VonMaximilian Kettenbachschließen
Es ist mittlerweile nicht mehr weit hergeholt, einem Bären Aug in Aug gegenüberzustehen. Gerade in der beginnenden Urlaubssaison sollten nun auch Touristen auf ihren Ausflügen aufpassen.
München – Natürlich ist es ein absolutes Albtraumszenario - aber ein reales. Einem Braunbären von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen, kann böse enden. In Trentino tötete ein Tier den 26-jährigen Jogger Andrea, in Slowenien biss ein Bär einem Spaziergänger ins Bein, in Österreich sorgt das Bären-Video eines Autofahrers für Aufsehen und in Bayern rissen Braunbären Schafe.
Viele der Braunbären sollen nun zum Abschuss freigegeben werden, auch wenn der Widerstand dagegen kaum überhörbar ist. Die Südtiroler Landesverwaltung geht aktuell von 73 bis 92 Bären in den Zentralalpen aus. Mit Jungtieren sollen es knapp über 100 Tiere sein. Bedeutet auch: Die Urlaubszeit beginnt, neben Einheimischen sind in nun auch Touristen gefährdet und müssen Acht geben beim Wandern oder Mountainbiken. Informieren Sie sich in den Alpen am besten also vorab, ob Sie sich in einem Bärengebiet befinden, oder nicht.
Die wichtigsten Fragen: Was sollten Sie (nicht) tun, wenn Sie einem Bären begegnen?
- Was mache ich, wenn mir ein Bär gegenübersteht?
- Braunbären sind grundsätzlich sehr scheue Tiere und gehen Menschen aus dem Weg. Ihr stark ausgeprägter Geruchs- und Gehörsinn warnt sie meist rechtzeitig. Sollte es dennoch zu einer Begegnung mit einem Bären kommen, rät die Umweltschutzorganisation WWF ruhig stehenzubleiben und den Bären durch lautes Reden und Bewegen der Arme auf sich aufmerksam zu machen.
- Wenn es um Sie herum knarzt und Äste knacken, oder Sie aus anderen Gründen ein Unsicherheitsgefühl entwickeln, sollten Sie lauter reden oder auch singen.
- Sehen Sie Jungbären, ist höchste Vorsicht geboten. Diese sind nie alleine unterwegs, erklärt der WWF. „Ziehen Sie sich langsam und ruhig zurück“, denn die Bärenmutter dürfte in der Nähe sein und wird dann aggressiv, wenn sie ihren Nachwuchs als bedroht ansieht.
- Was sollte ich NICHT machen?
- Dem vermutlich ersten Antrieb sollten Sie nicht folgen. „Nicht weglaufen“, lautet der Ratschlag des WWF, mit Ausrufezeichen versehen. Zeigen Sie dem Bären Ihre Angst nicht, und „vermeiden Sie alles, was der Bär als Bedrohung empfinden könnte“. Der WWF räumt mit einem oftmals gehörten Gerücht auf: Steinewerfen oder drohende Gesten sind ebenso kontraproduktiv wie unkontrollierte Bewegungen, mit denen Sie den Bären verscheuchen wollen. Ein Foto ist in dieser Situation selbstverständlich keine Option.
- Meiden Sie ebenfalls dichtes Gebüsch. So verhindern Sie, dass Sie einen Bären überraschen, und geben den Tieren so die Möglichkeit, Ihnen frühzeitig aus dem Weg zu gehen.
- Wie kann ich mich wehren, wenn ein Bär angreift?
- Eine Studie, die laut Spiegel.de im Fachmagazin „Journal of Wildlife Management“ veröffentlicht wurde, legt das nahe. Das Forscherteam aus den USA und Kanada fand heraus, dass Pfefferspray sogar effektiver zu sein scheint als Schusswaffen. In 92 Prozent der Fälle wichen die Bären zurück. „Ich gehe nur noch mit einem Pfefferspray in den Wald“, berichtet eine Pächterin einer Alm an der bayerischen Grenze zu Tirol Merkur.de von IPPEN.MEDIA. Pfefferspray scheint also das Mittel der Wahl.
Die wichtigsten Fragen: Hunde gehören in Bärengebieten an die Leine
- Wie reagieren Bären auf Hunde?
- Gehen Sie mit ihrem Hund Gassi und begegnen einem Bären, gilt auch hier als oberste Prämisse: Die Ruhe bewahren. Aber klar muss sein, in Wäldern, in denen mit Bären zu rechnen ist, gehören Hunde zwingend an die Leine. Offenbar liegen Konflikte mit Bären häufig an frei laufenden Hunden. „Sie stellen dem Bären nach, der sich bedroht fühlt und den Hund verfolgt. Tritt der Hund den Rückzug an, führt er den Bären zu seinen Menschen“, erklärt die globale Tierschutzorganisation vier-pfoten.de in ihrem Ratgeber für Wildtiere. In Italien lässt ein Hirte mittlerweile schon Riesenhunde auf Bären los.
Die wichtigsten Fragen: Bären sind vor allem Vegetarier und fressen nur wenig Fleisch
- Was essen Bären?
- Bären sind keine reinen Fleisch-, sondern Allesfresser. Drei Viertel der Nahrung sind pflanzlich. Baumrinde, Blätter, Wurzeln, Gras und viele Früchte (Beeren, Nüsse, besonders Bucheckern) gehören gerade im Sommer und Herbst dazu. Im Frühjahr frisst der Bär laut WWF neben Gras auch das Aas von Tieren, die den Winter nicht überlebt haben (u.a. Rehe). Im Winter zieht sich der Bär zum Winterschlaf in seine Höhle zurück. Bären verbringen den Großteil ihres Lebens mit der Suche nach Futter, berichtet vier-pfoten.de.
Die Bärenpopulation in Norditalien war Ende der 90er Jahre vom Aussterben bedroht, deshalb beschloss man sich im „Life Ursus“-Projekt weitere Bären in die Region zu bringen. Neben drei verbliebenen Tieren wurden zehn neue Tiere aus Slowenien eingeführt. Ziel war es laut der Südtiroler Landesverwaltung damals im Laufe von 20 bis 40 Jahren einen Bestand von 40 bis 60 Tiere zu erreichen. Dieses Ziel ist mittlerweile weit überschritten.
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