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Wer von München nach Italien reisen möchte, muss mit Einschränkungen rechnen. Mehrere Zugverbindungen werden wegen einer Tunnelsanierung in Österreich gestoppt.
Bad Gastein – Abends sich an Neckar oder Isar in eine Koje legen und am Morgen unter Palmen aufwachen: Mit einem Nachtzug ist das möglich – und diese Fortbewegungsart ist voll im Trend. Darum bauen vor allem die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) ihr Nachtzug-Angebot ständig aus, und nicht nur die. Besonders beliebt sind die Linien von Stuttgart und München nach Italien. Ob Rom, Venedig, Mailand, Genua oder die Cinque Terre via La Spezia: Viele attraktive Ziele in dem Urlaubsland sind per Nightjet erreichbar, wie der Nachtzug der ÖBB heißt. Es wurden kürzlich sogar neue Waggons für die Linie nach Rom in Dienst gestellt. Es gibt auch einen Nachtzug an die kroatische Adria in Rijeka.
Wichtiger Tunnel in Österreich wird saniert – viele Züge nach Italien betroffen
Doch den Nachtzugfans steht auf der Reise durch die Alpen nach Süden eine enorme Durststrecke bevor: Wegen einer Tunnelsanierung in Österreich fallen die beliebten Nightjets von 18. November bis 13. Juli 2025 ersatzlos aus. Betroffen sind die Nachtzüge von Stuttgart über München nach Venedig, von München nach Rom, von München über Mailand und Genua nach La Spezia. Von wegen Karneval in Venedig, Ostersegen in Rom oder ein Pfingst-Bad an der Riviera per umweltfreundlichem Nachtzug.
Der Tauerntunnel stammt noch aus der Zeit der kaiserlich-königlichen Donaumonarchie
Der Grund: Die ÖBB sperren den Tauerntunnel zwischen Böckstein bei Bad Gastein (Salzburg) und Mallnitz (Kärnten) für Sanierungsarbeiten in der 8,3 Kilometer langen Röhre, die 1909 noch zur Zeit der kaiserlich-königlichen Donaumonarchie eröffnet wurde. „Sein letztes Update, bei dem die Tunnelsicherheit und Gleisbauarbeiten im Vordergrund standen, erhielt er 2004“, heißt es bei den ÖBB. Jetzt soll die Strecke leistungsfähiger gemacht werden. So wird das Tunnelgewölbe, durch das Wasser sickert, abgefräst und neu verkleidet, das Sickerwasser soll abgefangen und abgeleitet werden.
Außerdem wird die Oberleitung erneuert und eine feste Fahrbahn eingebaut. Und es werden beleuchtete Handläufe eingebaut sowie der Tunnelfunk und die Signaltechnik modernisiert. „Das Hauptaugenmerk bei den Planungen wurde darauf gelegt, die Auswirkungen für Reisende zu minimieren und die notwendige Streckensperre so effizient wie möglich zu nutzen“, so die ÖBB weiter. Während einer zweiten Tunnelbau-Etappe im Jahr 2027 sollen parallel der Bahnhof Rothenthurn modernisiert und Viadukte im Gasteinertal saniert werden.
Wichtige Nord-Süd-Achse zwischen Deutschland und Italien acht Monate lang blockiert
Die Folge: „Die Nightjets von München nach Rom, Venedig und La Spezia können aufgrund der Tauerntunnelsperre nicht verkehren“, so ÖBB-Sprecher Robert Mosser zu IPPEN.MEDIA. Für Pendler vor Ort ist die Baustelle ohnehin eine enorme Geduldsprobe, es wird für sie ein Busshuttle eingerichtet. Auch die Railjets von München nach Klagenfurt sind unterbrochen. „Ab 18. November werden diese Züge dann zwischen Bischofshofen und Spittal an der Drau im Schienenersatzverkehr mit Bussen geführt“, erklärt Mosser weiter. Alle Fahrplandetails sind auf der entsprechenden ÖBB-Seite abrufbar.
Auch Radfahrer, die auf dem Alpe-Adria-Radweg von Salzburg nach Grado fahren, nutzen extra Züge durch den Tauerntunnel, um den Alpenhauptkamm zu unterqueren. Für sie gibt es eine Lösung: „Es wird es einen Rad-Shuttle mit Bussen ab 11. April 2025 als Ersatz für die Tauernschleuse geben“, so Mosser. „Dieses Rad-Shuttle wird mehrmals täglich zwischen Salzburg und Kärnten unterwegs sein.“
Auch Fahrradfahrer nutzen gerne die Shuttle-Züge durch den Tauerntunnel – für sie gibt es Ersatzbusse
Für die Autoverladung der Tauernschleuse gibt es allerdings keinen Ersatz, auch wenn dies eine Alternative für die Tauernautobahn ist, auf der ebenfalls eine Dauerbaustelle eingerichtet wurde, die für ständige Staus sorgt. Die Großglockner-Hochalpenstraße hat von Herbst bis Mai Wintersperre, der Plöckenpass als Verlängerung der Felbertauernstraße ist auch wegen eines Felssturzes gesperrt.
Immerhin: „Die Wintersportorte im Gasteinertal nördlich des Tauernbahntunnels werden von Deutschland aus auch bis Anfang März direkt von den Fernverkehrszügen angefahren“, berichtet Mosser. Und der Euronight-Nachtzug von Stuttgart über München nach Zagreb wird nicht eingestellt, sondern über Graz umgeleitet, Ljubljana wird somit aber nicht angefahren und der Zugteil nach Rijeka, der von Mai bis September unterwegs ist, fällt vielleicht ganz aus. Mosser: „Es ist noch offen, ob der Nachtzug nach Rijeka wieder angeboten werden kann. Die kroatische Bahn wird das als zuständiger Kooperationspartner in den kommenden Wochen entscheiden.“
Einen kleinen Vorgeschmack auf die Mega-Sperre gibt es zurzeit schon: Während der Herbstferien (25. Oktober - 4. November 2024) fallen die Züge aus München aus, die durch den Tauerntunnel müssen, weil die Deutsche Bahn zwischen Salzburg und Rosenheim Sanierungsarbeiten durchführt.



