu der der Ort gehört, stimmte bereits im April dafür, den Doppelnamen zu streichen und den Ortsnamen in Le Breuil zu ändern. Doch der Entschluss löste in Italien einen Aufschrei aus.

Wut nach Namensänderung von Ski-Ort: Jetzt rudern Politiker zurück

„Cervinia ändert seinen Namen und ich verstehe nicht, warum. Eine so drastische Änderung kann dem Tourismus und dem Image des gesamten Aostatals nur schaden. Denkt noch einmal darüber nach“, sagte etwa Italiens Tourismus-Ministerin Daniela Santanche laut südtirolnews.it. Alessandro Urzi, der Fraktionsvorsitzende der Fratelli d‘Italia im Verfassungsausschuss der Abgeordnetenkammer, sprach von „ideologischer Wut“.

Lange hörte man aber nichts mehr und auch die Bewohner wussten offenbar in der Breite nichts von dem Beschluss. Erst als bekannt wurde, dass alle Straßenschilder geändert werden und die Bewohner sich neue Ausweise ausstellen lassen müssen, brach laut dem Südtiroler Portal ein Sturm der Entrüstung los. Auf Internet-Plattformen wurden mehrere Petitionen gestartet – mit Tausenden Stimmen – viele davon wohl auch Touristen, die immer wieder in den Ort zurückkehren und sich verbunden fühlen.

Ski-Ort rudert zurück: Neue Bürgermeisterin will erneute Namensänderung

Offenbar mit Erfolg. Den die neue Bürgermeisterin des Ortes will den Beschluss offenbar erneut rückgängig machen. Sie war zuvor Gemeindereferentin, „steht nun aber nicht mehr so ganz hinter der Idee“, schreibt Rainews. Ihr Vize drängt gar darauf, dass der Doppelname bestehen bleibt. Auch die wirtschaftlich mächtige Liftgesellschaft vor Ort, die das Wort Cervinia im Namen trägt, macht offenbar Druck.

Und die Kehrtwende wird offenbar tatsächlich vollzogen: Die Bürgermeisterin von Valtournenche, Elisa Cicco, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa: „Es wurden Verfahren zur Wiederherstellung des Namens Breuil-Cervinia eingeleitet“. Man werde die „Anfrage an die Region senden, den Namen (wieder, der Red.) zu ändern“, sagte sie nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Region Aostatal, Renzo Testolin.

Damit würde man wohl auch viel Geld sparen. Denn nicht nur Straßenschilder und Ausweise müssten erneuert werden: Auch eine Image-Kampagne wäre nötig – ist der Ski-Ort doch unter dem Namen Cervinia bekannt. Ein Marketingexperte rechnete der Zeitung Il Sole 24 ore vor, dass Cervinia über fünf Jahre allein auf dem italienischen Markt mindestens fünf Millionen Euro pro Jahr investieren müsste, um den neuen Namen annähernd so bekannt zu machen, wie Cervinia.

In Italien sorgen aktuell neue, sehr strenge Ski-Regeln für Aufsehen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Design Pics

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