Kiffen mit Vorbehalt

„Alle sind shady“: Diese Gefahren lauern bei Cannabis-Clubs

  • schließen

Wer Gras rauchen will, kann Mitglied bei einer Anbauvereinigung werden. Bei der Anmeldung sollten Konsumenten jedoch einiges beachten.

In jedem Bundesland gibt es seit der Teil-Legalisierung am 1. April zahlreiche Cannabis-Clubs. Kiffer, die einfach den nächstbesten Verein in ihrer Nähe wählen, könnten in eine Falle geraten. Das meint zumindest Manuel Nilsson, Vorstand des Cannabis-Clubs „Alsdorfer Lunte“ im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Ab und zu schaue ich mir verschiedene Cannabis-Clubs an. Ehrlich gesagt sind die alle shady“, sagt er.

Auch wenn der Anbau erst im Juni startet, können Mitglieder schon jetzt Anträge bei Cannabis-Clubs ausfüllen.

Das kann passieren, wenn Konsumenten und Konsumentinnen an den falschen Cannabis-Club geraten

Nilsson kann nicht über jede einzelne Anbauvereinigung eine Aussage treffen. Doch auch uns fällt in einer Recherche auf, dass eine Mitgliedschaft nicht in jedem Cannabis-Club dieselben Voraussetzungen erfüllt. Wer nicht aufpasst, könnte auf folgende Probleme stoßen:

1. Zu hohe Preise für Cannabis – sogar im Club

BuzzFeed News Deutschland hat die Preise von bereits geöffnete Cannabis-Clubs in Niedersachsen miteinander verglichen. Nach der Analyse variieren die Cannabis-Preise zwischen drei und zehn Euro pro Gramm.

Bei der „Alsdorfer Lunte“ in Niedersachsen sollen es nur zwei Euro werden, sollte die Anbauvereinigung eine Genehmigung bekommen. Nilsson spricht deshalb von einer „Goldgräberstimmung“ bei manchen Cannabis-Clubs. Besonders, wenn ein Verein mehr als zehn Euro verlangt, sollten Kiffer ihm zufolge hellhörig werden.

2. Datenschutz bei den Cannabis-Clubs

Nach dem Cannabis-Gesetz sind Cannabis-Clubs verpflichtet, Name, Geburtsdatum und Adresse ihrer Mitglieder zu dokumentieren. Jedes Mal, wenn eine Person Cannabis kauft, notieren Mitarbeitende zusätzlich Datum, Menge und THC-Gehalt. Die Daten müssen fünf Jahre lang in einer Datenbank festgehalten werden.

Wer sich bei Cannabis-Clubs anmeldet, muss sich auf Datenschutz verlassen und darüber informieren können. Konsumenten sollten daher die Datenschutzerklärung des Clubs suchen und genau durchlesen.

3. Unnötige Arbeitsstunden

Im Cannabis-Gesetz steht „Mitglieder haben aktiv beim Anbau mitzuwirken“. In manchen Cannabis-Clubs sind Mitglieder verpflichtet, um die zehn Stunden im Monat zu arbeiten.

Solche Satzungen bezeichnet Nilsson als „utopisch“. Zum Arbeiten gezwungen müsse in Wahrheit niemand werden. Zwar müssten ein paar Mitglieder beim Anbau helfen, aber nicht alle.

Denn von „alle“ ist im Gesetz nicht die Rede. „Ich weiß nicht, woher der Mythos kommt. Wie willst du eine hygienische Produktion haben, wenn 500 Flossen an jedem Blatt dran sind?“ 500 Mitglieder darf ein Cannabis-Club maximal haben. Mitglieder seiner „Alsdorfer Lunte“ in Nordrhein-Westfalen dürfen zehn Stunden im Jahr arbeiten – wenn sie möchten.

Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschand.

4. Lange Kündigungsfristen

Wer mit seinem Club nicht mehr zufrieden ist, kann oft nicht problemlos kündigen und wechseln. „Die Leute sind überrascht, dass man nicht einfach so da rauskommt“, sagt Nilsson. Manche der Mitgliedschaften haben eine Mindestlaufzeit von bis zu einem Jahr.

Es ist verboten, Mitglied in mehreren Cannabis-Clubs zu sein, das heißt, man ist für den Zeitraum an den Verein gebunden. „Ein Jahr ist schon krass. Du kannst im Prinzip gefangengenommen werden“, warnt Nilsson. Bei seinem, wie auch mehreren anderen Cannabis-Clubs in Deutschland, können Verträge innerhalb von drei Monaten gekündigt werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Kommentare