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„Attacke von Franziskus“: Papst-Beerdigung für Experten letzter Angriff auf den Vatikan

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Die Zeremonie war ein Novum, ihre Form eine klare Ansage von Papst Franziskus. Vatikan-Experte Englisch spricht von einer „Attacke“.

Rom – Papst Franziskus ging aus kirchlicher Sicht unorthodoxe Wege. Als „stiller Intellektueller“ prägte er die katholische Kirche in seinen zwölf Jahren mehr, als es manchen Konservativen lieb ist. Der Argentinier stand für eine weltoffene, barmherzige und sozial gerechte Kirche. Nur in Fragen der Sexualität blieb er eher traditionell.

Bilder zur Beerdigung von Papst Franziskus: Trump fällt aus der Reihe – Hunderttausende in Rom

Der Sarg von Papst Franziskus wird zu seinem Begräbnis auf den Petersplatz im Vatikan getragen.
Der Sarg von Papst Franziskus wird zu seinem Begräbnis auf den Petersplatz im Vatikan getragen.  © Gregorio Borgia/AP/dpa
Kleriker, Gläubige und Staatsgäste nehmen an der Trauermesse von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan teil.
Kleriker, Gläubige und Staatsgäste nehmen an der Trauermesse von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan teil.  © Christoph Sator/dpa
Eine Nonne wartete auf dem Petersplatz auf die Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan.
Eine Nonne wartete auf dem Petersplatz auf die Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan.  © Andreea Alexandru/AP/dpa
Hielt eine sehr persönliche Predigt für Papst Franziskus: Der Dekan des Kardinalskollegiums Giovanni Battista Re.
Hielt eine sehr persönliche Predigt für Papst Franziskus: Der Dekan des Kardinalskollegiums Giovanni Battista Re steht während der Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan am Sarg.  © Alessandra Tarantino/AP/dpa
Zahlreiche Politiker wie der französische Präsident Emmanuel Macron (M) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (dahinter) erweisen Papst Franziskus auf dem Petersplatz die letzte Ehre.
Zahlreiche Politiker wie der französische Präsident Emmanuel Macron (M) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (dahinter) erweisen Papst Franziskus auf dem Petersplatz die letzte Ehre.  © Andrew Medichini/AP/dpa
Die deutsche Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M, v.) und seine Frau Elke Büdenbender. Dahinter gehen geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (M, CDU).
Die deutsche Delegation um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M, v.) und seine Frau Elke Büdenbender. Dahinter gehen geschäftsführende Kanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (M, CDU).  © Markus Schreiber/AP/dpa
Der ukrainische Präsident (M) Wolodymyr Selenskyj wurde mit großem Applaus auf der Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan empfangen.
Der ukrainische Präsident (M) Wolodymyr Selenskyj wurde mit großem Applaus auf der Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan empfangen.  © Markus Schreiber/AP/dpa
Auch der ehemalige US-Präsident Joe Biden (2.v.l.) und seine Frau Jill kommen zur Beerdigung von Papst Franziskus.
Auch der ehemalige US-Präsident Joe Biden (2.v.l.) und seine Frau Jill kommen zur Beerdigung von Papst Franziskus.  © Markus Schreiber/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump kam mit Frau Melania zum Begräbnis.
US-Präsident Donald Trump kam mit Frau Melania zum Begräbnis. Anders als so ziemlich alle anderen Staatsvertreter trägt Trump allerdings keinen schwarzen Anzug – sondern einen blauen. © Markus Schreiber/AP/dpa
Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres (M, l.) kommt zur Franziskus-Beerdigung.
Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres (M, l.) kommt zur Franziskus-Beerdigung. © Gregorio Borgia/AP/dpa
Gläubige halten argentinische Fahnen zu Ehren des Argentiniers Franziskus und warten vor der Basilika Santa Maria Maggiore.
Gläubige halten argentinische Fahnen zu Ehren des Argentiniers Franziskus und warten vor der Basilika Santa Maria Maggiore.  © Christoph Reichwein/dpa
Viele Tausend Menschen warten auf einen Blick auf den Sarg des toten Papst Franziskus in Rom. Pilger werden gesegnet.
Viele Tausend Menschen warten auf einen Blick auf den Sarg des toten Papst Franziskus in Rom. Pilger werden gesegnet. © Cornelia Schramm
Schon Stunden vor der Beerdigung von Papst Franziskus füllt sich der Petersplatz in Rom – die Schlangen an den Sicherheitskontrollen sind lang.
Schon Stunden vor der Beerdigung von Papst Franziskus füllt sich der Petersplatz in Rom – die Schlangen an den Sicherheitskontrollen sind lang. © Oliver Weiken/picture alliance/dpa/Conny Schramm
Zur Beerdigung von Papst Franziskus werden am Samstag (26. April) Hunderttausende Menschen in Rom erwartet.
Zur Beerdigung von Papst Franziskus werden am Samstag (26. April) Hunderttausende Menschen in Rom erwartet. Zum ersten Mal seit einem Jahrhundert wird ein Trauerzug den Leichnam des Pontifex durch Italiens Hauptstadt führen. An der Beisetzung wird die Öffentlichkeit nicht teilnehmen. © Michael Kappeler/dpa/Christoph Reichwein
Der allerletzte Blick auf Papst Franziskus am Samstag (26. April) gegen 0.30 Uhr: Zeremonienmeister und Erzbischof Diego Giovanni Ravelli bedeckt das Gesicht des verstorbenen Papstes mit einem Seidentuch, bevor er seinen Sarg im Petersdom im Vatikan schließt.
Der allerletzte Blick auf Papst Franziskus am Samstag (26. April) gegen 0.30 Uhr: Zeremonienmeister und Erzbischof Diego Giovanni Ravelli bedeckt das Gesicht des verstorbenen Papstes mit einem Seidentuch, bevor er seinen Sarg im Petersdom im Vatikan schließt. © picture alliance/dpa/Vatican Media
Mit Nägeln wird der Sarg von Papst Franziskus versiegelt.
Mit Nägeln wird der Sarg von Papst Franziskus versiegelt.  © picture alliance/dpa/Vatican Media
Ein Zinkdeckel verziert den Sarg schließlich, mehr Prunk wollte Papst Franziskus bei seiner Beerdigung nicht.
Ein Zinkdeckel verziert den Sarg schließlich, mehr Prunk wollte Papst Franziskus bei seiner Beerdigung nicht. © picture alliance/dpa/Vatican Media
Papst Franziskus hält den Hirtenstab, als er nach einer Messe im Petersdom im Vatikan anlässlich des Dreikönigstages. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche starb nach Angaben des Vatikans am Ostermontag im Alter von 88 Jahren.
Papst Franziskus ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche starb am Ostermontag.  © Andrew Medichini/picture alliance/dpa/AP
Papst Franziskus gestorben
Keine 24 Stunden vor seinem Tod spendete Papst Franziskus noch den Ostersegen (Archivbild). © Evandro Inetti/ZUMA Press Wire/dpa
Papst Franziskus gestorben - Vatikan
Noch einmal werfen Zehntausende einen letzten Blick auf Franziskus. © Andreea Alexandru/AP/dpa
Menschen nehmen im Petersdom am offenen Sarg Abschied von Papst Franziskus.
Menschen nehmen im Petersdom am offenen Sarg Abschied von Papst Franziskus. © Christoph Reichwein/dpa
Arbeiter decken den Altar am Petersplatz für die Trauerfeier am Samstag (26. April) für Papst Franziskus ab.
Arbeiter decken den Altar am Petersplatz für die Trauerfeier am Samstag (26. April) für Papst Franziskus ab. © Michael Kappeler/dpa
Papst Franziskus gestorben - Rom
Das Grab wird noch von Sperrholzplatten verdeckt. © Oliver Weiken/dpa
Papst Franziskus gestorben - Vatikan
Die Polizei ist im Großeinsatz. © Andrew Medichini/AP/dpa
Papst Franziskus gestorben - Vatikan
Auf dem Petersplatz laufen die Vorbereitungen für das große Requiem. © Michael Kappeler/dpa
Vatikanstadt, 18. Mai 2013 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Besuch bei Papst Franziskus im Vatikan
Auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel, selbst protestantische Pfarrerstochter, zeigte sich vom Tod des Papstes ergriffen: „Er wird mir als eine Persönlichkeit in Erinnerung bleiben, deren Handeln von der Liebe zu den Menschen geprägt war.“ erklärt sie. Merkel und Franziskus trafen sich im Jahr 2013 in Rom.  ©  IMAGO / xim.gs
Donald Trump in Begleitung von First Lady Melania Trump bei einer Audienz mit Papst Franziskus im Jahr 2017.
Donald Trump in Begleitung von First Lady Melania Trump bei einer Audienz mit Papst Franziskus im Jahr 2017. Das Präsidentenpaar der USA reist zur Beerdigung des Pontifex erneut nach Rom. © Evan Vucci/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (r) und US-Präsident Donald Trump unterhielten sich bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (r) und US-Präsident Donald Trump unterhielten sich bei der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan.  © Ukrainian Presidential Press Service/dpa
Zahlreiche Staatsgäste sehen zu, wie der Sarg von Papst Franziskus am Ende seiner Todesmesse auf dem Petersplatz zurück in den Petersdom getragen wird.
Zahlreiche Staatsgäste sehen zu, wie der Sarg von Papst Franziskus am Ende seiner Todesmesse auf dem Petersplatz zurück in den Petersdom getragen wird. © Andrew Medichini/dpa
Der Sarg von Papst Franziskus wurde in einem umgebauten Papamobil in Richtung der Basilika Santa Maria Maggiore, wo der verstorbene Ponitfex zur ewigen Ruhe gebettet wurde, gefahren.
Der Sarg von Papst Franziskus wurde in einem umgebauten Papamobil in Richtung der Basilika Santa Maria Maggiore, wo der verstorbene Ponitfex zur ewigen Ruhe gebettet wurde, gefahren. © Antonio Balasco/imago
Auch am Kolosseum ging der Trauerzug vorbei. Papst Franziskus wurde inzwischen in der Marienkirche unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt.
Auch am Kolosseum ging der Trauerzug vorbei. Papst Franziskus wurde inzwischen in der Marienkirche unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt. © Bernat Armangue/dpa

Papst Franziskus war Vatikan-Revoluzzer – und setzte sich mit besonderer Beerdigung ein Denkmal

Franziskus war stets ein großer Feind von Protz, Prunk und Kapitalismus im Vatikan. Zu Lebzeiten machte der Jesuit das täglich deutlich, er trug normale Straßenschuhe und fast niemals Purpur. Außerdem reformierte Franziskus die Vatikanbank, trat dem Konsumismus der Kirche offen entgegen.

Mit seinem letzten Willen setzt Papst Franziskus dieser Haltung ein ewiges Denkmal. Er wurde nicht im Petersdom beerdigt, wie fast alle anderen Päpste, sondern fernab des katholischen Machtzentrums in der Basilika Santa Maria Maggiore. Die außergewöhnliche Beerdigung mit Fahrt mitten durch Rom war ein Abschied mit Aussagekraft, erklärt Vatikan-Experte Andreas Englisch bei IPPEN.MEDIA.

Seit fast 40 Jahren lebt Andreas Englisch mit seiner Familie in seiner Wahlheimat Rom und ist einer der bekanntesten deutschen Vatikan-Korrespondenten. Zudem schreibt Englisch Romane und Sachbücher, die sich häufig in den Bestsellerlisten finden. Viele davon drehen sich um Papst Franziskus. Beispielsweise: „Das Vermächtnis von Papst Franziskus“, „Der Pakt gegen den Papst“, oder „Der Kämpfer im Vatikan“. Ein seinem aktuellen Werk „Alle Wege führen nach Rom“ erzählt Englisch eine Schnitzeljagd durch die Kultur und Geschichte Italiens.

„Letzte Attacke von Franziskus“: Papst-Beerdigung mit klaren Signalen – die nicht jedem gefallen dürften

„Sein Begräbnis war die letzte Attacke von Franziskus auf den Apparat im Vatikan“, sagt Englisch. „Franziskus wollte mit dem Zentrum der Macht nie etwas zu tun haben – und dort auch nicht begraben werden.“

Dass er seinen Leichnam hinaus nach Rom fahren ließ, stellte die Stadt vor einige Sicherheitsprobleme und im Vatikan blieb die eigenwillige Beerdigung sicherlich auch nicht frei von Kritik, zumindest hinter verschlossenen Türen.

Die Beerdigung von Papst Franziskus war ein absolutes Novum: Nach der Zeremonie am Petersplatz wurde sein Sarg mitten durch Rom gefahren und in der Basilika Santa Maria Maggiore beigesetzt.

Insider Andreas Englisch verrät: „Im Vatikan wird das selbstverständlich als Angriff erkannt, aber niemand spricht es offen aus.“

„Franziskus wollte offensichtlich mit Traditionen brechen und das hätte er nicht getan, wenn er mit ihnen einverstanden gewesen wäre.“

Vatikan-Experte Andreas Englisch bei IPPEN.MEDIA.

„Franziskus wollte offensichtlich mit Traditionen brechen und das hätte er nicht getan, wenn er mit ihnen einverstanden gewesen wäre“, erklärt der langjährige Vatikan-Berichterstatter weiter.

„Unbarmherziger Kampf hinter den Kulissen“: Papst Franziskus hatte viele Feinde

Mit Traditionen zu brechen, damit hatte sich Papst Franziskus für manche Kirchenobrige zum Feindbild gemacht. Englisch sprach einst von einem „unbarmherzigen Kampf hinter den Kulissen“, der deutsch-italienische Vatikan-Experte Marco Politi sogar von einem „Bürgerkrieg im Vatikan“.

Jetzt ist der „Papst der Armen“ tot. Wie bescheiden – und damit anders als viele seiner Vorgänger – Franziskus war, zeigen besondere Anekdoten über den Heiligen Vater, der nie so genannt werden wollte. Mit seinem schlichten Grab in der Stadtmitte von Rom wird er wahrscheinlich genau so in Erinnerung bleiben. Offen bleibt vorerst, ob sein Nachfolger einen ähnlichen Papst-Weg einschlagen wird. (moe)

Rubriklistenbild: © Markus Schreiber/Antonio Calanni/picture alliance/dpa/AP

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