VonRichard Stroblschließen
In dem berühmten Ski-Ort Cervinia in Italien gibt es erneut Namens-Ärger. Dabei war der Name gerade erst geändert worden. Doch das hat schlimme Folgen.
Le Breuil – Die Ski-Saison ist gestartet! Doch einige Alpen-Fans könnten aktuell eine Überraschung erleben. Denn ein berühmter Ski-Ort heißt plötzlich nicht mehr, wie gewohnt. Es geht um das Berg-Dorf Breuil-Cervinia in Italien.
Das Skigebiet auf der italienischen Seite des Matterhorns gehört laut schneehöhen.de gemeinsam mit dem Schweizer Skiort Zermatt zu den größten und schneesichersten Skigebieten der Alpen. 360 Kilometer Pisten, 19 Gondelbahnen und etliche Schlepp- und Sessellifte locken jedes Jahr im Winter zahlreiche Ski-Fans an. Doch schon seit einiger Zeit gibt es in Italien Aufregung um den Namen des Ortes.
Ski-Ort in Italien ändert Namen: Sturm der Entrüstung bei Einwohnern
Denn bekannt ist der Ort, der bisher den Doppelnamen Breuil-Cervinia trug, vor allem unter dem italienischen Namen Cervinia. Dieser leitet sich vom italienischen Wort Cervino, dem Namen für das Matterhorn, ab. Doch jetzt wurde dieser Name offiziell gestrichen und der Ort heißt nur noch Le Breuil, wie Rainews berichtet.
Der Hintergrund: Das Aostatal, in dem der Ort liegt, steht seit dem 11. Jahrhundert unter der Herrschaft der Savoyen und war französischsprachig. Hier hieß der Ort stets Le Breuil – was so viel wie sumpfige Hochebene bedeutet. Erst 1861 wurde das Tal Teil des neuen Königreichs Italien. Die Faschisten unter Benito Mussolini strengten – wie auch in Südtirol – eine Italianisierungswelle an. Und so bekam der Ort Le Breuil den neuen Namen Cervinia. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden viele von den Faschisten erzwungene Namen wieder gestrichen. Nicht so bei Breuil-Cervinia. Der Name blieb und der Ort wurde im Laufe der Zeit zum beliebten Ski-Ort.
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Dieses Jahr nun wollten die Politiker der 700-Seelen-Gemeinde dann doch zum historischen Namen zurückkehren und den „faschistischen“ Namen ablegen. Der Gemeinderat der Gemeinde Valtournenche, zu der der Ort gehört, stimmte bereits im April dafür, den Doppelnamen zu streichen und den Ortsnamen in Le Breuil zu ändern. Doch der Entschluss löste in Italien einen Aufschrei aus.
Wut nach Namensänderung von Ski-Ort: Jetzt rudern Politiker zurück
„Cervinia ändert seinen Namen und ich verstehe nicht, warum. Eine so drastische Änderung kann dem Tourismus und dem Image des gesamten Aostatals nur schaden. Denkt noch einmal darüber nach“, sagte etwa Italiens Tourismus-Ministerin Daniela Santanche laut südtirolnews.it. Alessandro Urzi, der Fraktionsvorsitzende der Fratelli d‘Italia im Verfassungsausschuss der Abgeordnetenkammer, sprach von „ideologischer Wut“.
Lange hörte man aber nichts mehr und auch die Bewohner wussten offenbar in der Breite nichts von dem Beschluss. Erst als bekannt wurde, dass alle Straßenschilder geändert werden und die Bewohner sich neue Ausweise ausstellen lassen müssen, brach laut dem Südtiroler Portal ein Sturm der Entrüstung los. Auf Internet-Plattformen wurden mehrere Petitionen gestartet – mit Tausenden Stimmen – viele davon wohl auch Touristen, die immer wieder in den Ort zurückkehren und sich verbunden fühlen.
Ski-Ort rudert zurück: Neue Bürgermeisterin will erneute Namensänderung
Offenbar mit Erfolg. Den die neue Bürgermeisterin des Ortes will den Beschluss offenbar erneut rückgängig machen. Sie war zuvor Gemeindereferentin, „steht nun aber nicht mehr so ganz hinter der Idee“, schreibt Rainews. Ihr Vize drängt gar darauf, dass der Doppelname bestehen bleibt. Auch die wirtschaftlich mächtige Liftgesellschaft vor Ort, die das Wort Cervinia im Namen trägt, macht offenbar Druck.
Und die Kehrtwende wird offenbar tatsächlich vollzogen: Die Bürgermeisterin von Valtournenche, Elisa Cicco, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa: „Es wurden Verfahren zur Wiederherstellung des Namens Breuil-Cervinia eingeleitet“. Man werde die „Anfrage an die Region senden, den Namen (wieder, der Red.) zu ändern“, sagte sie nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Region Aostatal, Renzo Testolin.
Damit würde man wohl auch viel Geld sparen. Denn nicht nur Straßenschilder und Ausweise müssten erneuert werden: Auch eine Image-Kampagne wäre nötig – ist der Ski-Ort doch unter dem Namen Cervinia bekannt. Ein Marketingexperte rechnete der Zeitung Il Sole 24 ore vor, dass Cervinia über fünf Jahre allein auf dem italienischen Markt mindestens fünf Millionen Euro pro Jahr investieren müsste, um den neuen Namen annähernd so bekannt zu machen, wie Cervinia.
In Italien sorgen aktuell neue, sehr strenge Ski-Regeln für Aufsehen.
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