Tückische Lage in Österreich

„Routinierte Bergführer“ leiteten Sölden-Urlauber in Todes-Lawine – Vorsteher: „Wäre da auch reingangen“

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Drei Menschen starben beim Lawinenunglück in Tirol. Das Schneebrett hat sie überrascht, obwohl sie offenbar wussten, was sie tun. Die Lage ist tückisch.

Sölden – Großalarm in Tirol. Hubschrauber fliegen, die Bergrettung im Notfalleinsatz. Unvermittelt hatte eine Lawine im Skiort Vent bei Sölden eine Touristengruppe erfasst. Drei Menschen starben. Wie sich jetzt herausstellt, hatten sie offenbar kaum eine Chance, das Risiko am Hang einzuschätzen.

Tückisches Lawinenunglück in Tirol – Bergretter zum Unfall-Hang: „Ich wäre da auch reingegangen“

Immer wieder begeben sich Alpen-Urlauber leichtfertig in Gefahr. „Die Leute glauben nicht, dass oben am Berg noch tiefster Winter herrscht“, sagt die Chefin der Bergrettung an der Tiroler Seite der Zugspitze, Regina Poberschnigg, andere die Ausflügler. Jüngst hatten einige Gruppen für Kopfschütteln bei der Bergrettung gesorgt, teils war ihnen die Bergbahn zu teuer, sie starteten unbedarft den gefährlichen Aufstieg.

Die Gefahr war kaum abzusehen: Beim Lawinenunglück in Sölden starben drei Menschen unter dem Schnee.

Ein Vorwurf, den man den niederländischen Tourengehern von Sölden offenbar nicht machen kann. Und auch nicht den vier österreichischen Guides. „Wenn Sie mich fragen, ich wäre da auch reingegangen, ohne irgendein Kopfweh“, sagt der Ortsstellenleiter der Bergrettung Sölden, Josef Fiegl, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Österreich-Touristen gerieten mit Guides in Lawine – „Das sind extrem routinierte Bergführer“

Im Bereich galt eine mäßige Lawinengefahr, eigentlich kein großer Grund zur Sorge. „Leider ist es anders verlaufen“, muss Fiegl feststellen. Ja, in den Alpen gelte immer ein Restrisiko, dass sich die vier einheimischen Guides verschätzt haben könnten, steht für den Ortsstellenleiter allerdings außer Frage. „Das sind extrem routinierte Bergführer, die tagtäglich unterwegs sind. Ich kenne diese vier auch persönlich.“

Wie tückisch das Schneebrett im Ötztal war, erläutert Lawinenexperte Patrick Nairz. „Die Lawine hat sich in der Sturzbahn immer weiter vergrößert und ist dann teilweise brettmäßig abgebrochen. Und diese nassen Schneemassen haben sich dann ins Tal ergossen, in dem die Personen am Aufstieg zur Hütte waren“, erklärt er. Es habe sich um eine nasse Lockerschneelawine gehandelt, 180 Meter lang und 80 Meter breit. Sie hat sich von selbst gelöst, vermutlich wegen der hohen Temperaturen im Alpenraum. Ähnlich überraschend war am Tag zuvor eine Lawine am Achensee abgegangen und tötete einen deutschen Wanderer.

Lawinen-Gefahr in den Alpen: Gruppe hat vor Sölden-Unglück eigentlich alles richtig gemacht

Die Lawine war kaum abzusehen, und für die Auslösung konnte die Urlaubergruppe nichts. Und auch der Zeitpunkt für ihren Aufstieg galt eigentlich als sicher. „Die Besucher sollen zu dieser Jahreszeit bis Mittags wieder im Tal sein, weil die Gefahr von sogenannten Nassschnee-Lawinen groß ist“, erklärt Bergrettungs-Sprecher Georg Franke bei IPPEN.MEDIA. Das Unglück hatte sich gegen 11 Uhr am Vormittag ereignet. (moe)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/BERGRETTUNG SÖLDEN/APA

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