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Christoph Gschoßmannschließen
Archäologen in Australien haben Beweise für ein uraltes indigenes Ritual entdeckt. Dieses wurde über 500 Generationen hinweg praktiziert.
Melbourne – Entdeckungen aus der Vergangenheit können äußerst wertvoll sein. Sie geben etwa Aufschluss darüber, wie sich Menschen vor vielen Tausenden Jahren verhalten haben. In Australien stießen Fachleute jetzt auf Beweise für ein indigenes Ritual. Dieses wurde anscheinend über 500 Generationen hinweg – von vor 12.000 Jahren bis ins 19. Jahrhundert – kontinuierlich ausgeübt.
Archäologen entdecken im Südosten von Australien Holzartefakte
In einer Höhle im Südosten des Landes wurden erstaunliche Entdeckungen gemacht. Holzartefakte, die auf ein Alter von 11.000 bis 12.000 Jahren datiert wurden, kamen zum Vorschein. Bruno David, der Autor der Studie von der Monash University, erklärte in einer Pressemitteilung: „Nirgendwo sonst auf der Erde wurden archäologische Beweise für eine sehr spezifische kulturelle Praxis zuvor so weit zurückverfolgt.“ Auch in Österreich wurde kürzlich ein bedeutender historischer Fund gemacht.
Die Studienergebnisse, die in der Zeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlicht wurden, beleuchten das reiche kulturelle Erbe der GunaiKurnai – einer australischen Aborigine-Nation, die zu den ältesten lebenden Kulturen der Welt zählt. Die Ausgrabungen fanden auf Einladung der Aborigine-Ältesten der GunaiKurnai in der Cloggs Cave im Bundesstaat Victoria statt.
Analyse ergab, dass die Entdeckung etwa aus der letzten Eiszeit stammt
Zwei Miniatur-Kamine wurden entdeckt, in denen jeweils ein einzelner geformter Stock aus Kasuarinenholz steckte. Eine chemische Analyse beider Stöcke ergab, dass sie mit tierischem oder menschlichem Fett bestrichen worden waren und etwa aus der letzten Eiszeit stammen.
Die Stöcke, die nun als Australiens älteste bekannte Holzartefakte gelten, wurden jedoch nicht zum Kochen oder Heizen verwendet. Sie wurden offenbar für ein spezielles Ritual von Medizinmännern mit dem Titel eines „Mulla-Mullung“ verwendet, das bereits Ende des 19. Jahrhunderts vom Ethnografen Alfred Howitt beschrieben wurde.
Ritual der Aborigines soll wohl 500 Generationen überdauert haben – heute wird es nicht mehr praktiziert
Wie sah dieses Ritual aus? Howitt zufolge wurde etwas, das einem Kranken gehörte, an das Ende eines mit menschlichem oder Kängurufett bestrichenen Wurfstocks befestigt. Der Wurfstock wurde dann schräg in den Boden gesteckt und ein Feuer darunter entzündet. Der Mulla-Mullung sang den Namen der kranken Person und sobald der Stock fiel, war der Zauber vollendet. Howitt nannte auch die Holzart Kasuarinen.
Laut Studienautor David passt alles zusammen: Die Stöcke wurden durch Miniaturfeuer leicht verbrannt, die Holzart stimmt und das Fett auf den Stöcken ebenso. Die Praxis hat also wohl 500 Generationen überdauert. Das Ritual wird allerdings heute von den Aborigines nicht mehr praktiziert. Als weiße Siedler kamen, wurden die Einheimischen aus ihrem Land vertrieben und dieser Teil der Kultur ging verloren.
Auch 99 Prozent der Erdbevölkerung gingen verloren: Vor 800.000 Jahren starben wohl fast alle Menschen aus. (cgsc)
Rubriklistenbild: © Gunaikurnai Land and Waters Aboriginal Corporation



