Schiffsunglück immer mysteriöser

Milliardär feierte spektakuläre Prozess-Wende auf Yacht vor Italien – Vermisster „britischer Bill Gates“ tot

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Der britische Tech-Unternehmer Mike Lynch galt zunächst als vermisst, mittlerweile wurde der 59-Jährige tot geborgen. Von seiner Tochter fehlt weiterhin jede Spur.

Update vom 23. August: Nach tagelanger Suche besteht nun Gewissheit: Beim Untergang einer Luxusjacht vor der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien ist auch der britische Milliardär Mike Lynch ums Leben gekommen. Der Leichnam des 59-jährigen Unternehmers wurde von Spezialtauchern aus seinem Segelboot „Bayesian“, das in 50 Metern Tiefe auf Grund liegt, an die Oberfläche gebracht. Am Freitagmittag wurde auch seine Tochter Hannah tot geborgen.

Der Skipper Michael Schlecht gibt IPPEN.MEDIA im Interview eine Einschätzung des Unglückshergangs. Demnach seien die Wetterbedingungen „sehr extrem“ gewesen. „Und vermutlich kamen viele geöffnete Luken und Türen hinzu“, fügt der Kapitän hinzu.

Ursprungsmeldung vom 20. August 2024: Palermo – Wie konnte die 56-Meter-Superyacht im Sturm vor der Küste Siziliens überhaupt sinken? Das ist eine der Fragen, die viele nach dem Unglück in Italien beschäftigt. Das Wrack der „Bayesian“ liegt in einer Tiefe von 49 Meter auf dem Meeresboden. Spezialtaucher suchen nach weiter nach den Vermissten. Unter ihnen sind der britische Tycoon Mike Lynch (59) und seine Tochter Hannah (18). Auch der Präsident von Morgan Stanley International Jonathan Bloomer mit seiner Frau und Lynchs Anwalt Chris Morvillo mit seiner Frau Nada gelten laut italienischen Medienberichten als verschollen.

Mike Lynch nach Yacht-Unglück vermisst: „Britischer Bill Gates“ hatte Ärger nach Milliarden-Deal

Der Milliardär Mike Lynch ist schon vor Jahren mit dem Verkauf seiner Firma „Autonomy“ an Hewlett Packard (HP) in die Schlagzeilen geraten. Lynch verkaufte 2011 das Software-Unternehmen für elf Milliarden US-Dollar. Medien feierten ihn als den „britischen Bill Gates“. Für die Amerikaner entpuppte sich der Deal jedoch als Mega-Debakel. Der Computer-Riese schrieb Milliarden ab. Lynch und einem Finanzmanager wurde vorgeworfen, die Umsatzzahlen vor dem Verkauf geschönt zu haben. Der 59-Jährige wurde schließlich in die USA ausgeliefert, ihm drohten bis zu 25 Jahren Gefängnis.

Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien

Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank.
Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank. © Vigili del Fuoco
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden.
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden. © Lucio Ganci/picture aliiance/dpa/AP
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado.
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado. © BAIA Santa Nicolicchia
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.  © Igor Petyx/Imago
Rettungskräfte bergen die Leiche eines der Opfer des unter britischer Flagge fahrenden Schiffes „Bayesan“. Es handelt sich laut Medienberichten um den Koch des Urlauberschiffs. Sechs weitere Menschen bleiben vermisst.
Rettungskräfte bergen die Leiche eines der Opfer des unter britischer Flagge fahrenden Schiffes „Bayesan“. Es handelt sich laut Medienberichten um den Koch des Urlauberschiffs. Sechs weitere Menschen bleiben vermisst. © Lucio Ganci/picture alliance/dpa/AP
Unter den Vermissten ist laut britischen Medien der Tech-Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „englischer Bill Gates“. Ihm soll die gesunkene Yacht gehört haben.
Unter den Vermissten ist laut britischen Medien der Tech-Milliardär Mike Lynch, auch bekannt als „englischer Bill Gates“. Ihm soll die gesunkene Yacht gehört haben. © BEN GURR/ POOL/AFP
Tauchteams suchen nach der versunkenen Yacht. Laut Feuerwehr liegt sie in rund 50 Metern Tiefe. Es wird befürchtet, dass Passagiere während des Unwetters in den Kabinen waren und von den Wassermassen eingeschlossen wurden, als die „Bayesian“ sank.
Tauchteams suchen nach der versunkenen Yacht. Laut Feuerwehr liegt sie in rund 50 Metern Tiefe. Es wird befürchtet, dass Passagiere während des Unwetters in den Kabinen waren und von den Wassermassen eingeschlossen wurden, als die „Bayesian“ sank. © Vigili del Fuoco
Überlebende schildern dramatische Szenen vom Kentern der Luxus-Yacht. Eine Frau berichtet, ihre Tochter sei ihr in den Fluten erst entglitten, doch dann habe sie sie „fest umarmt“ und schließlich wurden beide gerettet. Insgesamt 15 Personen wurden am Morgen von der Küstenwache und freiwilligen Helfern an Land gebracht.
Überlebende schildern dramatische Szenen vom Kentern der Luxus-Yacht. Eine Frau berichtet, ihre Tochter sei ihr in den Fluten erst entglitten, doch dann habe sie sie „fest umarmt“ und schließlich wurden beide gerettet. Insgesamt 15 Personen wurden am Morgen von der Küstenwache und freiwilligen Helfern an Land gebracht.  © Vigili del Fuoco
Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese leitete noch am Montag Untersuchungen zum Bootsunglück vor Palermo ein. Unter anderem wurden die Überlebenden, darunter der Kapitän, vernommen.
Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese leitete noch am Montag Untersuchungen zum Bootsunglück vor Palermo ein. Unter anderem wurden die Überlebenden, darunter der Kapitän, vernommen.  © Vigili del Fuoco
Derweil geht die Suche nach den Vermissten weiter. Mit jeder Stunde schrumpft allerdings die Hoffnung der Feuerwehr, Menschen lebend zu finden. Es bleibt, auf kleine Wunder zu hoffen.
Derweil geht die Suche nach den Vermissten weiter. Mit jeder Stunde schrumpft allerdings die Hoffnung der Feuerwehr, Menschen lebend zu finden. Es bleibt, auf kleine Wunder zu hoffen. © Vigili del Fuoco
Das ist das letzte Foto der „Bayesian“, bevor sie am Montagmorgen bei einem Unwetter vor Sizilien versank. Am Abend zuvor hatte die Urlaubsgruppe an Bord noch eine Party gefeiert. Ein Barkeeper aus Bagheria fotografierte das hell erleuchtete Schiff am Sonntagabend gegen 22 Uhr.
Das ist das letzte Foto der „Bayesian“, bevor sie am Montagmorgen bei einem Unwetter vor Sizilien versank. Am Abend zuvor hatte die Urlaubsgruppe an Bord noch eine Party gefeiert. Ein Barkeeper aus Bagheria fotografierte das hell erleuchtete Schiff am Sonntagabend gegen 22 Uhr. © Fabio la Bianca
Die Suche nach dem britischen Technologiemagnaten Mike Lynch geht weiter, nachdem die „Bayesian“ vor Sizilien gesunken ist. Italienische Rettungskräfte, die Feuerwehr und die Küstenwache sind im Einsatz. Hubschrauber unterstützen die Suche auf Hochtouren.
Die Suche nach dem britischen Technologiemagnaten Mike Lynch geht weiter, nachdem die „Bayesian“ vor Sizilien gesunken ist. Italienische Rettungskräfte, die Feuerwehr und die Küstenwache sind im Einsatz. Auch Hubschrauber unterstützen die Suche. © Fotogramma/IPA/ABACAPRESS/IMAGO
Die Leichen von fünf der bislang sechs Vermissten nach dem Yacht-Unglück wurden im Wrack entdeckt. Vier Körper konnten am Mittwoch (21. August) geborgen werden. Dabei handelt es sich um zwei Ehepaare.
Die Leichen von fünf der bislang sechs Vermissten nach dem Yacht-Unglück wurden im Wrack entdeckt. Vier Körper konnten am Mittwoch (21. August) geborgen werden. Dabei handelt es sich um zwei Ehepaare. © Jonathan Brady/dpa
Der fünfte Leichensack wird im Hafen von Porticello von Rettungskräften an Land gebracht, die nach den sechs Touristen suchen, die vermisst werden, nachdem die Luxusyacht Bayesian am Montag in einem Sturm gesunken war, während sie etwa eine halbe Meile vor der sizilianischen Küste festgemacht hatte.
479004340.jpg © Jonathan Brady/picture alliance/dpa
Das Aufgebot der Einsatzkräfte vor der Küste von Palermo war enorm. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich unter anderem so schwierig, weil den Tauchern am Grund nach dem Abtauchen in 50 Meter Tiefe nur zehn Minuten zum Arbeiten blieben. Ein Tauchroboter unterstützte.
479037496.jpg © Salvatore Cavalli/picture alliance/dpa/AP
Ein Boot mit einem Tauchteam macht sich am vierten Tag der Such- und Bergungsaktion auf den Weg zur Bayesian. Eine weitere Leiche wurde geborgen. Vermutlich handelt es sich um den britischen Milliardär Mike Lynch oder dessen 18-jährige Tochter.
Ein Boot mit einem Tauchteam machte sich am vierten Tag der Such- und Bergungsaktion auf den Weg zur Bayesian. Eine weitere Leiche wurde geborgen. Vermutlich handelt es sich um den britischen Milliardär Mike Lynch oder dessen 18-jährige Tochter. © Jonathan Brady/dpa

Mike Lynch feierte Freispruch angeblich mit Italien-Segeltörn auf der „Bayesian“

Erst vor wenigen Wochen dann die überraschende Wende: Lynch wurde im Betrugsprozess rund um den „Autonomy“-Deal freigesprochen. Der Freispruch folgte auf eine Niederlage im Zivilprozess in Großbritannien und eine damit verbundenen vier Milliarden Dollar Forderung, der Nachfolgefirmen des früheren Hewlett-Packard-Konzerns. Jahrelang behauptet Lynch, als Sündenbock für eine misslungene Übernahme verantwortlich gemacht worden zu sein. Jetzt galt der Brite als „rehabilitiert“.

Mit dem Segeltörn auf der Luxusyacht sollte das Ende des jahrelangen Rechtsstreits im Juni gefeiert werden, berichtet BBC. Der 59-Jährige war zuvor zu seiner Familie, seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern nach Großbritannien zurückgekehrt. Seine Tochter Hannah (18) wollte nach dem Sommer ein Studium in Oxford beginnen, heißt es.

Milliardärs-Yacht „Bayesian“ versinkt im Mittelmeer

  • Sechs Menschen gelten als vermisst: Milliardär Mike Lynch (59), seine Tochter Hannah (18), der Morgan Stanley Boss Jonathan Bloomer, seine Frau Judy Bloomer und Lynchs Anwalt Chris Morvillo.
  • An Bord der „Bayesian“ waren zum Zeitpunkt des Unglücks am Montagmorgen 22 Menschen – zehn Crew-Mitglieder und zwölf Passagiere.
  • 15 Menschen – darunter Lynchs Ehefrau Angela (57) konnten gerettet werden. Charlotte Golunski und ihr Ehemann James, sowie ihre einjährige Tochter Sophie gehören zu den Überlebenden.

Yacht-Unglück vor Sizilien – Banken-Boss von Morgan Stanley unter den Vermissten

Auch der ver Vorsitzende von Morgan Stanley International, Jonathan Bloomer, ist im Mittelmeer verschollen. Der 70-jährige Brite ist laut BBC auch Vorsitzender der Versicherungsgesellschaft Hiscox. „Wir sind zutiefst schockiert und traurig über diese Tragödie“, zitiert der britische Nachrichtensender einen Sprecher von Morgan Stanley. „Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen, insbesondere bei der Familie Bloomer, während wir alle auf weitere Nachrichten über diese schreckliche Situation warten.“

Lynchs Anwalt Chris Morvillo, war Anwalt der internationalen Top-Kanzlei Clifford Chance. Morvillo war auf „hochkaratige Korruptionsfälle“ spezialisiert und hatte Lynch in seinem jüngsten Prozess vertreten. BBC zufolge war Morvillo von 1999 bis 2005 als stellvertretender US-Staatsanwalt für den südlichen Bezirk von New York an den strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 beteiligt.

Wer war an Bord der „Bayesian“?

Der gemeinsame Urlaub auf Sizilien sollte für Mike Lynch eine Art Neuanfang sein, wie es heißt. So waren offenbar neun Kollegen und deren Familienangehörige an Bord der „Bayesian“ geladen. Nun sind der Tech-Tycoon, seine Tochter und vier Freunde vermutlich tot.

Morgan Stanley Boss Jonathan Bloomer, Lynchs Anwalt Chris Morvillo mit seiner Frau Nada gehören zu den Vermissten, wie Giornalle di Sicilia berichtet. Auch Bloomers Ehefrau Judy soll sich laut BBC-Informationen unter den Vermissten befinden.

Ihre Leichen sind möglicherweise im Boot am Meeresboden eingeschlossen, heißt es. Die „Bayesian“ liegt laut Feuerwehr in 49 Metern Tiefe. Den Tauchern sei am Montagabend zwar der Zugang zur Kommandobrücke gelungen. Von dort konnten sie jedoch nicht weiter vordringen. Spezialisierte Höhlentaucher waren eigens dazu angefordert worden, berichtet die italienische Feuerwehr Vigili del Fuoco via X. Suchtrupps sind seit Dienstagmorgen wieder im Einsatz. (ml)

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