Phlegräische Felder

„Kritische Situation“ an Italiens Supervulkan: Riesen-Problem im Fall eines Ausbruchs entlarvt

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Die Phlegräischen Felder sind aktiv – und sorgen für Unsicherheit in der Nähe von Neapel. Italien handelt, doch die Gefahr bleibt dennoch.

Rom – Im Mai bebte Italiens Supervulkan Campi Flegrei gewaltig. Eine Erdbebenserie ereignete sich am Pfingstmontag an der italienischen Ostküste im Gebiet von Pozzuoli und Neapel. Viele Bewohner gerieten in Panik, es entstanden Risse an Gebäuden, Notunterkünfte wurden eingerichtet. Die Phlegräischen Felder, eine riesige Vulkanregion westlich des Vesuvs, sind aktiv. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) maß 150 Erdbeben – eines davon mit der Stärke 4,4 in einer Tiefe von 2,5 Kilometern.

Ein leitender Forscher mahnte kurz darauf, ein „Ausbruch könnte morgen stattfinden“. Im Gespräch mit IPPEN.MEDIA beruhigte ein Forscher vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ): „Der Vulkan wird überwacht wie kein anderer Vulkan weltweit.“ In Italien werden nun Maßnahmen getroffen. Denn es kommt immer wieder zu kleineren Erschütterungen.

Die Phlegräischen Felder erlebten am 20. Mai einen Erdbebenhöhepunkt.

„Außerordentliche Mobilisierung“ – Italien handelt, weil Supervulkan bebt

Ende Mai unterschrieb Nello Musumeci, Minister für Zivilschutz, ein Dekret, „um die außerordentliche Mobilisierung des Nationalen Zivilschutzdienstes zur Unterstützung Kampaniens zu veranlassen“. Das berichtet die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Musumeci habe unterschrieben, um „die kritische Situation zu bewältigen, die nach dem seismischen Ereignis vom 20. Mai entstanden ist“.

Damit solle die Hilfe und Rettung von betroffenen Bürgern gewährleistet werden, hieß es weiter. Auch finde eine Überprüfung der finanziellen Ressourcen, die für die Sicherung von öffentlichen Infrastrukturen und Wohnhäusern benötigt werde, statt. Das Ziel der Regierung sei es, den Bewohnern der Phlegräischen Feldern eine Gelassenheit zurückzugeben – sofern sie sich der Situation, mit der sie leben, bewusst seien. Reparaturen, so die Berliner Morgenpost, liefen nach dem Beben vom 20. Mai allerdings schleppend.

Beben in Italien häufen sich: Eine Evakuierung wird im Ernstfall ein großes Problem

Zur Ruhe kommt Italiens Supervulkan indes nicht. Die Erdbeben sind die Begleiterscheinung des Phänomens des Bradyseismos, das das durch Vulkanismus verursachte Heben und Senken eines Areals über einem Magmavorkommen bezeichnet. Magma befindet sich in vier Kilometern Tiefe. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost sagte Gerardo Della Ragione: „Die Wissenschaftler sagen, dass die Beben einen Monat oder ein Jahr andauern können, sie könnten aber schon morgen wieder abklingen: Wir müssen auf jede Situation vorbereitet sein“. Della Ragione ist Bürgermeister von Bacoli, einer der betroffenen Gemeinden.

Doch ist Italien auf den Ernstfall vorbereitet? Evakuierungsübungen habe es seit Jahren nicht gegeben, so die Zeitung weiter. Generell stelle die Evakuierung der Menschen im Falle eines Vulkanausbruchs ein großes Problem dar. Das betroffene Gebiet um die Phlegräischen Felder ist nicht nur dicht besiedelt, sondern auch von engen Straßen gekennzeichnet.

Wie die Zeitung berichtete, befinden sich drei der Fluchtwege entweder noch in der Fertigstellung, wurden noch gar nicht gebaut oder müssten verbreitert werden. Ein Fakt, der zeigt: Jahrelang wurde sich offenbar nicht mit einem möglichen Ausbruch auseinandergesetzt. Das Erdbeben der Stärke 4,4 war schließlich auch das heftigste seit 40 Jahren. (mbr)

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