- VonBettina Menzelschließen
Die Fluglinie Marabu sorgt erneut für Verspätungen. Am Donnerstag stornierte die Airline einen Flug von Mallorca nach München – ohne die Passagiere vorab zu informieren.
Palma de Mallorca – Marabu Airlines wurde erst im Jahr 2022 gegründet, seit April bietet die Fluglinie auch Verbindungen zwischen Mallorca und München an. Der Start auf der beliebtesten Urlaubsinsel der Deutschen verlief allerdings holprig. Am Donnerstag (2. Juni) stornierte Marabu einen Flug ohne Vorankündigung. Die Reisenden fanden sich zur Boardingzeit am Gate auf Mallorca ein, doch vom Personal fehlte jede Spur. Verspätungen und Flugausfälle sind bei der jungen Airline offenbar kein Einzelfall.
Marabu-Flug von München nach Mallorca fällt ohne Vorankündigung aus
Marabu-Airlines ist eine Schwestergesellschaft von Condor, weshalb die neu gegründete Fluglinie sicherlich bei manchen Passagieren einen Vertrauensvorschuss hatte. Der ist nun vermutlich verspielt - zumindest bei den Passagieren, die vergeblich am Gate warteten. Am Donnerstag sollte um 9.20 Uhr ein Flug von Spanien nach München gehen. Als zur vorgesehenen Boardingzeit um 8.50 Uhr kein Mitarbeiter von Marabu am Gate C41 am Flughafen von Palma de Mallorca erschien, wurden die Reisenden unruhig. „Da war mir schon klar, dass da etwas nicht stimmt“, sagte einer der gebuchten Fluggäste der Mallorca Zeitung (MZ). Nicht nur der Flugausfall selbst war Grund zum Ärgernis, sondern auch das Fehlen von Informationen.
Während eine Flug-App die Verbindung als storniert anzeigte, hieß es bei der Condor-Hotline, dass gegen 13 Uhr neue Informationen verfügbar sein sollten. Ein Angestellter des Flughafenservice habe den rund 200 wartenden Passagieren laut MZ gegen 9.45 Uhr einen Verzehrgutschein im Wert von sieben Euro ausgehändigt. Ein Angestellter der Fluglinie habe sich hingegen den gesamten Vormittag über nicht blicken lassen. Die Airline teilte auf Anfrage der Mallorca Zeitung mit, dass die Verbindung „aufgrund mangelnder Flugzeugkapazität storniert“ worden sei und die betroffenen Gäste auf zeitnahe Flüge anderer Airlines umgebucht würden. Kompensations- und Erstattungsansprüche könnten Betroffene einem Marabu-Unternehmenssprecher zufolge über service@marabu.ee geltend machen.
Passagiere stranden auf Mallorca: Nicht der erste Zwischenfall der Fluggesellschaft Marabu Airlines
Marabu hat seinen Sitz in Estland, die Flugbasen befinden sich in München und Hamburg. Von dort fliegt die Condor-Schwester derzeit fast zwanzig Ziele in Griechenland, Kroatien, Sardinien, Portugal und Spanien an. Der Ticketverkauf erfolgt über Condor, wobei bei der Buchung angezeigt wird, dass Marabu den Flug durchführt. Auf Flügen der Airline kam es seit ihrem kurzen Bestehen immer wieder zu zahlreichen Verspätungen – die Probleme begannen bereits nach wenigen Tagen. Das zunächst einzige Marabu-Flugzeug, der Airbus A320neo, fiel sechs Tage nach Betriebsbeginn wegen eines technischen Defekts auf Lanzarote aus. Die dort gestrandeten Fluggäste konnten laut Informationen des Branchendienstes Aerotelegraph erst zwei Tage später mit gecharterten Ersatzmaschinen ihre Reise antreten.
Auch zahlreiche weitere Flugverbindungen – etwa von München nach Griechenland – waren von Verzögerungen betroffen, die Airline informierte ihre Fluggäste in diesen Fällen ebenfalls nicht immer ausreichend. In einem Fall sollte eine Maschine von München nach Korfu starten, doch der Abflug wurde immer wieder verschoben. Flugzeuge seien zu spät bereitgestellt worden, teilte ein Sprecher der Airline der Bild-Zeitung mit. Nach 18 Stunden stand endlich eine Ersatzmaschine bereit, doch diese hatte zu wenige Plätze und nicht alle Gäste konnten mitfliegen. Die Reisenden waren offenbar so aufgebracht, dass es zu Tumulten kam und die Polizei eingreifen musste. Am Pfingstwochenende 2023 kam es erneut auf mehreren Flügen zu mehrstündigen und in einem Fall sogar mehrtägigen Verspätungen.
Flug von Mallorca nach München: Kritik an Marabu Airlines kommt auch von Gewerkschaften
Kritik an der Fluglinie kam indes auch von Gewerkschaften. Die vermuteten hinter dem Konstrukt einer estnischen Fluglinie mit Flugbasen in Deutschland, den Versuch, Arbeitnehmerrechte zu umgehen. Andere Stimmen gehen indes davon aus, dass diese rechtliche Form geschaffen wurde, damit Condor die hohe Nachfrage im deutschen Markt bedienen kann. Im Jahr 2021 hatte der britische Vermögensverwalter Attestor die Mehrheit der Anteile bei Condor übernommen und ein Jahr später Marabu Arilines gegründet. Informationen des Branchendienstes Touristik Aktuell vom April zufolge kündigte die Airline an, ihre Flotte auf sieben Flugzeuge aufstocken zu wollen.