VonAndreas Schmidschließen
Cannabis auf Rezept: Das lohnt sich auch für die Branche, wie ein Apotheker offen vorrechnet. Am Ende bleibe ihm ein fünfstelliger Gewinn.
Das Cannabis-Gesetz der Bundesregierung zielt vor allem auf den Freizeitkonsum ab. Es hat aber auch große Auswirkungen auf den medizinischen Markt. Seit Cannabis durch das neue Gesetz nicht mehr als Betäubungsmittel geführt wird, werden deutlich mehr Rezepte für medizinisches Gras verschrieben. Das funktioniert bei normalen Ärzten oder über Webseiten im Internet. Wer ein Rezept ausgestellt bekommt, kann in eine Apotheke gehen, und sich dort sein Cannabis abholen.
Grundsätzlich kann jede Apotheke Cannabis abgeben. In der Praxis machen aber nur wenige Pharmazien mit. Wie der Verband der Cannabis versorgenden Apotheken auf Anfrage mitteilt, geben derzeit 2500 bis 3000 Apotheken medizinisches Cannabis an Patienten ab. Zwei dieser „Cannabis-Apotheken“ stehen in Niedersachsen, geführt von Frank Siepert.
Cannabis-Apotheker rechnet vor: „Habe einen Rohgewinn von 50.000 Euro im Monat“
Der Pharmazeut betreibt Apotheken in Salzgitter und Wolfenbüttel. Seit Mai setzt er auf Cannabis. Auch, weil es sich finanziell lohnt. „Das ist ein lukratives Geschäft“, sagt Siepert im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Über seine Versandapotheke easycannabis.de würden rund 30 Kilogramm Cannabis im Monat an die Patienten weitergegeben.
Der Umsatz pro Rezept variiere stark. Unter anderem, weil die Cannabis-Sorten unterschiedlich viel kosten. Aber: „Im Durchschnitt mache ich 200 Euro Umsatz pro Bestellung“, so Siepert. Der Apotheker rechnet hoch: „Bei 30 Kilo im Monat habe ich einen Rohgewinn von circa 50.000 Euro.“ Von diesen 50.000 Euro müsse man aber noch einige Kosten abziehen, etwa für Personal oder Verpackungsmaterial. „Grob bleiben dann 30.000 Euro im Monat, also es ist sehr lukrativ.“
Cannabis-Apotheker: „Medizinische Bereich wird sich etablieren“
Siepert könne es Apothekerkollegen nur empfehlen, auf medizinisches Cannabis zu setzen. Trotz der neuerlichen Differenzen um das Cannabis-Gesetz sowie Ankündigungen der Union, das Gesetz im Falle einer Regierungsbeteiligung rückgängig zu machen, ist der Mediziner überzeugt: „Ich glaube, dass sich der medizinische Bereich etablieren wird und denke, dass der Umgang mit medizinischem Cannabis auch in die Hand des Apothekers gehört.“ Heißt auch: „Ich glaube nicht, dass es andere Geschäfte braucht.“
Diese waren eigentlich mal vorgesehen. Im Koalitionsvertrag war noch von der „kontrollierten Abgabe in lizenzierten Geschäften“ die Rede. Gesundheitsminister Karl Lauterbach versprach dann ein Zwei-Säulen-Modell mit der Abgabe in eben jenen Geschäften und entsprechenden Modellregionen. Doch mittlerweile zeichnet sich immer mehr ab, dass es zu diesem Schritt nicht kommen wird.
Zu Säule 2 hieß es im April 2023, ein Gesetzesentwurf werde nach der Sommerpause vorgestellt. Zwei Sommerpausen später ist allerdings immer noch nichts passiert. Und so scheint es äußerst unwahrscheinlich, dass Karl Lauterbach sein Versprechen überhaupt noch umsetzt. Selbst in Lauterbachs Partei gibt es große Zweifel, wie uns der zuständige SPD-Berichterstatter Dirk Heidenblut zuletzt sagte.
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