- VonMichel Guddatschließen
Rund 1500 Jahre alt: Archäologen stoßen bei Ausgrabungen in Kärnten auf ein einzigartiges Exemplar. Es gilt als ein Jahrhundertfund.
Innsbruck – Archäologen machen bei Ausgrabungen immer wieder beeindruckende Entdeckungen. Kürzlich stießen die Forscher in Frankfurt auf einen antiken Holzkeller mit einigen Geheimnissen. Nun ist den Altertumsforschern ein wahrer Glücksgriff gelungen: Die Universität Innsbruck berichtete von einem außergewöhnlichen Fund.
Zuletzt vor „rund 100 Jahren“ gefunden: Archäologen mit einzigartigem Glücksfall in Kärnten
„Weltweit wissen wir von circa 40 derartiger Elfenbeindosen“, erklärt Gerald Grabherr, der die Grabungen leitet, bei der Präsentation des Fundes. Das Projekt, das 2016 startete, brachte schließlich ein einzigartiges Stück ans Licht. Grabherr zufolge wurde zuletzt vor „inzwischen rund 100 Jahren“ eines dieser Exemplare entdeckt.
In der Kärntner Gemeinde Irschen führten die Innsbrucker Archäologen Ausgrabungen in einer seit etwa 610 n. Chr. verlassenen spätrömischen Höhensiedlung durch. Dabei entdeckten sie auf dem Burgbichl eine frühchristliche Kirche, die von Experten als Jahrhundertfund betitelt wird.
Archäologen finden das Heiligste einer Kirche: Marmorschrein mit verzierter Dose aus Elfenbein
Der entdeckte Fund besteht aus einem etwa 20 mal 30 Zentimeter großen Marmorschrein, der unter dem Altar der Seitenkapelle ausgegraben wurde, wie das Institut für Archäologien mitteilt. Besonders der Inhalt des Schreins löste beim Team Staunen und große Freude aus.
Im Inneren befand sich eine reich verzierte Dose aus Elfenbein, eine sogenannte Pyxis. Solche Reliquiare werden als das Heiligste betrachtet und beim Verlassen einer Kirche mitgenommen. Daher ist dieser Fund besonders bemerkenswert. „Die wenigen Pyxiden, die es gibt, sind entweder in Domschätzen erhalten oder in Museen ausgestellt“, erläutert Grabherr.
Elfenbeindose soll wissenschaftlich untersucht werden
Das etwa 1500 Jahre alte und äußerst fragile Reliquiar wurde 2022 von einem Expertenteam unter der Leitung von Ulrike Töchterle an der Universität Innsbruck konserviert. Nun, rund zwei Jahre später, steht der sensationelle Fund für die wissenschaftliche Untersuchung bereit. Zuletzt konnten Forscher einen 2000 Jahre alten Wein finden – mit unappetitlichem Inhalt.
Auf der Pyxis sind Motive aus dem Alten und Neuen Testament abgebildet. Ein Motiv wird als „Übergabe der Gesetze an Moses am Berg Sinai, der Beginn des Bundes zwischen Gott und den Menschen“ interpretiert, erklärt Archäologe Grabherr. Zudem wird eine „Darstellung der Himmelfahrt Christi“ vermutet.
Die Untersuchungen des Jahrhundertfunds sind noch in vollem Gange. Die Rätsel des archäologischen Fundes sollen bald gelöst werden. Dabei steht die Bestimmung der Herkunft sowohl des Marmors als auch des Elfenbeins im Fokus.
Rubriklistenbild: © Universität Innsbruck
