„Attacke von Franziskus“: Papst-Beerdigung für Experten letzter Angriff auf den Vatikan
VonMoritz Bletzinger
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Die Zeremonie war ein Novum, ihre Form eine klare Ansage von Papst Franziskus. Vatikan-Experte Englisch spricht von einer „Attacke“.
Rom – Papst Franziskus ging aus kirchlicher Sicht unorthodoxe Wege. Als „stiller Intellektueller“ prägte er die katholische Kirche in seinen zwölf Jahren mehr, als es manchen Konservativen lieb ist. Der Argentinier stand für eine weltoffene, barmherzige und sozial gerechte Kirche. Nur in Fragen der Sexualität blieb er eher traditionell.
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Papst Franziskus war Vatikan-Revoluzzer – und setzte sich mit besonderer Beerdigung ein Denkmal
Franziskus war stets ein großer Feind von Protz, Prunk und Kapitalismus im Vatikan. Zu Lebzeiten machte der Jesuit das täglich deutlich, er trug normale Straßenschuhe und fast niemals Purpur. Außerdem reformierte Franziskus die Vatikanbank, trat dem Konsumismus der Kirche offen entgegen.
Mit seinem letzten Willen setzt Papst Franziskus dieser Haltung ein ewiges Denkmal. Er wurde nicht im Petersdom beerdigt, wie fast alle anderen Päpste, sondern fernab des katholischen Machtzentrums in der Basilika Santa Maria Maggiore. Die außergewöhnliche Beerdigung mit Fahrt mitten durch Rom war ein Abschied mit Aussagekraft, erklärt Vatikan-Experte Andreas Englisch bei IPPEN.MEDIA.
Seit fast 40 Jahren lebt Andreas Englisch mit seiner Familie in seiner Wahlheimat Rom und ist einer der bekanntesten deutschen Vatikan-Korrespondenten. Zudem schreibt Englisch Romane und Sachbücher, die sich häufig in den Bestsellerlisten finden. Viele davon drehen sich um Papst Franziskus. Beispielsweise: „Das Vermächtnis von Papst Franziskus“, „Der Pakt gegen den Papst“, oder „Der Kämpfer im Vatikan“. Ein seinem aktuellen Werk „Alle Wege führen nach Rom“ erzählt Englisch eine Schnitzeljagd durch die Kultur und Geschichte Italiens.
„Letzte Attacke von Franziskus“: Papst-Beerdigung mit klaren Signalen – die nicht jedem gefallen dürften
„Sein Begräbnis war die letzte Attacke von Franziskus auf den Apparat im Vatikan“, sagt Englisch. „Franziskus wollte mit dem Zentrum der Macht nie etwas zu tun haben – und dort auch nicht begraben werden.“
Dass er seinen Leichnam hinaus nach Rom fahren ließ, stellte die Stadt vor einige Sicherheitsprobleme und im Vatikan blieb die eigenwillige Beerdigung sicherlich auch nicht frei von Kritik, zumindest hinter verschlossenen Türen.
Die Beerdigung von Papst Franziskus war ein absolutes Novum: Nach der Zeremonie am Petersplatz wurde sein Sarg mitten durch Rom gefahren und in der Basilika Santa Maria Maggiore beigesetzt.
Insider Andreas Englisch verrät: „Im Vatikan wird das selbstverständlich als Angriff erkannt, aber niemand spricht es offen aus.“
„Franziskus wollte offensichtlich mit Traditionen brechen und das hätte er nicht getan, wenn er mit ihnen einverstanden gewesen wäre.“
„Franziskus wollte offensichtlich mit Traditionen brechen und das hätte er nicht getan, wenn er mit ihnen einverstanden gewesen wäre“, erklärt der langjährige Vatikan-Berichterstatter weiter.
„Unbarmherziger Kampf hinter den Kulissen“: Papst Franziskus hatte viele Feinde
Mit Traditionen zu brechen, damit hatte sich Papst Franziskus für manche Kirchenobrige zum Feindbild gemacht. Englisch sprach einst von einem „unbarmherzigen Kampf hinter den Kulissen“, der deutsch-italienische Vatikan-Experte Marco Politi sogar von einem „Bürgerkrieg im Vatikan“.